Mythos oder Realität: Wie gestaltet sich ein Arbeitstag im Home Office wirklich?

Für immer mehr Arbeitnehmer ist das Home Office ein überaus erstrebenswertes Ziel. Doch entsprechen all die Vorstellungen, die mit der Heimarbeit verbunden sind, auch wirklich der Realität?

Arbeiten im Home Office – Wer vom Chef die Erlaubnis bekommen hat, einen Teil der Büroaufgaben in den heimischen vier Wänden zu erledigen, darf sich freuen. Denn tatsächlich kann sich die Heimarbeit positiv auf das Arbeits- und Privatleben auswirken. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie nun gleich die rosarote Brille aufsetzen und alles glorifizieren sollten. Wer die Möglichkeit erhält, teilweise oder komplett im Home Office zu arbeiten, wird oftmals von scheinbaren Fakten beeinflusst, die sich nicht selten als Mythos herausstellen. Ein paar davon sollen in diesem Beitrag genauer beleuchtet werden.

Mythos 1: Nie wieder Business-Outfit

Wer im Home Office arbeitet, muss keinen Wert auf eine ordentliche und dem Beruf entsprechende Garderobe legen? Grundsätzlich ist diese Aussage nicht falsch – aber auch nicht richtig. Fakt ist: Sofern Ihr Beruf im Home Office ausgeübt werden kann, besteht in aller Regel kein Grund für eine spezielle Arbeitsbekleidung.

Es ist also grundsätzlich möglich, sich in Jogginghose und Schlabberpulli an den Schreibtisch zu setzen. Bedenken Sie hierbei jedoch: Ein solches Outfit bestimmt nicht nur, wie Sie aussehen, sondern auch, wie Sie sich fühlen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der legere Look zwar bequem ist, Ihnen aber nicht das Gefühl gibt, gerade am Arbeitsplatz zu sein.

Ein „bürotaugliches“ Outfit hingegen vermittelt dem Gehirn sofort die Information „Jetzt wird gearbeitet“. Es muss natürlich kein Anzug oder Etuikleid sein, doch zu behaupten, dass im Home Office sogar ein Pyjama in Ordnung wäre, ist auf jeden Fall ein Mythos.

Hinweis: Dass das Outfit im Home Office sehr wohl eine Rolle spielt, wird spätestens dann deutlich, wenn der Vorgesetzte oder Projektleiter zum spontanen Skype-Call bittet.

Mythos 2: Viel mehr Zeit fürs Privatleben

Viele Arbeitnehmer, die ihren Chef um Heimarbeit bitten, sind Pendler und haben daher einen langen Arbeitsweg. Doch auch diejenigen, die nicht weit entfernt vom Arbeitsplatz leben, sind davon überzeugt: Home Office bedeutet, dass man schlagartig viel mehr Zeit für sein Privatleben hat. Grundsätzlich ist das natürlich richtig, da der Arbeitsweg entfällt und man direkt nach Feierabend im privaten Umfeld ist.

Allerdings werden immer wieder Stimmen laut, die davon überzeugt sind, dass die Arbeit im Home Office zu Überstunden verleitet. Belegt wurden die Vermutungen von den beiden Wirtschaftswissenschaftlern Michael Beckmann und Kira Rupietta. Während Mitarbeiter im „richtigen“ Büro zu jeder Zeit unter der Beobachtung des Vorgesetzten stehen, haben die, die im Home Office tätig sind, das Gefühl, Ihren Einsatz anderweitig unter Beweis zu stellen – beispielsweise in Form von Überstunden.

Mythos 3: Weniger Stress, mehr Work-Life-Balance

Wer im Home Office arbeitet, kann zwischendurch immer mal die Füße hochlegen und durchatmen, ohne gleich vom Chef gerügt zu werden. Auch dieser Mythos um die Heimarbeit hält sich hartnäckig und trägt maßgeblich zur Attraktivität dieses Arbeitsmodells ein. Weniger Stress, dafür mehr Work-Life-Balance klingt schließlich gar nicht mal so schlecht.

In der Realität sieht es allerdings meist völlig anders aus. Viele Arbeitnehmer, die das Home Office getestet haben, berichten sogar, dass ihr Berufsalltag dadurch noch anspruchsvoller wird. Mögliche Gründe hierfür gibt es zur Genüge:

  • Überstunden
  • Regelmäßiger Report beim Vorgesetzten
  • Mangelnder (Informations-)Austausch mit den Kollegen
  • Zeitfressende Telefonate und Skype-Meetings
  • Ablenkungsfallen im privaten Umfeld
  • Vermischung von Privat- und Familienleben

Info: Das Arbeiten im Home Office steigert nicht die Work-Life-Balance, sondern die Work-Life-Integration.

Mythos 4: Volle Fokussierung auf die Aufgaben

Keine klingelnden Telefone, keine nervigen Kollegen, keine unnötigen Besprechungen; stattdessen Ruhe und volle Konzentration. Ein Argument, das immer wieder gern aufgeführt wird, um den Chef vom Home Office zu überzeugen, ist die gesteigerte Produktivität.

Es stimmt: Wer sich im Heimbüro völlig in seine Arbeit vertieft und nicht immer wieder aus den Prozessen herausgerissen wird, kann hier mitunter deutlich mehr schaffen als am eigentlichen Arbeitsplatz – zumindest in der Theorie.

In der Praxis sieht es leider häufig anders aus: Ablenkung durch Social Media, Familienmitglieder und andere Faktoren, Haushalt, private Anrufe, soziale Isolierung. Das alles und noch mehr kann die Produktivität im Home Office auf den Prüfstand stellen. Hier ist vor allem eines gefragt: Disziplin.

Lese-Tipp: 5 (erprobte) Praxis-Tipps fürs Home Office

Sie sehen: Nicht alles, was gern über das Arbeiten im Home Office berichtet wird, entspricht auch der Realität. Lassen Sie sich nicht von Mythen und Halbwahrheiten blenden, sondern sammeln Sie lieber Ihre eigenen Erfahrungen.


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