Mit Dankbarkeit zu mehr Erfolg im Job

Echte Dankbarkeit empfinden können: Das ist ein Schlüssel zum Erfolg. Warum ist das so? Und wann ist Dankbarkeit im Beruf angebracht?


Sicherlich kann es strategisch nützlich sein, sich dem Chef gegenüber als dankbaren Menschen zu präsentieren. Ziel: Er soll für einen selbst eingenommen werden. Wenn Dankbarkeit manipulativ vorgespielt wird, erkennen die Kollegen das sehr schnell. Ein Mitarbeiter, der sich bei Kollegen nicht für erwiesene Unterstützungen bedankt, aber in Anwesenheit von Vorgesetzten die Charakterrolle des „Dankbaren“ simuliert, verliert schnell die Achtung der eigenen Teammitarbeiter. Dankbarkeit ist ein eigenständiger Gefühlsbereich, der sich neurologisch im Gehirn nachweisen lässt. Deshalb geht es bei Dankbarkeit um weitaus mehr als nur das Beherrschen höflicher oder taktisch kluger Gesten. Dieses „Mehr“ ist der Grund, weshalb Dankbarkeit real nachweisbare, positive Auswirkungen auf die eigene berufliche Entwicklung hat. Dankbarkeitsgefühle verändern die eigene Person und steigern in der Folge den sozialen und beruflichen Erfolg. Doch wieso kann Dankbarkeit unsere Persönlichkeit verändern?

Dankbarkeit verändert die Gehirnaktivitäten

Die psychische Fähigkeit, sich dankbar fühlen zu können, hat eine hohe evolutionäre Bedeutung. Bei diesem Gefühl schüttet das menschliche Gehirn die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin aus. Sie bewirken eine deutliche Stimmungsaufhellung und werden deshalb im Volksmund auch als Glückshormone bezeichnet. Dankbarkeit für die Wohltaten anderer schweißt die sozialen Beziehungen zusammen. Deshalb ist diese seelische Grundfähigkeit dem Menschen mitgegeben. Trotzdem muss sie – genauso wie Empathie – sozial gefördert und persönlich geübt werden.

Lange Zeit wurde diese Kompetenz von der Wissenschaft übersehen. Erst seit rund 15 Jahren finden ausführliche Forschungen zu den Auswirkungen von Dankbarkeit statt. Dabei kommen die modernen Studien zu erstaunlichen Ergebnissen: Mit Computertomografien konnte die Universität in Indiana/USA belegen, dass Dankbarkeitsgefühle neuronale Veränderungen im Gehirn bewirken. Im Test erhielt eine Versuchsgruppe mehrere Wochen lang ein Dankbarkeitstraining. Bei der Kontrollgruppe unterblieb eine solche Maßnahme. Später belegten die Computerbilder, dass die gesteigerten Dankbarkeitsempfindungen zu einer Aktivierung mehrerer Gehirnareale führte. Bei der Kontrollgruppe waren diese Phänomene nicht erkennbar.

Dankbarkeit stärkt Persönlichkeit und Gesundheit

Wer sich dankbar fühlt, weist erhöhte Gehirnaktivitäten u. a. im Frontallappenbereich auf. Dieser Gehirnabschnitt steuert das Sozialverhalten und die eigene Persönlichkeit. Dieser Zusammenhang ist kein Zufall. Das bestätigt eine andere Studie. Sara Algoe, Psychologie-Professorin in North Carolina, untersuchte die Effekte von Dankbarkeit bei frisch verliebten Paaren. Dabei zeigte sich: Die Partner verbrachten rund 35 Prozent des Tages damit, der geliebten Person entweder einen Gefallen zu tun oder zuvorkommend zu sein. Der Wahrnehmung nach glaubte jeder, dass der Partner 40 Prozent des Tages mit solchen liebevollen Handlungen fülle. Bei dieser Einschätzung empfanden alle Probanden eine tiefe Gefühlsverbundenheit mit ihren Partnern.

Mit anderen Worten: Dankbarkeit beeinflusst die Wahrnehmung für die eigene Persönlichkeit. Das Erlebnis, selbst liebevoll behandelt zu werden, steigt an. In sozialer Hinsicht wird die Verbindung zwischen Partnern dadurch gestärkt. Diverse Untersuchungen zeigten außerdem, dass die körperliche Gesundheit durch Dankbarkeitsgefühle ebenfalls gefördert wird. Dankbarkeitsgefühle reduzieren Stress und fördern die seelische Widerstandskraft in Belastungssituationen. Entzündungen treten seltener auf, das Immunsystem ist stabiler und das Herz ist vor Erkrankungen besser geschützt. Insgesamt führt Dankbarkeit in ein positiveres, optimistischeres Lebensgefühl, stärkt die soziale Verbundenheit und unterstützt die persönliche Stabilität.

Dankbarkeit und Beruf

Die Auswirkungen auf den beruflichen Erfolg lassen sich leicht erklären, wenn Sie sich vor Augen führen, wie sich dankbare Gefühle auf Persönlichkeit, Optimismus,  Gesundheit und soziale Verbundenheit auswirken. Allein die Ausstrahlung, die von dankbaren Menschen ausgeht, ist im beruflichen Zusammenhang von Vorteil. Sie wirken sympathisch und zuvorkommend. Erwiesenermaßen haben dankbare Menschen ein größeres soziales Netzwerk als undankbare. Ein solches Netzwerk hilft Ihnen bei der Jobbeschaffung, spricht Empfehlung für Sie aus oder hilft aus der Patsche, wenn eine Aufgabe Sie überfordert. Solange Sie diese Unterstützung mit Dankbarkeit beantworten, gewinnen Sie nicht nur Unterstützung, sondern Ihre Karrierechancen steigen sogar an. Sie werden gerne gefördert und sind als beruflicher Partner beliebt.

Anders sieht das bei Menschen aus, die solche Unterstützungen zwar annehmen, aber hinterher die Erfolge allein sich selbst zuschreiben wollen. Auf Dauer sinkt hierdurch die Bereitschaft anderer Menschen zur Unterstützung. Gesten der Dankbarkeit können eine sehr unmittelbare Wirkung erzielen. Das betrifft vor allem die klassische Danksagung. Geschäftskunden einen Dankesbrief schicken, nach einem Bewerbungsgespräch eine Danksagung verfassen für die Chance, das Unternehmen kennenzulernen und anregende Fragen, Gedanken und Hinweise erhalten zu haben: All das stärkt die Verbundenheit. Nicht nur man selbst, auch Kunden, Vorgesetzte, Arbeitgeber oder Kollegen freuen sich über ein Dankeschön. Eine dankbare Person wird intensiver wahrgenommen und in Erinnerung behalten.

Also: Bringen Sie Ihren Kollegen doch eine Tasse Kaffee mit oder halten Sie ihnen Tür auf: So entstehen ein harmonischer Teamgeist und positive Stimmung. Erhalten Sie für diese netten Gesten selbst ein Dankeschön, nehmen Sie es einfach an. Ein schlichtes „Gern geschehen“, ein Lächeln als Zeichen Ihrer Freude – das genügt.

Haben Sie selbst schon erstaunliche Erfahrungen damit gemacht, wie sich Dankbarkeit im Beruf auswirken kann? Oder glauben Sie, dass es sich in den meisten Fällen nur um oberflächliche Rituale handelt? Wie sehen Sie das?


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