Machtmissbrauch: Wenn der Einfluss zur Gefahr wird

Vorgesetzte verfügen über Macht, die sie zum Wohle des Unternehmens einsetzen können. Wenn ein Chef seine Grenzen jedoch nicht kennt, kann Machtmissbrauch zur Gefahr werden.


Die Macht von Vorgesetzten ist vielen Mitarbeitern ein Dorn im Auge. Doch sie ist in vielen Unternehmensprozessen ein wichtiger Faktor, um den Erfolg voranzutreiben. Vorgesetzte verfügen über die notwendige Macht, um Entscheidungen zu treffen und durchsetzen zu können sowie in Entscheidungsprozesse einzugreifen. Auf der anderen Seite verfügen sie auch über Netzwerke und Allianzen, welche es ihnen ermöglichen, ihre Machtpostion auszuspielen. Macht ist somit zunächst nichts Böses. Wer als Chef seine Grenzen jedoch nicht kennt und unter Selbstunterschätzung leidet, läuft Gefahr, seine Macht zu missbrauchen. Dann müssen nicht nur die untergebenen Mitarbeiter darunter leiden, sondern dies kann sich ebenso negativ auf das Unternehmen auswirken.

Machtmissbrauch im Job

Macht kann schnell zu Machtmissbrauch führen. Selbst sonst eher positiv eingestellte und beliebte Mitarbeiter können, wenn sie erst einmal durch eine Beförderung mehr Macht erlangen, an der neu gewonnenen Verantwortung scheitern. Sie überschätzen sich selbst, sind unsicher oder wissen nicht, wie ihr Auftreten und Handeln auf andere wirkt. Wer als junger Vorgesetzter unsicher ist, greift dabei häufig auf Vorbilder zurück. Handelt es sich dabei um zweifelhafte Vorbilder, welche ebenso schlecht mit der Macht umgehen konnten, scheitern sie schnell an der neuen Herausforderung.

Viele Menschen in einer Machtposition sehen Mitarbeiter, die viel Leistung erbringen und nach einer beruflichen Karriere streben, als Konkurrenten an. Kritik lassen sie überhaupt nicht mehr an sich heran und sie wird als Versuch der Demontage angesehen. Dadurch sind Spannungen vorprogrammiert. Wer an dieser Stelle nicht sachlich bleibt und dennoch die Fähigkeiten des Mitarbeiters für das Unternehmen einzusetzen weiß, handelt nicht mehr im Sinne des Unternehmens.

Machtmissbrauch: Wie geht man damit um?

Wer unter dem Machtmissbrauch einer Führungskraft leidet, sollte zügig handeln, damit ernstzunehmende Konsequenzen vermieden werden können:

  • Direktes Gespräch suchen
    Nicht jedem Vorgesetzten ist bewusst, wie sein Handeln und seine Entscheidungen bei seinen Mitarbeitern ankommt. Sie haben das Gefühl dafür verloren, wie es ist, in ihrer Position zu sein und Weisungen zu erhalten. Ein Feedback kann Vorgesetzten an dieser Stelle helfen, die Situation beurteilen zu können. Dabei sollte allerdings auf Schuldzuweisungen verzichtet werden. Besser kann es sein, aus der eigenen Perspektive zu schildern. Machen Sie beispielsweise darauf aufmerksam, dass und warum Sie sich ungerecht behandelt fühlen.
  • Sofort handeln
    Wenn sich Mitarbeiter sofort gegen Machtmissbrauch zur Wehr setzten, kann dies helfen, dass sich im Unternehmen keine automatisierten Mechanismen etablieren.
  • Respektvolles, aber selbstsicheres Auftreten
    Die Botschaften an den Chef sollten mit allem Respekt vorgetragen werden. Vergessen Sie dabei aber nicht, stets selbstsicher aufzutreten. Ansonsten kann es schnell passieren, dass Ihre Äußerungen nicht ernst genommen werden und das Problem sich noch verschärft.
  • Hilfe holen
    In schwerwiegenden Fällen ist es nicht immer möglich, direkt mit der Führungskraft zu sprechen. Dann kann es hilfreich sein, sich Hilfe zu holen. Dabei kann es sich um Kollegen handeln, den Betriebsrat oder um eine andere Vertrauensperson im Unternehmen. Ein unbeteiligter Dritter sieht die Dinge vielleicht aus einer anderen Perspektive und kann dadurch dazu beitragen, die Situation zu entschärfen.

Bildquelle: OPOLJA/Shutterstock