Mobbing am Arbeitsplatz: Wie sollten Führungskräfte reagieren?

Mobbing wird in deutschen Unternehmen immer mehr zum Problem. Führungskräfte können und sollten nicht länger wegsehen. Aber wie reagieren Sie richtig?

Ob das Mobbing zahlenmäßig aktuell wirklich zunimmt oder ob nur das Bewusstsein um die Problematik wächst und das Thema dadurch immer mehr in die Öffentlichkeit rückt, ist strittig. Fakt ist einfach: Mobbing ist ein Problem, das garantiert jede Führungskraft mindestens einmal in ihrer Berufslaufbahn betrifft und vor welcher Sie nicht einfach die Augen verschließen können. Leider erkennen viele Vorgesetzte Mobbing nicht, erst viel zu spät oder sie wissen schlichtweg nicht, wie sie richtig mit der Problematik umgehen sollen. Schlimmstenfalls sind Sie in Form von „Bossing“ sogar selbst der Täter – doch darum soll es heute nicht gehen. Es stellt sich stattdessen die Frage: Was können und sollen Sie tun, wenn einer Ihrer Mitarbeiter von seinem Team oder anderen Arbeitskollegen gemobbt wird?

Wie erkennen Sie Mobbing überhaupt?

Um Mobbing verhindern zu können, müssen Sie dieses natürlich erst einmal erkennen. Hierbei gilt es, einen Mitarbeiter ernst zu nehmen, wenn er mit Mobbingvorwürfen gegenüber seinen Kollegen auf Sie zukommt. Nicht immer muss es sich direkt um handfeste Schikane handeln, doch Sie sollten zumindest auf den Hilfesuchenden eingehen und sein Anliegen ernsthaft prüfen. Viele Betroffene leiden aber stumm vor sich hin, ziehen sich immer mehr zurück und suchen sich keine Hilfe. In diesen Fällen lässt sich das Mobbing für Außenstehende viel schwieriger erkennen. Etwaige Anhaltspunkte können sein:

  • Der Mitarbeiter zieht sich immer mehr zurück, wird stiller, verschlossener und in sich gekehrter.
  • Der Betroffene zückt häufiger die Krankschreibung und fehlt mitunter sehr lange am Arbeitsplatz.
  • Es gibt offene Konflikte im Team, wenn sich das Opfer zu wehren versucht – was aber meist nur in der Anfangsphase der Fall ist.
  • Sie merken, dass sich unter den Mitarbeitern „Grüppchen“ bilden.

Beim Mobbing agiert stets ein mächtigerer Täter gegen ein schwächeres Opfer. Meistens handelt es sich dabei um die Konstellation: Alle gegen einen. Haben Sie deshalb einen wachen Blick auf die Strukturen und sozialen Beziehungen sowie Dynamiken innerhalb Ihres Teams. Je besser Sie die individuellen Mitglieder kennen, umso früher werden Ihnen auch Veränderungen bei einer Person auffallen. Suchen Sie dann das Vieraugengespräch und erkundigen Sie sich vorsichtig nach den Gründen. Sollte der Begriff „Mobbing“ fallen, gehen Sie keinesfalls leichtfertig damit um.

Mobbing – ein inflationär verwendeter Begriff?

Viele Führungskräfte winken genervt ab, wenn ein Mitarbeiter über Mobbing klagt. Sie gehen von einer inflationären Verwendung des Begriffs auf und werten den Betroffenen als zu empfindlich ab. Ein großer Fehler, denn tatsächlich war laut aktueller Umfragen jeder neunte erwerbstätige Deutsche im Arbeitsleben schon mindestens ein Mal von Mobbing betroffen (Quelle: Handelsblatt). Auch, wenn Sie vom Thema Mobbing mittlerweile genervt sein sollten, müssen Sie dieses Thema also ernst nehmen und rechtzeitig handeln. Aber wie?

Handlungsempfehlung für Führungskräfte im Umgang mit Mobbing

Am besten agiert eine Führungskraft natürlich dann, wenn sie Mobbing bei ihren Mitarbeitern präventiv verhindern kann. Häufig ist für solche Konflikte nämlich eine fehlerhafte Arbeitsorganisation verantwortlich, bei der sich eine oder mehrere Parteien ungerecht behandelt fühlen. Dies schürt Neid, Missgunst und Aggressionen im Team – und schafft damit die besten Voraussetzungen für Mobbing. Zudem sollten Sie als Führungskraft ein offenes Ohr für Ihre Mitarbeiter haben. Betroffene müssen das Gefühl haben, Sie mit ihren Problemen ansprechen zu können und dadurch die gewünschte Hilfe zu erhalten. Hierbei spielt einerseits Ihre Kommunikation eine Rolle und andererseits natürlich auch Ihre Berechenbarkeit, sprich dass Sie Ihre Versprechungen gegenüber den Angestellten auch halten. Bemerken Sie Mobbing im Team oder kommt ein Betroffener auf Sie zu, gehen Sie wie folgt vor:

  • Nehmen Sie die Vorwürfe ernst und bitten Sie beide Parteien zu einem voneinander getrennten Vieraugengespräch. Bleiben Sie unbedingt objektiv sowie neutral, doch versuchen Sie, eine Lösung für das Problem zu finden.
  • Erst anschließend können Sie ein gemeinsames Gespräch mit Täter und Opfer suchen, wenn Sie dieses als sinnvoll erachten. Dies hängt zu großen Teilen von der Fähigkeit zur Einsicht des Mobbers ab. Eventuell sollte eine neutrale Person wie ein Mediator der Konversation beiwohnen.
  • Sollte es sich tatsächlich um einen Mobbingfall handeln und der Täter zeigt sich uneinsichtig, können Sie diesen mittels Versetzung oder Abmahnung bestrafen.
  • Lassen Sie dennoch dem Opfer die notwendige Hilfe zukommen, die es zur Verarbeitung der Geschehnisse benötigt. Vielleicht wünscht es ebenfalls eine interne Versetzung oder Sie stellen den Kontakt zu einer Beratungsstelle her.
  • Fühlt sich ein Mitarbeiter hingegen zu Unrecht gemobbt, nehmen Sie ihn dennoch ernst und versuchen Sie, die Gründe für diese Emotion herauszufinden. Schließlich sollte es Ihr Ziel sein, dass sich alle Teammitglieder an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen und dadurch ihre besten Leistungen erbringen können.

Als Führungskraft richtig auf Mobbing zu reagieren, ist also nicht nur eine Frage der Empathie und Ihrer Fürsorgepflicht, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht hat das Thema hohe Brisanz. Wird das Mobbing nämlich nicht rechtzeitig unterbunden, fällt der Betroffene mit hoher Wahrscheinlichkeit für lange Zeit krankheitsbedingt aus oder zückt die Kündigung. Schlimmstenfalls klagt es sogar Schadensersatzansprüche ein – ganz zu schweigen von dem Schaden für das Image und Betriebsklima des Unternehmens.

Welche weiteren Empfehlungen haben Sie für Führungskräfte im Umgang mit dem Thema Mobbing?


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