Meetings nach Amazon-Vorbild: Was verbirgt sich hinter der Zwei-Pizza-Regel?

Meetings gehören zu den größten Zeitfressern im Büro. Selten produktiv, dafür umso öfter ausufernd wecken sie bei kaum einem Mitarbeiter freudige Gefühle. Ein einfacher Trick kann hieran jedoch etwas ändern.

Der Internet-Riese Amazon gehört zu jenen beispiellosen Unternehmen, die uns vormachen, wie Business im Großformat funktioniert. Die Webseite hat sich von der Bücher-Plattform zum Platzhirsch im Bereich Online-Marktplätze (und noch mehr) entwickelt und freut sich täglich über Millionen von Nutzern auf der ganzen Welt. Da fragt man sich natürlich automatisch: Woran liegt es, dass Amazon so erfolgreich ist? Nun, alle Geheimzutaten des Rezeptes können wir Ihnen an dieser Stelle nicht verraten (weil wir sie nicht kennen). Aber vielleicht haben ja italienische Teigwaren etwas damit zu tun…

Was haben Pizzas mit Meetings zu tun?

Als Amazon-Chef Jeff Bezos feststellen musste, dass die unternehmensinternen Meetings mehr und mehr aus den Fugen gerieten und nur selten brauchbare Resultate hervorbrachten, überlegte er sich etwas: Die Zwei-Pizza-Regel – eine ziemlich einfache Formel, die Besprechungen automatisch und im Handumdrehen produktiver macht.

Sie besagt: Am Meeting sollten nur so viele Menschen teilnehmen, die von zwei Pizzas satt werden.

Da Amazon ein US-amerikanisches Unternehmen ist, darf davon ausgegangen werden, dass auch US-amerikanische Pizzas gemeint sind. Diese sind gern mal doppelt bis dreifach so groß wie ihre europäischen Verwandten. Ein Umstand, der zu dem Schluss führt, dass am idealen Meeting nach Jeff Bezos nicht mehr als acht Personen teilnehmen sollten.

Ein Riesen-Konzern oder der Zusammenschluss vieler kleiner Startups?

Nach außen hin tritt Amazon natürlich stets als der einflussreiche Riese auf. Wirft man jedoch einen Blick hinter die Kulissen, so stellt man fest, dass das Unternehmen überraschend kleinteilig organisiert ist und darum extrem agil und flexibel auf Veränderungen reagieren kann. Ein wesentlicher Bestandteil von Amazons Erfolg? Durchaus vorstellbar.

Manche Insider wie der ehemalige Mitarbeiter Werner Köpf gehen sogar so weit zu sagen, dass Amazon ein Konglomerat verschiedener Start-Ups ist.

Fakt ist auf jeden Fall: Der Konzern von Jeff Bezos setzt auf kleine Teams, die weitestgehend autark arbeiten und nicht auf zig andere Instanzen angewiesen sind. Die Zwei-Pizza-Regel greift also an allen Stellen und kommt täglich zum Einsatz bei Amazon.

Warum kleine Meeting-Teams besser sind

Bleibt allerdings immer noch die Frage offen, warum ein so einflussreiches Unternehmen wie Amazon Gebrauch von so etwas Profanem wie der Zwei-Pizza-Regel macht. Nun, ganz einfach: Weil mittlerweile sogar wissenschaftlich belegt wurde, dass am idealen Meeting nicht mehr als acht Personen teilnehmen. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich.

Wenn zu viele Personen am Meeting teilnehmen, dann…

  • kommt nicht jeder zu Wort
  • können sich Leute „abducken“ und ihrer Verantwortung entziehen
  • werden Ideen nicht ausreichend besprochen
  • entstehen schneller Konflikte
  • fühlen sich einzelne Teilnehmer in ihrer Kreativität eingeengt
  • entsteht schneller eine „Vortrags-Atmosphäre“, in der einer das Wort ergreift und nicht wieder abgibt
  • entsteht schneller ein Chaos, das der Moderator nicht bewältigen kann
  • treffen zu viele unterschiedliche Meinungen aufeinander, sodass man nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommt
  • besteht von Anfang an eine gewisse Anonymität
  • geht die Effizienz der Besprechung verloren

Kleinere Teams hingegen arbeiten oftmals viel effektiver und auch enger zusammen. Jedes einzelne Mitglied hat die Chance, seine Ansichten und Ideen zu teilen und dafür auch Gehör zu finden. Gleichzeitig gibt es aber auch nicht zu viel Input, sodass ein ziel- und ergebnisorientiertes Arbeiten möglich ist.

Nicht zuletzt bringen Meetings mit maximal acht Kollegen den unschätzbaren Vorteil mit sich, dass sich niemand in der Masse verstecken und der Aufgabenverteilung entziehen kann. Das wiederum steigert die Produktivität und vermittelt jedem Meeting-Teilnehmer ein Gefühl von Verantwortung.

Was können Unternehmen noch von Amazon lernen?

Amazon-Chef Jeff Bezos gilt nicht ohne Grund als aktuell reichster Mensch der Welt. Dieser Mann weiß, wie man erfolgreich wird – und gibt sein Wissen gern an seine Mitarbeiter weiter. Und so kommt es, dass man bei Amazon neben der Zwei-Pizza-Regel beispielsweise auch diesen Prinzipien folgt:

  • umgekehrte Beweispflicht: Grundsätzlich ist alles möglich und jede Idee umsetzbar – zumindest solang, bis bewiesen werden kann, dass dem nicht so ist.
  • keine Power Point Präsentationen: Wenn einer redet und alle anderen zuhören, dann sind Passivität und mangelnder Austausch vorprogrammiert. Amazon wirkt dem entgegen, indem es die gute alte Power Point Präsentation vollständig abgeschafft hat. Stattdessen erhalten Meeting-Teilnehmer ein mehrseitiges Infosheet, das jeder für sich durchgeht. Nach etwa 30 Minuten beginnt die gemeinschaftliche Diskussion.
  • Innovation als fester Bestandteil der Unternehmenskultur: Neue Ideen werden bei Amazon nicht auf Teufel komm raus geboren. Die Entwicklung von Innovationen ist stattdessen ein fester Bestandteil vom daily business im Konzern.

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