„Nein“ sagen im Job – so funktioniert’s!

Am Arbeitsplatz Grenzen zu setzen, das ist nicht einfach. Schließlich möchte man seinen Job nicht riskieren oder einen Fehler machen. Dabei nützt die richtige Abgrenzung Arbeitnehmern und Betrieben gleichermaßen. Wichtig beim „Nein“ sagen ist diplomatisches Geschick. Wir verraten Ihnen, wie’s funktioniert.


Hilfsbereite, nette Arbeitskollegen und Arbeitnehmer, denen niemals ein Nein über die Lippen schlüpft, sind beliebt: Sie machen den anderen schließlich das Berufsleben einfacher. Leider geht das aber auf Kosten des netten Ja-Sagers – wer anderen stets bereitwillig hilft, kann schnell selbst überlastet sein, sich verzetteln oder eine rasch wachsende Fehlerquote aufweisen. Noch dazu werden Personen, die nie Nein sagen, meist weniger respektiert als jene, die es gelernt haben, Grenzen zu setzen. Diesbezüglich gilt nämlich das Prinzip von Angebot und Nachfrage: Was man einfach bekommt, verfügt naturgemäß über weniger Wert. Wer sich also zurückhaltend gibt, sich rarmacht und hin und wieder im Verweigern übt, erfährt meist mehr Achtung.

Lernen Sie daher, im Job „Nein“ zu sagen – frei von Gewissensbissen. Mit folgenden Tipps wird Ihnen das immer besser gelingen – egal, ob es um ein Nein gegenüber Ihrem Chef oder Ihren Arbeitskollegen geht.

„Nein“ sagen im Job – so funktioniert’s!

  • Klarheit ist wichtig!

Klar „Nein“ sagen funktioniert am besten, indem man klar „Nein“ meint. Dazu ist es notwendig, dass Sie innerlich überzeugt von Ihrem „Nein“ sind – sich das anzueignen, benötigt Zeit. Finden Sie deshalb heraus, was Ihnen im Beruf wichtig ist und wann Sie sich bei einem Ja nicht gut gefühlt haben oder hätten. Es geht um ein Abwägen von Preis und Nutzen – setzen Sie sich einen schriftlichen Selbstvertrag auf, in dem beispielsweise aufgelistet ist, dass Sie lediglich an zwei Tagen pro Arbeitswoche Überstunden leisten oder dass Sie das Handy nach Dienstschluss ausschalten.

  • Begründen Sie ein Nein gut und bitten Sie um Bedenkzeit

Wenn Sie ein „Nein“ gut formulieren, stößt es leichter auf Akzeptanz. Achten Sie deshalb darauf, sich Zeit zu verschaffen, um eine entsprechende Begründung zu formulieren. Sie könnten sagen: „Ich bin jetzt etwas überrascht, können Sie mir bitte 15 Minuten Bedenkzeit geben?“ Wichtig ist auch eine einfühlsame Antwort, das kann so manches Nein mildern: „Es tut mir leid, dass Sie so unter Druck sind. Leider kann ich aber trotzdem nicht helfen, weil…“

  • Alternativen aufzeigen!

„Ich habe leider jetzt keine Zeit, auch beim Stand auszuhelfen. Aber ich könnte die Dekoration vorbereiten.“

„Bei mir geht das momentan leider nicht, aber vielleicht hat Herr Müller Zeit?“

„Die nächsten Tage sind bei mir schon voll, aber übernächste Woche hätte ich Zeit.“

Könnten Sie sich dennoch ein Ja vorstellen, ist es wichtig, einen Preis dafür zu definieren, wie beispielsweise Abstriche bei anderen Arbeitsprojekten oder einen freien Tag in der nächsten Woche.

  • Manipulationen nicht zulassen!

„Herr Maier, Sie sind mein bester Mitarbeiter, ich wollte Sie fragen, ob…“ – das ist nichts Anderes als ein manipulierendes Kompliment, um ein Ja zu erreichen. Hier ist es wichtig, vorsichtig vorzugehen und augenzwinkernd klarzumachen, dass die Absicht durchschaut wurde.

  • Den Nutzen betonen!

Grenzen setzen ist eine Pflicht – auch gegenüber Ihrem Chef. Egal, ob überlastet, krank oder frustriert: Solche Mitarbeiter schaden dem Unternehmen und machen schnell Fehler. Verweisen Sie deshalb bei Ihrem Nein auf den Nutzen für die Firma.

Ein „Nein“ zum Chef – Wissenswertes zu den rechtlichen Hintergründen

„Nein“ sagen fällt außerdem leichter, wenn man über seine Rechte in Bezug auf die wichtigsten Themen Bescheid weiß:

  • Überstunden: Bei einem „Nein“ zum Arbeitgeber geht es häufig um Überstunden. In diesem Zusammenhang sollten Sie wissen: Es gibt – je nach Beruf – Höchstgrenzen für die Arbeitszeit. Gewöhnlich müssen Sie nicht mehr als maximal zehn Stunden pro Arbeitstag oder 50 Stunden wöchentlich arbeiten. Es gibt allerdings Ausnahmen. Wichtig: Erkundigen Sie sich diesbezüglich über die Regelungen in Ihrer Branche. Das hilft Ihnen dabei, bei einem Nein sicher aufzutreten. Übrigens ist es erlaubt, bei einem großen Ausmaß an Überstunden Nein zu sagen, wenn Ihre Gründe dafür schwerer wiegen als die Unternehmensinteressen, beispielsweise, weil Ihre Kinder noch klein sind.
  • Vorschreibung von Urlaub: Es ist nicht erlaubt, dass Ihnen Ihr Arbeitgeber Urlaub oder Zeitausgleich vorschreibt. Sie müssen damit einverstanden sein. Besteht Ihr Chef dennoch darauf, geben Sie eine schriftliche Erklärung ab, dass Sie arbeitsbereit sind. In diesem Fall kann Ihnen nämlich kein Zeitausgleich oder Urlaub abgezogen werden, selbst, wenn Sie sich auf „Zwangsurlaub“ begeben.
  • Tätigkeiten, die sich nicht im Arbeitsvertrag finden: Ein „Nein“ ist auch erlaubt bei Tätigkeiten, zu denen Sie gemäß Arbeitsvertrag nicht verpflichtet sind. Ein Beispiel: Sie sind als Buchhalterin tätig, Ihr Arbeitgeber schickt Sie allerdings zum Einkaufen. Achtung: Haben Sie bereits über einen längeren Zeitraum hinweg neue Aufgaben für Ihren Arbeitgeber verrichtet, die ursprünglich nicht in Ihrem verpflichtendem Aufgabengebiet liegen, müssen Sie diese im Zweifel weiterhin erledigen – ein „Nein“ ist dann leider zu spät. Diverse Verträge weisen außerdem entsprechende Klauseln auf, die Ihrem Chef die Anordnung neuer Aufgabengebiete mitunter gestatten. Ein nicht berechtigtes „Nein“ gilt dann als Arbeitsverweigerung und kann schlimmstenfalls zu einer fristlosen Entlassung führen. Prüfen Sie daher stets Ihren Arbeitsvertrag!

Welche sind Ihre Erfahrungen? Fällt es Ihnen leicht, im Job „Nein“ zu sagen? Was hilft Ihnen dabei? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!


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