Realistisch oder nicht: Werden CEOs bald demokratisch gewählt?

Manager stehen in Deutschland immer wieder in der Kritik: Sie seien unfähig, völlig überbezahlt oder Narzissten, für welche „Empathie“ ein Fremdwort ist. Lautet die Lösung also, dass CEOs bald demokratisch durch die Belegschaft gewählt werden? Wie realistisch wäre dieser Ansatz?


Umstrukturierungen, Einsparungsmaßnahmen, Abgasskandale – so lauten die derzeitigen Nachrichten der deutschen Unternehmenswelt und immer scheinen die Manager mit im Spiel zu sein. Die Schlagzeilen erwecken den Anschein, wer eine gewisse Stufe der Hierarchie erreicht hat, könne sich beinahe alles erlauben. Und wer „auffliegt“, wird kurzerhand entlassen. Das ist dank saftiger Abfindung in Millionenhöhe aber nicht weiter dramatisch und schon geht es für den Manager auf zur nächsten Firma, in welcher er Mist bauen kann. Natürlich trifft diese Schwarzmalerei längst nicht auf alle CEOs, Aufsichtsräte & Co zu – durchaus aber auf eine erschreckend hohe Anzahl. Kein Wunder, dass sich deutsche Arbeitnehmer zunehmend gegen diese Machenschaften in den Führungsebenen zu wehren versuchen. Sie möchten nicht mehr der Spielball machthungriger Narzissten und skrupelloser Kapitalisten sein. Wo sind all die menschlichen, empathischen und motivierten CEOs geblieben, welchen das Wohl des Unternehmens und dessen Mitarbeiter mehr am Herzen liegt als ihr eigener Geldbeutel? Visionäre sehen für das Problem nun eine ebenso logische wie ungewöhnliche Lösung: Wie wäre es, wenn CEOs und Manager zukünftig einfach demokratisch gewählt werden?

Vorteile der „Demokratie“ am Arbeitsplatz

Die demokratische Wahl der Top-Manager und Führungspersonen im Unternehmen würde nicht nur für die Arbeitnehmer zahlreiche Vorteile mit sich bringen:

  • Demokratie am Arbeitsplatz fördert die Transparenz im Unternehmen und verringert das Risiko illegaler Machenschaften.
  • Sie erhöht die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber und dadurch auch deren Motivation.
  • Dementsprechend fördert sie die Innovationskraft im Betrieb auf allen Ebenen.
  • Demokratische Unternehmen bleiben auf der Höhe der Zeit. Sie sind gezwungen, die inneren Veränderungen an die äußeren anzupassen und bleiben somit langfristig konkurrenzfähig.

Dadurch, dass theoretisch jeder Mitarbeiter die Chance hätte, bis zum CEO aufzusteigen, bleibt die Motivation im Unternehmen auf einem hohen Niveau. Gleichzeitig müssen gewählte Führungskräfte und Manager jedes Jahr neu gewählt werden und dementsprechend bestmöglich die Interessen aller „Stakeholder“ im Unternehmen erfüllen – nicht nur ihre eigenen. Diese Form der kollektiven Kontrolle könnte zahlreiche Negativschlagzeilen, wie eingangs erwähnt, verhindern und die Unternehmen in Deutschland wieder auf den „richtigen Weg“ führen. So viel zur Theorie. Doch ließen sich demokratische Wahlen in Unternehmen in der Praxis überhaupt umsetzen?

Wie realistisch ist die Demokratie in deutschen Unternehmen?

Das Konzept ist ungewöhnlich und bislang nur in wenigen, vor allem US-amerikanischen, Unternehmen zu finden. Dennoch scheinen die demokratischen Wahlen von CEOs und Führungskräften in diesen „Benchmarks“ durchaus zu funktionieren. Was es dafür braucht, ist die richtige Einstellung bei der Belegschaft. Die Wähler müssen ein Verständnis dafür entwickeln, dass ihr persönlicher Erfolg eng mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens verknüpft ist. Viele Unternehmen schrecken zudem vor dem zeitlichen, finanziellen und organisatorischen Aufwand zurück, welchen demokratische Wahlen jedes Jahr mit sich bringen würden. Doch die Erfahrung zeigt: Dieser Aufwand lohnt sich! Die Option, ihre Führungspersonen eigenmächtig zu bestimmen und vielleicht selbst eines Tages zu einer solchen aufzusteigen, verändert die Moral der Mitarbeiter grundlegend – und zwar positiv. Es entsteht ein starkes Gemeinschaftsgefühl und die Angestellten denken vermehrt im „großen Ganzen“, anstatt nur ihr eigenes Wohlergehen im Sinne einer Beförderung oder Gehaltserhöhung als Ziel zu haben. Sie entwickeln also selbst das „Mindset“ einer Führungskraft.

In demokratischen Unternehmen wird „geführt“, statt „bestimmt“

Dieses „Mindset“ stellt den grundlegenden Unterschied zwischen hierarchischen und demokratischen Unternehmen dar. In einer strengen Hierarchie ist sich jeder selbst am nächsten. Die Führungskräfte sind meist stark kapitalistisch veranlagt und bereit, hohe Risiken einzugehen – schließlich würden sie im Fall der Fälle eine saftige Abfindung erhalten und hätten finanziell ausgesorgt. Sie entwerfen daher im Alleingang Pläne und Ziele, führen Einsparungsmaßnahmen und Umstrukturierungen durch und hegen mit der Belegschaft einen Umgang von „Befehl und Gehorsam“. In einem demokratischen Unternehmen wird hingegen jeder Mitarbeiter selbst zum „Leader“. Die Demokratie erfordert ein viel höheres Maß an Zusammenarbeit und demnach auch Rücksicht auf die Individuen im Betrieb. Wer gegen den Willen der Allgemeinheit handelt, wird im Folgejahr nicht mehr wiedergewählt, was einen beruflichen Abstieg und einen herben Rückschlag für die Karriere bedeuten würde. Die Führungspersonen sind also schlichtweg dazu gezwungen, weniger egoistisch zu sein und stattdessen eine Philosophie der Gemeinschaft zu leben. Und genau diese zahlt sich schlussendlich für alle aus – vom Praktikanten bis zum CEO. Es dürfte deshalb nur eine Frage der Zeit sein, bis auch in Deutschland erste mutige Unternehmen demokratisch organisiert sind.

Oder was denken Sie? Halten Sie das Modell der Demokratie im unternehmerischen Kontext für erstrebenswert und wieso – nicht?


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