Nebenberuflich selbstständig machen: Wie und womit?

Wer die Sicherheit des Angestelltenverhältnisses zu schätzen weiß und dennoch weiterhin auf der Suche nach beruflicher Verwirklichung ist, hat sicherlich schon mal über die Option nebenberufliche Selbstständigkeit nachgedacht. Was Sie hierbei beachten müssen, erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag.

Nebenberuflich selbstständig: Wie funktioniert das?

Der Weg in die nebenberufliche Selbstständigkeit ist überraschend einfach. Wenn Sie sich dafür interessieren, neben dem festen Job noch ein eigenes Business aufzubauen, sollten Sie sich zunächst einmal fragen, ob Sie

  • ein Gewerbetreibender oder
  • Freiberufler sind

Info: Eine Aufzählung der freiberuflichen Tätigkeiten finden Sie im Einkommenssteuergesetz §18 Abs. 1.

Gewerbetreibende machen die große Mehrheit der Selbstständigen aus. Sie müssen ihr Nebengewerbe beim Gewerbeamt anmelden. Die Rechtsform, die am häufigsten für sogenannte Side-Businesses gewählt wird, ist das Einzelunternehmen. Doch auch andere Rechtsformen wie GbR, GmbH und UG (haftungsbeschränkt) sind denkbar.

Als Freiberufler müssen Sie Ihre Selbstständigkeit nicht beim Gewerbeamt, sondern direkt beim Finanzamt anmelden. Wichtig: Um eine Steueridentifikationsnummer zu erhalten und offiziell als Freiberufler eingestuft zu werden, müssen Sie Ihre entsprechende berufliche Qualifikation nachweisen können.

Was gilt es bei der nebenberuflichen Selbstständigkeit zu beachten?

  • Erlaubnis vom Arbeitgeber: Bevor Sie sich mit Ihrer Geschäftsidee nebenberuflich selbstständig machen, sollten Sie das Gespräch zu Ihrem Arbeitgeber suchen. Auch wenn in Deutschland die Berufsfreiheit gilt, hat Ihr Chef unter gewissen Umständen die Möglichkeit, Ihre Selbstständigkeit zu untersagen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Sie zu einem direkten Konkurrenten des Unternehmens werden oder die Qualität Ihrer Arbeit für den Betrieb sinkt.
  • Kleinunternehmerregelung: Im Paragraph 19 des Umsatzsteuergesetzes (§19 UStG) wird die „Besteuerung der Kleinunternehmer“ geregelt. Als Unternehmer, der nebenberuflich gegründet hat, sind Sie zwar nicht automatisch Kleinunternehmer, aber durchaus für diese Sonderregelung „geeignet“. Als Kleinunternehmer müssen Sie keine Umsatzsteuer ausweisen und können Ihre Güter und Dienstleistungen somit „günstiger“ verkaufen. Vor allem im B2C-Bereich kann sich das als Vorteil erweisen. Alle Informationen zur Kleinunternehmerregelung können Sie hier im Detail nachlesen.
  • Scheinselbstständigkeit: Wer nebenberuflich selbstständig ist, kann natürlich nie so viele Kunden abarbeiten wie ein Vollzeit-Unternehmer. Dennoch sind auch die sogenannten Sidepreneure nicht vor der Scheinselbstständigkeit geschützt. Wer in diese Falle tappt (und beispielsweise nur für einen einzigen Kunden arbeitete), der muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, die direkten Einfluss auf das eigene Business haben.
  • Steuern: Ein besonders unangenehmes Thema für (Teilzeit-)Selbstständige sind die Steuern in all ihren Facetten. Wenn Sie mit Ihrem Business mehr als 410 Euro Gewinn im Jahr machen, müssen Sie Einkommenssteuer zahlen. Die Gewerbesteuer wird hingegen erst ab einem Gewinn von 24.500 Euro fällig – eine Grenze, die viele nebenberufliche Gründer gar nicht erreichen können oder wollen. Trotzdem sollten Sie auf jeden Fall den Kontakt zu einem guten Steuerberater herstellen und sich von diesem zum Thema beraten lassen.
  • Krankenversicherung: Wer nach wie vor hauptberuflich im Angestelltenverhältnis arbeitet, muss keine Veränderungen im Fall der Krankenversicherung befürchten. Doch was genau bedeutet eigentlich „hauptberuflich“ und was „nebenberuflich“? Die Krankenkassen haben hierauf eine klare Antwort: Das Nebengewerbe darf wöchentlich nicht mehr als 18 Stunden in Anspruch nehmen. Wird diese Grenze überschritten, ist eine Anpassung der Krankenversicherung notwendig.

Hinweis: Während die Krankenkassen genau wissen wollen, wie viel Zeit Sie in Ihr Nebengewerbe investieren, ist es dem Gewerbe- und dem Finanzamt relativ egal. Diese beiden Institutionen interessieren sich mehr für die Umsätze, die Sie mit Ihrem Business generieren.

Womit kann man sich nebenberuflich selbstständig machen?

Zu sagen, dass sich jede Geschäftsidee auch für ein Side-Business eignet, ist schlichtweg falsch. Es gibt in der Tat einige Wege in die Selbstständigkeit, die nur in Vollzeit funktionieren.

Wenn Sie jedoch „nur“ nebenberuflich selbstständig sein wollen, empfehlen sich unter anderem diese Businessmodelle:

  • Arbeiten als Freelancer
  • Verkauf von handgefertigten Produkten
  • Online-Business (zum Beispiel Nischenseite, Blog, etc.)
  • Coaching-/Beratungstätigkeiten
  • Franchising

Die 3 größten Herausforderungen der nebenberuflichen Selbstständigkeit

Der wohl größte Feind der nebenberuflichen Selbstständigkeit ist die Zeit. Wer neben dem Hauptberuf auch noch ein eigenes Business aufbaut, stößt früher oder später zwangsläufig an seine Grenzen. Eng hiermit verbunden ist der enorm große Organisationsaufwand. Neben den beiden Berufen will schließlich auch noch das Privatleben Beachtung finden. Eine dritte große Herausforderung für nebenberufliche Gründer ist der zum Teil fehlende Fokus. Viele stellen im Laufe der Zeit fest, dass Sie sich weder auf das Eine (den Hauptberuf) noch auf das Andere (die nebenberufliche Selbstständigkeit) zu einhundert Prozent konzentrieren können.

Trotz dieser Fallstricke ist die nebenberufliche Selbstständigkeit eine hervorragende Möglichkeit, seine beruflichen Träume zu erfüllen. Aus Teilzeit kann schließlich immer auch Vollzeit werden.


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