Quarterlife Crisis: Was tun, wenn nach dem Studium erst einmal das „Nichts“ kommt?

Das Studium als sicherer Karriere-Einstieg? Für viele Hochschulabsolventen sieht das ganz anders aus. Auf sie wartet nach dem Abschluss häufig das „Nichts“ – oder neudeutsch: Die Quarterlife Crisis.

Abitur, Studium, Berufseinstieg – dieser klassische Karriereweg ist (entgegen aller Mutmaßungen) bei vielen jungen Menschen noch immer sehr beliebt. Kein Wunder, immerhin hat er ein gutes Image: Als studierte Fachkraft ist man am Arbeitsmarkt sehr gefragt, verdient gutes Geld und hat exzellente Aufstiegschancen. Die Realität sieht hingegen häufig ganz anders aus. Viele Menschen geraten nach dem Studium in eine erste Sinnkrise ihres jungen Lebens und fragen sich: Und jetzt? Dieses Phänomen wird seit einigen Jahren als Quarterlife Crisis bezeichnet. Was tun, wenn sie einen erwischt?

Definition: Was ist die Quarterlife Crisis?

Die Quarterlife Crisis stellt eine Art erste Sinnkrise im Leben eines Menschen dar. Sie tritt in den meisten Fällen in den „Zwanzigern“ auf – also dann, wenn ein Mensch etwa ein Viertel seines Lebens hinter sich hat.

Auslöser für die Quarterlife Crisis gibt es viele. Ganz allgemein kann gesagt werden, dass der Eintritt in einen neuen, wichtigen Lebensabschnitt für die Sinnkrise verantwortlich ist. Die meisten Menschen, die unter der Quarterlife Crisis leiden, haben gerade ihre Ausbildung oder ihr Studium abgeschlossen und stehen nun vor dem (häufig angsteinflößenden) Schritt in das Berufsleben, der gleichzeitig auch der endgültige Eintritt ins Erwachsenen-Dasein markiert.

Lese-Tipp: Akademiker und arbeitslos: Warum finden manche Uni-Absolventen keinen Job?

In den Medien wird die Quarterlife Crisis häufig als „Luxusproblem der Generation Y“ bezeichnet. Auch viele Therapeuten und Mediziner taten sich lange Zeit schwer, das Phänomen ernstzunehmen. Schaut man sich jedoch einmal genauer an, wie sich die Sinnkrise nach dem Studium auf die jungen Menschen auswirkt, wird klar, dass es sich hierbei keinesfalls um eine Spinnerei handelt.

Typische Auswirkungen/Symptome der Quarterlife Crisis:

  • Das Gefühl, nicht (gut) genug zu sein
  • Identitätskrise / Persönlichkeitsverlust
  • (massive) Zukunftsängste
  • finanzieller Stress
  • (berufliche) Orientierungslosigkeit
  • Neubewertung von Freundschaften und Beziehung
  • Flucht in die Vergangenheit („die guten alten Tage des Studiums/der Schulzeit“)
  • Selbstzweifel
  • fehlende Motivation

Info: In einigen wenigen Fällen kann sich die Sinnkrise sogar bis hin zur Depression steigern. Ist dies der Fall, besteht dringender Handlungsbedarf.

Quarterlife Crisis: Was tun, um ihr zu entgehen?

Wenn Sie das Gefühl haben, gerade selbst in der Quarterlife Crisis zu stecken (oder einen Betroffenen kennen), dann wollen Sie sicherlich wissen, was man tun kann, um diesem Zustand zu entkommen. Die gute Nachricht gleich vorweg: Nicht jeder, der nach dem Studium in die Sinnkrise schlittert, muss sich in therapeutische Behandlung begeben. Die meisten Menschen schaffen es aus eigener Kraft wieder heraus.

Um die Quarterlife Crisis hinter sich zu lassen, sollten Sie vor allem eines vermeiden: Stillstand. Auch wenn die Krise einen extrem lähmenden Effekt auf die Betroffenen haben kann, sollten Sie immer versuchen, in Bewegung zu bleiben. Die einfache und dennoch prägnante Devise lautet: Raus gehen und machen!

Darüber hinaus ist es immer auch sinnvoll, das bisherige Leben einmal genau unter die Lupe zu nehmen und zu hinterfragen:

  • Was habe ich bis hierhin erreicht?
  • Welche sozialen Kontakte tun mir gut und welche nicht?
  • Wie waren bisher meine Prioritäten verteilt?
  • Was ist mein persönlicher Antrieb?

Nach dieser ersten Bestandsaufnahme können Sie einen Blick in die Zukunft wagen und sich zum Beispiel fragen:

  • Wie soll es weitergehen?
  • Was ist mein nächstes (erreichbares) Ziel?
  • Welche sozialen Kontakte sollte ich besser abbrechen?
  • Welche sozialen Kontakte pflege ich auch weiterhin?
  • Wie verteilen sich meine Prioritäten jetzt?

Lese-Tipp: Ade Uni! Und dann? Vom Absolventen zum Berufseinsteiger

Die Auszeit als Weg raus aus der Quarterlife Crisis

Immer mehr Absolventen, die das Studentenleben hinter sich gelassen haben, entscheiden sich bewusst für eine mehrmonatige Auszeit, ehe sie ins Berufsleben einsteigen. Tatsächlich kann diese Strategie dabei helfen, der Quarterlife Crisis zu entgehen. Während Sie beispielsweise auf Reisen gehen, haben Sie viel Zeit, um intensiv über sich und Ihre (berufliche) Zukunft nachzudenken.

Die Angst, dass Sie nach der Auszeit keinen Job finden, weil der potentielle Arbeitgeber denken könnte, Sie wären faul, ist unbegründet. Mehr und mehr Unternehmen schätzen Sabbaticals, Gap Years und Co. positiv ein – immerhin wissen Sie im Gegensatz zu vielen anderen Bewerbern genau, was und wohin Sie wollen. Das wiederum verringert das Risiko für das Unternehmen, dass Sie schon nach kurzer Zeit wieder kündigen und zum nächsten Arbeitgeber wechseln.


Bildquelle: Nong Mars/Shutterstock