Patchwork-Lebenslauf: Nachteil oder Normalität?

Moderne Lebensläufe sind nicht mehr linear, sondern weisen zahlreiche Richtungswechsel auf. Im Fachjargon spricht man mittlerweile auch von der Patchwork-Karriere. Doch ist diese wirklich so erstrebenswert, wie viele Experten sagen?


Die Zeiten, in denen ein Arbeitnehmer sein Leben lang den gleichen Job ausübt, sind so langsam aber sicher vorbei. Wer heutzutage Karriere machen will, darf sich nicht länger auf Routinen einstellen, sondern muss flexibel sein. Man weiß nie, wann und wo sich die nächste Tür öffnet und welche Möglichkeiten und Chancen sich dahinter verbergen. Wenn ein Arbeitnehmer relativ häufig den Job wechselt, spricht man auch von einem Patchwork-Lebenslauf. Während die einen sagen, ein so unruhiger Lebenslauf mache keinen guten Eindruck, sind die anderen inzwischen der Meinung, dass die Patchwork-Karriere fast schon Normalität geworden ist.

Die Vorteile des Patchwork-Lebenslaufs

Um einen Patchwork-Lebenslauf vorweisen zu können, müssen Sie grundsätzlich bereit sein, Ihren Job häufig zu wechseln und dadurch immer wieder bei Null anzufangen. Jobhopping ist längst mehr als nur ein Trend, sondern ein fester Bestandteil der modernen Arbeitswelt. Gründe, die für die häufigen Jobwechsel und damit auch für den Patchwork-Lebenslauf sprechen, gibt es genügend:

  • keine Routinen: Wer jahrelang im selben Job arbeitet, gerät früher oder später in einen stupiden Trott, der keinen Platz für neue Ideen und frischen Wind lässt. Routinen sorgen jedoch nicht nur für Langeweile am Arbeitsplatz, sondern erhöhen auch das Fehlerrisiko. Indem Sie zum Jobhopper werden und sich immer wieder in einen neuen Job einarbeiten, geben Sie den Routinen keine Chance und bleiben stets aufmerksam.
  • mehr Wissen und Kompetenz: Keine Frage, wer in viele verschiedene Unternehmen hineinschnuppert, sammelt unzählige wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen. Viele Jobnomaden haben einen erstaunlichen Wissensschatz und begeistern mit ihrer Kompetenz die zukünftigen Arbeitgeber.
  • Flexibilität: „Wer rastet, der rostet.“ Dieses Sprichwort bezieht sich zwar auf die körperliche Gesundheit des Menschen, kann allerdings auch auf die berufliche Karriere übertragen werden. Weg zig Jahre im gleichen Job arbeitet, bekommt häufig gar nicht mit, was sich alles verändert und welche Trends sich in der Arbeitswelt etablieren. Als Jobhopper mit Patchwork-Lebenslauf behalten Sie sich Ihre Flexibilität bei und können dadurch viel besser auf Neues und Unbekanntes reagieren.
  • Herausforderung: Und gleich noch ein Sprichwort, das mithilfe vom Patchwork-Lebenslauf widerlegt werden kann: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Jobhopping ist eine großartige Möglichkeit, um sich neuen Herausforderungen zu stellen und den eigenen Horizont stetig zu erweitern.

All diese und weitere Vorteile sorgen dafür, dass Patchwork-Lebensläufe bei Recruitern immer beliebter werden. Mehr und mehr Personaldienstmitarbeiter erkennen das große Potential, das in den Jobhoppern steckt und wollen es entsprechend im Unternehmen einsetzen. Vor diesem Hintergrund kann festgehalten werden, dass Ihnen häufige Jobwechsel in der heutigen Zeit kaum noch zum Verhängnis werden. Ganz im Gegenteil: In manchen Fällen stellen Sie sich sogar als Karrieresprungbrett heraus.

Entscheidend ist, dass Sie jeden einzelnen Jobwechsel begründen können und nicht in Erklärungsnot geraten, wenn Sie auf Ihren Patchwork-Lebenslauf hingewiesen werden. Wenn Sie gute Argumente (beispielsweise die oben aufgeführten) für Ihr Dasein als Jobhopper parat haben, müssen Sie sich vor keinem Bewerbungsgespräch fürchten.

Und was ist mit der Loyalität?

Wer nun trotz aller Vorzüge der Patchwork-Lebensläufe das Haar in der Suppe suchen will, kann auf das Thema Loyalität verweisen. Auch wenn dieser Begriff durchaus etwas veraltet wirkt, spielt er noch immer in den meisten Unternehmen eine große Rolle. Arbeitgeber wollen, dass ihre Mitarbeiter loyal sind – sprich: voll und ganz hinter der Firma stehen und diese nach außen hin (mit Stolz) repräsentieren.

Ein Patchwork-Lebenslauf suggeriert allerdings etwas völlig anderes, nämlich dass jeder Job nur eine Station und nie das endgültige Ziel ist. Es ist nur schwer vorstellbar, dass Jobnomaden, die von einer Stelle zur nächsten wechseln, so etwas wie Loyalität gegenüber Ihrem Arbeitgeber entwickeln können.

Grundsätzlich sollte Loyalität jedoch nie an dem Zeitraum gemessen werden, in dem die Person in einem Unternehmen angestellt ist. Ein Jobnomade mit Patchwork-Lebenslauf kann innerhalb von zwei Jahren genauso loyal sein wie jemand, der gerade sein 20-jähriges Firmenjubiläum feiert. Anders herum ist es genauso möglich, das der Mitarbeiter, der seit 20 Jahren dabei ist, seinem Arbeitgeber gegenüber noch immer keine Loyalität aufgebaut hat.


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