Mitarbeitermotivation durch Boni? Kommt darauf an…!

Boni sind ein weit verbreitetes Mittel zur Erhöhung der Mitarbeitermotivation, doch ihre Wirkung ist umstritten. Welche Boni sind also sinnvoll und wie sehen die Alternativen aus?

Das Ausmaß der Arbeitnehmermotivation kann über den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden, keine Frage. Dennoch experimentieren deutsche Betriebe aktuell mit allerhand Maßnahmen zur Erhöhung der Motivation, deren Wirkung mehr als fraglich ist. Ein altbekanntes und bewährtes System ist der Bonus. Variable Gehaltsbestandteile sollen die Angestellten im Sinne einer Erhöhung ihres Verdienstes anspornen. Experten warnen: Ein solches System ist nicht nur ungerecht, es kann dadurch sogar den gegenteiligen Effekt erzielen und die Mitarbeiter demotivieren. Viele Betroffene fühlen sich mit ihrem Grundgehalt unterbezahlt. Mehr Lohn durch Selbstausbeutung? Das Konzept geht in einer Gesellschaft, in der immaterielle Werte wie Freizeit immer wichtiger und materielle wie Geld immer unwichtiger werden, nicht (mehr) auf. Boni sollen die Motivation sowie Loyalität der Menschen erkaufen. Doch diese haben das System längst durchschaut und für unzureichend befunden. Wieso? Weil das Glück nicht proportional zum Gehalt steigt.

Mehr Geld bedeutet nicht immer mehr Glück sowie Motivation

Stattdessen machte der Nobelpreisträger und Psychologe Kahnemann vor einigen Jahren mit folgenden Studienergebnissen Schlagzeilen: Bis zu einem Jahresgehalt von 75.000 US-Dollar steigt das subjektiv empfundene Glück eines Arbeitnehmers proportional zum Einkommen. Anschließend ist der „Break-Even-Point“ erreicht. Wer also noch mehr verdient, wird dadurch nicht noch glücklicher. Wieso also mehr arbeiten oder leisten, wenn der positive Effekt ausbleibt? Die meisten Betroffenen werden in diesem Fall die Freizeit dem „Mehr“ an Arbeit sowie Geld vorziehen. Motivation sieht anders aus! Boni gehen demnach von einer falschen Korrelation zwischen Geld und Motivation aus, welche nur bis zu einem gewissen Punkt besteht. Anschließend handelt es sich bei der Maßnahme um nicht mehr als einen Denkfehler. Die Antwort darauf, ob Boni sinnvoll sind, ist demnach mit einem eindeutigen „Jein“ zu beantworten.

Motivation sollte aus intrinsischen Faktoren resultieren

Es mag also durchaus sein, dass Boni für jüngere sowie weniger gut verdienende Mitarbeiter eine Zeit lang als Motivator dienen und dadurch ihren Zweck erfüllen. Jedoch gibt es neben dem Mangel an Fairness und dem daraus entstehenden Unmut in der Belegschaft sowie der fehlenden Korrelation zwischen Geld, Glück und Motivation noch einen dritten Grund, welcher gegen einen Bonus spricht: Zwar mag er auf einige Mitarbeiter motivierend wirken, jedoch schlichtweg aus den falschen Gründen. Anhaltende Motivation, die zu Höchstleistungen anspornt und den Arbeitnehmer mit Leidenschaft an einer Vision arbeiten lässt, resultiert niemals aus extrinsischen Faktoren wie Geld, dem Geschäftswagen oder dem Ausblick auf eine Beförderung. Eine solche Motivation besteht – wenn überhaupt – nur für einen überschaubaren Zeitraum und endet schlimmstenfalls in Stress, Selbstausbeutung oder einem Burnout-Syndrom.

Anders bei intrinsischer Motivation: Diese kommt von innen und entwickelt sich quasi „aus sich selbst heraus“. Sie bedeutet den unbedingten Willen, ein gegebenes Ziel zu erreichen. Intrinsische Motivation entsteht aus Faktoren wie Spaß, Anerkennung, Interesse oder dem tiefen Wunsch, die Welt auf irgendeine Art und Weise zu verbessern. Sie hat demnach mit einer Vision zu tun – und dem Genuss des Weges zu diesem Ziel. Dadurch wirkt sie auf Körper und Geist nicht erschöpfend oder auslaugend, sondern schenkt stattdessen die notwendige Energie für Höchstleistungen. Es entsteht quasi eine sich selbst verstärkende Aufwärtsspirale.

Bonus ist nicht gleich Bonus – Welche Boni sind sinnvoll?

Das Zwischenfazit lautet also: Variable Gehaltsbestandteile oder materielle Boni wie der Geschäftswagen sind kein wirkungsvolles Instrument zur Erhöhung der Mitarbeitermotivation. Das bedeutet nicht, dass ein Bonus in anderer Form aber nicht dennoch sinnvoll ist. Er muss nur eben an anderer Stelle ansetzen und dadurch die intrinsische Motivation im Arbeitnehmer wecken. Hierfür eignet sich die individuelle Förderung im Sinne von Fort- und Weiterbildungen. Auch das Angebot einer flexibleren Arbeitseinteilung oder die Einräumung von mehr Selbstbestimmung können auf die Mitarbeiter motivierend und damit als eine Art Bonus wirken. Freiheit, Selbstverwirklichung oder eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie – das sind die Werte, mit welchen sich die Fachkräfte der Zukunft begeistern lassen.

Zudem spielt Anerkennung eine tragende Rolle: Mitarbeiter möchten sich durch ihren Vorgesetzten wertgeschätzt fühlen. Ein simples Lob ist dabei bereits ein wichtiger erster Schritt. Jedoch können auch hier Gehaltserhöhungen oder der Firmenwagen als Maßnahme infrage kommen. Prinzipiell haben materielle Werte also nicht ausgedient, sie müssen nur anders „verkauft“ werden. Anstelle von Bestechung sollten sie eine Geste der Anerkennung darstellen – und schon werden sie von den Mitarbeitern positiv anstatt negativ aufgefasst. Es geht darum, den Bonus nicht gänzlich abzuschaffen, sondern ein neues Verständnis für Boni, deren Einsatzmöglichkeiten sowie Wirkung zu entwickeln. Nur dann wird der „Motivator“ auch in Zukunft weiterhin Bestand haben.

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