Polit-Talk im Büro: Ist die Bundestagswahl ein passendes Thema am Arbeitsplatz?

Am 24. September 2017 ist Bundestagswahl. Auch wenn der Wahlkampf bis hier hin eher verhalten war, rückt das Thema Politik gerade häufig ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Doch ist ein Polit-Talk auch im Büro angebracht?

Keine Frage: Politik ist ein kontroverses Thema, das schnell polarisiert und unterschiedliche Meinungen hervorbringt. Wer ein Gespräch über Politik führt, ist nur selten auf oberflächlichen Smalltalk aus, sondern möchte gern tiefer in die Materie einsteigen und scheut keine Meinungsverschiedenheiten. Aber ist das am Arbeitsplatz überhaupt erwünscht? Ist das Büro der richtige Ort für eine Unterhaltung über Politik und ist es legitim, seinen Kollegen zu fragen, welche Partei er am 24. September 2017 wählen will?

Politik – Ein heikles Gesprächsthema

Die meisten Ratgeber sind sich einig: Politik hat nichts im Büro zu suchen. Der Grund für diese Annahme mag den einen oder anderen überraschen: Die politische Überzeugung eines Menschen ist etwas sehr Persönliches und mit vielen Emotionen verknüpft. In einem Umfeld, in dem es meist rational und faktisch zugeht, kann es daher schnell zu Komplikationen kommen.

Ein weiteres Problem, das eng mit der persönlichen Auffassung von Politik verbunden ist: Wird ein Kollege vom anderen für seine Ansichten und Überzeugungen kritisiert, ist das nicht nur beleidigend, sondern pures Gift für das Betriebsklima. Wie eingangs beschrieben ist Politik immer kontrovers und polarisierend (was auch weiterhin so bleiben soll). Doch genau aus diesem Grund gilt sie auch als besonders heikles Gesprächsthema. Nicht ohne Grund meiden beispielsweise viele Menschen politische Themen, wenn sie sich nett mit einem Freund unterhalten wollen. Zu groß ist die Angst, unterschiedlicher Meinung zu sein und einen Streit heraufzubeschwören.

Nicht zuletzt sollte man sich auch immer fragen, ob man wirklich die politische Überzeugung eines jeden Kollegen kennen möchte. Unterscheidet sich diese signifikant von der eigenen, kann das durchaus dazu führen, dass man den Kollegen plötzlich mit ganz anderen Augen sieht. Das liegt daran, dass politische Einstellung und sonstige persönliche Interessen in unserer Gesellschaft immer gekoppelt betrachtet werden. Wenn uns die politische Orientierung einer Person nicht zusagt, sorgt das schnell dafür, dass wir kein Interesse an weiterer sozialer Interaktion haben. Der Kollege wird uns schlichtweg unsympathisch.

Tipp von der Politik-Beraterin Birgit Meusel

Die Erfurterin Birgit Meusel ist freiberufliche Politik-Beraterin und Verfechterin des offenen Dialogs. Uns verriet sie, wie Sie das Thema Politik als Gesprächsthema im Büro bewertet:

„Es ist definitiv in Ordnung, im Büro über Politik im Allgemeinen und Inhalte und Positionen der Parteien im Speziellen zu sprechen.“ Auch ein Austausch der jeweiligen politischen Positionen ist laut der politischen Beraterin durchaus sinnvoll – vorausgesetzt, man beachtet die folgenden Hinweise:

  • Bewahren Sie eine wertschätzende und grundsätzlich offene Haltung
  • Weisen Sie Aussagen Ihres Gegenüber nicht pauschal als Unsinn oder Nonsens zurück
  • Argumentieren Sie ohne „Basta-Haltung“
  • Nehmen Sie die Aussagen Ihres Gesprächspartners nicht persönlich
  • Führen Sie einen vorbehaltlosen Dialog auf Augenhöhe

Dass Gespräche über Politik auch im Büro willkommen sein dürfen und sollten, begründet Birgit Meusel folgendermaßen: „Die Menschen sind rund ein Drittel der Tageszeit mit ihrer Erwerbsarbeit beschäftigt. Es ist wichtig, dass man sich im kollegialen Gefüge austauscht. Warum sollten aktuelle Themen und Parteiinhalte nicht diskutiert werden? Viele betreffen ja die ArbeitnehmerInnen. Da ist es nur angemessen, sich politisch auszutauschen und die Wahrnehmung des anderen zu erfahren – sofern man das möchte.“

Polit-Talk: Diese No-Gos sollten Sie vermeiden

Politik als Gesprächsthema im Büro ist keinesfalls so abwegig, wie viele Ratgeber behaupten. Damit der Polit-Talk jedoch nicht im Fiasko endet, ist es wichtig, gewisse No-Gos zu vermeiden. Laut Politik-Beraterin Bigit Meusel handelt es sich dabei um folgende Aspekte:

  • ungefragt eine politische Meinung äußern und ausdiskutieren
  • die eigene politische Meinung anderen aufdiktieren
  • die eigene Position gebetsmühlenartig wiedergeben
  • Kollegen nach der Partei fragen, die sie wählen wollen

Fazit: Politik als Gesprächsthema im Büro ist durchaus legitim und auch sinnvoll, wenn man sich vor Augen führt, wie wichtig konstruktiver Austausch innerhalb der Gesellschaft ist. Wer sich beim Politik-Talk jedoch unwohl fühlt oder sich schlichtweg nicht äußern möchte, kann durchaus signalisieren, dass er lieber das Thema wechseln möchte.

Das gilt auch, wenn die Stimmung im Büro zu kippen droht und die Zusammenarbeit als Team beeinträchtigt wird. Der Vorgesetzte kann eine Unterhaltung über Politik übrigens nicht verbieten – vorausgesetzt, sie beeinflusst nicht die Produktivität der beteiligten Mitarbeiter. Darum: Tauschen Sie Ihre politischen Standpunkte lieber in der Mittagspause aus.


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