Neuer Trend: Was sind Mini-Retirements und können auch Angestellte davon profitieren?

Was unter digitalen Nomaden längst ein Begriff ist, sickert so langsam auch in das „Lager“ der Angestellten durch. Sogenannte Mini-Retirements sind gerade absolut im Trend. Doch was genau ist das eigentlich?

Ein Leben lang nur auf den Ruhestand hinarbeiten? Was noch vor wenigen Jahren als völlig normal galt, wird seit kurzem immer häufiger in Frage gestellt. Ausgehend von der Bewegung der digitalen Nomaden erlangen sogenannte Mini-Retirements immer mehr Aufmerksamkeit. Was sich dahinter verbirgt und wie Sie auch als Erwerbstätiger im Angestelltenverhältnis davon profitieren können – das verraten wir Ihnen im nachfolgenden Beitrag.

Definition: Was sind Mini-Retirements?

Das deutsche Rentenmodell sieht vor, dass ein Mensch je nach Werdegang etwa 40 bis 50 Jahre arbeitet und sich dann in den Ruhestand begibt. Wer sich zwischendurch eine Pause gönnen möchte, dem stehen durchschnittlich 30 Tage Urlaub pro Jahr zur Verfügung. Längere Auszeiten, beispielsweise in Form von einem Sabbatical, bilden die absolute Ausnahme.

Mini-Retirements verfolgen einen gänzlich anderen Ansatz. Die Idee dahinter: Die Rente, auf die die meisten Menschen stur hinarbeiten, wird nicht an das Ende des Lebens „verbannt“, sondern in mehrere Phasen aufgeteilt und während der Erwerbstätigkeit in Anspruch genommen. Vor diesem Hintergrund werden Mini-Retirements auch immer wieder gern salopp als „Rente auf Raten“ bezeichnet.

Übrigens: Der Autor des Buches „Die 4-Stunden Woche“, Timothy Ferriss, hat die Mini-Retirements zwar nicht erfunden, aber deutlich bekannter gemacht.

Wozu sollen Mini-Retirements gut sein?

Vertreter dieses Auszeiten-Modells begründen ihre Entscheidung häufig folgendermaßen: Wer sein Leben lang arbeitet, Geld für den Ruhestand anspart, dafür auf vieles verzichtet und die Rente tatsächlich irgendwann erreicht, kann sich häufig nicht an der freien Zeit und dem finanziellen Polster erfreuen. Einmal zur Ruhe gekommen, nehmen Beschwerden und Erkrankungen schnell zu und ehe man sich versieht, ist der Körper eingerostet. Aussagen wie „Das mach ich, wenn ich Rentner bin.“ oder „Sobald ich im Ruhestand bin, werde ich…“ verlieren dann ziemlich schnell ihre ursprüngliche Aussagekraft.

Um genau diesem Dilemma entgegenzuwirken, teilen Mini-Retirements den Ruhestand in mehrere Etappen auf und verteilen sie auf das komplette Leben. Derjenige, der das Modell umsetzt, hat also nicht eine einzige Rente ganz zum Schluss, sondern kann in regelmäßigen Abständen durchatmen, Energie tanken und viele tolle Momente erleben.

Wie funktionieren Mini-Retirements in der Praxis?

Kommen wir nun zur wahrscheinlich spannendsten Frage: Wie kann man die Theorie in die Praxis übertragen? Wie ist es möglich, den Ruhestand vorzuziehen und aufzuteilen?

Während sich die meisten Selbstständigen – insbesondere Inhaber von Online-Unternehmen und Freelancer – ihre Zeit frei einteilen können, werden Sie als Angestellter vor weitaus größere Herausforderungen gestellt. Die gute Nachricht ist jedoch: Mini-Retirements sind trotz Festanstellung nicht unmöglich.

Um Ihre „Rente auf Raten“ genießen zu können, sollten Sie sich natürlich als erstes überlegen, wann die Pause beginnen und wie lang sie dauern soll. Im nächsten Schritt ist es sinnvoll, die beiden Optionen für Angestellte genauer zu beleuchten:

  1. Den Job kündigen und erst nach der Auszeit einen neuen suchen
  2. Mit dem Arbeitgeber die Möglichkeiten eines mehrmonatigen Sabbaticals besprechen

Beide Varianten bringen natürlich sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich und sollten daher wirklich detailliert verglichen werden. Während ein Sabbatical beispielsweise immer eine gewisse Sicherheit und häufig auch die Unterstützung durch den Arbeitgeber mit sich bringt, ist die Auszeit nach einer Kündigung in der Regel zeitlich unbegrenzt. Außerdem sind Sie niemandem Rechenschaft schuldig und können hinterher einen Neuanfang wagen.

Lese-Tipp: Sie wissen nicht, wie Sie später die Lücke im Lebenslauf erklären sollen? Dieser Artikel ist Ihnen dabei behilflich.

Bleibt zu guter Letzt noch ein ganz entscheidender Punkt offen: Das liebe Geld. Wenn Sie einen Mini-Ruhestand planen, ist es eine der wichtigsten Voraussetzungen, sich diesen auch leisten zu können. Hierbei helfen zum Beispiel Ersparnisse und Löhne, die Sie sich von Ihrem Arbeitgeber nur zum Teil auszahlen lassen.

Was denken Sie? Haben Mini-Retirements das Zeug, von der Randerscheinung zum Massenphänomen zu werden? Können Sie sich die kleinen Ruhestände zwischendurch vorstellen oder freuen Sie sich lieber auf die „richtige“ Rente am Ende der Berufstätigkeit?


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