Marktwert: Ihr Ass im Ärmel für die Gehaltsverhandlung

Nur, wenn Sie Ihren Marktwert kennen, können Sie in der Gehaltsverhandlung auch einen fairen Betrag aushandeln. Doch wie ermitteln Sie diesen?

Beim Marktwert handelt es sich um den Wert einer Arbeitskraft aufgrund ihrer Erfahrung, Qualifikation sowie der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Das bedeutet: Sind Sie eine begehrte Fachkraft, verfügen über viele Jahre Berufserfahrung oder besondere Kenntnisse, können Sie prinzipiell ein höheres Gehalt verlangen als jüngere Mitarbeiter ohne Erfahrung und in einem überlaufenen Metier. Dennoch gibt es beim Verdienst eine Besonderheit zu beachten, denn hier greifen nicht zwingend die Regeln von Angebot und Nachfrage, sondern auch die Branche hat großen Einfluss auf den Verdienst. So beziehen zum Beispiel viele Menschen in sozialen Berufen ein eher geringes Gehalt, obwohl dort ein großer Fachkräftemangel herrscht. Für Arbeitnehmer macht es das mitunter schwierig, ihren Marktwert zu ermitteln.

Der Marktwert bildet die Grundlage Ihrer Gehaltsverhandlung

Erst einmal steht für viele Bewerber und Arbeitnehmer die Frage im Raum, wieso sie diesen Marktwert überhaupt ermitteln sollten. Ganz einfach: Er ist die Grundlage Ihrer Gehaltsverhandlung. Werden Sie im Bewerbungsgespräch nach Ihren Verdienstvorstellungen gefragt, orientiert sich der genannte Betrag in der Regel an Ihrem Marktwert, welchen Sie natürlich entsprechend begründen müssen. Fordern Sie beispielsweise mehr als den Durchschnitt, hakt der Recruiter unter Umständen nach, weshalb Sie mehr „wert“ seien. Sie sollten dann besondere Qualifikationen oder ähnliche Argumente vorbringen können. Doch auch in einem bestehenden Arbeitsverhältnis sollten Sie alle ein bis zwei Jahre um eine Gehaltserhöhung bitten. Der optimale Zeitpunkt dafür ist nach einem beruflichen Erfolg: Wenn Sie ein Projekt früher oder kostengünstiger abgeschlossen haben als gedacht oder nach einer Menge Lob im jährlichen Feedbackgespräch beispielsweise. Auch in dieser Art von Gehaltsverhandlung sollten Sie Ihren Marktwert kennen und einfordern. Dadurch nennen Sie nicht nur wilde Zahlen oder eine Traumvorstellung, sondern können nachvollziehbar darlegen, wie viel Sie verdienen sollten und weshalb. Gegen stichfeste Argumente kann Ihr Verhandlungspartner deutlich weniger einwenden.

Das Dilemma mit dem Marktwert: Über Geld spricht man nicht

In der deutschen Kultur wird denkbar ungerne über Geld gesprochen. Selbst die besten Freunde oder sogar Partner tauschen untereinander nicht immer offen aus, wie viel sie eigentlich verdienen. Geschweige denn wird das Thema im beruflichen Kontext angesprochen. Viele Arbeitsverträge enthalten sogar eine entsprechende Verschwiegenheitsklausel. Das soll sich dank Entgelttransparenzgesetz & Co zwar zukünftig ändern, doch die Grundregel „Über Geld spricht man nicht“ ist fest in den Köpfen der Gesellschaft verankert. Das erschwert es für viele Arbeitnehmer sowie Bewerber, ihren Marktwert zu ermitteln. Sie können zwar Kollegen, Freunde, Bekannte und Angehörige fragen, werden aber nicht zwingend eine Antwort erhalten – und wenn doch, so neigen viele Menschen zum Aufrunden. Glücklicherweise gibt es noch weitere Möglichkeiten, um Ihren Marktwert zu ermitteln. Aber welche?

Wie können Sie Ihren Marktwert ermitteln?

Das World Wide Web hat eine simple Lösung für dieses Problem gefunden: In anonymen Portalen sowie Foren können Menschen angeben, wie viel sie in ihrem Beruf verdienen. So erhalten Sie eine Menge Vergleichswerte aus ganz Deutschland, deren Durchschnitt Ihnen schon einmal wichtige Anhaltspunkte für Ihren Marktwert geben kann. Ob exakt dieser Durchschnitt für Ihre Gehaltsforderung angemessen ist oder Sie eventuell etwas mehr beziehungsweise weniger verdienen können, liegt auch in folgenden Faktoren begründet:

  • Branche: Wie bereits erwähnt, hängen die Verdienstmöglichkeiten zu großen Teilen von der Branche ab. So ist prinzipiell in sozialen Berufen weniger herauszuholen als beispielsweise in der Industrie.
  • Berufserfahrung: Je mehr Berufserfahrung Sie haben, umso höher ist in der Regel Ihr Gehalt. In Gehaltsverhandlungen stellt dann stets Ihr vorheriger Verdienst die Grundlage der neuen Forderung dar. Üblich sind Erhöhungen von rund drei bis fünf Prozent. In Ausnahmefällen wie dem Aufstieg in eine Führungsposition können sogar zehn bis 20 Prozent mehr möglich sein.
  • Qualifikation: Weiterhin können besondere Qualifikationen wie Fort- und Weiterbildungen Ihren Marktwert erhöhen. Als Spezialist in einem Fachgebiet verdienen Sie deshalb in der Regel etwas mehr.
  • Region: Nach wie vor ist das Durchschnittseinkommen in Westdeutschland höher als in Ostdeutschland. Ebenso kann der Verdienst in einer Großstadt wie München mehr betragen als in einer ländlichen Region mit günstigeren Lebenshaltungskosten.
  • Unternehmensgröße: Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle. Je kleiner das Unternehmen, umso geringer sind in der Regel auch die Löhne, welche gezahlt werden können. Andersherum können Sie in Großunternehmen häufig etwas mehr fordern.
  • Tarifvereinbarungen: Gerade – aber längst nicht nur – größere Unternehmen sind oft an Tarifverträge gebunden. Dies macht Ihnen die Ermittlung Ihres Marktwertes denkbar einfach.
  • Unternehmenssituation: Unabhängig von der Unternehmensgröße hängt Ihr Einkommen aber auch von der wirtschaftlichen Situation des Betriebes ab. In einer Wirtschaftskrise werden Sie wohl kaum eine Gehaltserhöhung durchsetzen können.
  • Selbstbewusstsein: Und zuletzt müssen Sie auch schlichtweg den Mut haben, in eine Gehaltsverhandlung zu gehen und einen konkreten Wert zu fordern. Vor allem Frauen machen nämlich den Fehler, nur selten bis nie nach einer Gehaltserhöhung zu fragen – und machen ihren Marktwert dadurch ein Stück weit selbst kaputt.

Welche weiteren Faktoren kennen Sie, die über den Marktwert entscheiden? Wie kann er Ihrer Meinung nach bestmöglich ermittelt werden?


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