Remote Work: Personalführung in Zeiten der Freelancer

Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung arbeiten immer mehr Menschen „remote“. Doch Experten sind sich sicher: Die Zukunft der Arbeit ist nicht nur ortsunabhängig, sondern sie gehört den Freelancern.


Die Digitalisierung bringt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber derzeit zahlreiche Vorteile mit. Sie verändert die Arbeitswelt und vor allem die gängigen Arbeitsmodelle erheblich. Die persönliche Anwesenheit der Mitarbeiter ist für eine effiziente Zusammenarbeit nicht mehr notwendig. Sie können zeit- sowie ortsunabhängig via E-Mail, Smartphone, Skype oder Chat miteinander kommunizieren. Das Homeoffice wird in diesem Zuge immer beliebter, doch es entstehen auch völlig neue Arbeitskonzepte wie „Remote Teams“ über Ländergrenzen hinweg. Zudem setzen viele Unternehmen vermehrt auf die Vorteile eines Freelancers. In den USA gibt es sogar bereits Briefkastenfirmen, die rein digital existieren – mit oder ohne feste Mitarbeiter. Denn der Zusammenschluss vieler Freelancer zu einem Team ist nicht nur aus Arbeitgebersicht äußerst attraktiv.

 Freelancer: Immer mehr Menschen möchten „remote“ arbeiten

 Viele Menschen sehnen sich nach den Vorteilen der „Remote Work“ und bitten ihren Arbeitgeber deshalb um die Möglichkeit zum Homeoffice oder zumindest zeitweise ortsunabhängigen Arbeiten. Ob und in welchem Ausmaß dies möglich ist, hängt natürlich stets vom Beruf ab. Ein Bandarbeiter wird nur schwerlich seine Arbeit von den eigenen vier Wänden aus verrichten können. Doch alle Berufe, in welchen „geistig“ gearbeitet wird, zum Beispiel Kreativberufe, sowie alle Büroberufe, die klassisch vor dem Computer stattfinden, können in der Regel auch zu größeren oder kleineren Teilen selbstständig „remote“ ausgeübt werden. Das Konzept bedeutet für die Arbeitnehmer zahlreiche Vorteile:

  • Selbstbestimmung über Arbeitszeit und -ort
  • Persönliche Freiheit
  • Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Ausgewogenere Work-Life-Balance

Experten sind sich sogar einig, dass wir in Zukunft nicht nur in einer Welt der „Remote Work“ leben werden, sondern sogar noch extremer in einer Welt der Freelancer, welche „remote“ arbeiten. Es handelt sich dabei um die logische Schlussfolgerung der Digitalisierung: Immer mehr Menschen können in ihrem Beruf zeit- sowie ortsflexibel arbeiten und sich dadurch ihren Arbeitgeber theoretisch frei aussuchen. Ihre Auswahl steigt dadurch enorm. Sie suchen nicht mehr nur in der eigenen Stadt oder weiteren Umgebung, sondern weltweit. Jeder Freelancer kann für jedes Unternehmen auf der Welt arbeiten – ohne dass dafür ein Umzug notwendig wäre. Neben den bereits genannten Vorteilen bringt diese Form der selbstständigen „Remote Work“ noch weitere Vorzüge mit sich:

  • Abwechslung in Form von immer neuen Projekten, Menschen und Unternehmen.
  • Förderung des interkulturellen Verständnisses sowie eventueller Fremdsprachen.
  • Hoher Erfahrungsschatz sowie stetige Aneignung von neuem Knowhow.
  • Persönliche Freiheit zur Annahme oder Ablehnung von Jobangeboten.
  • Höhere Stundensätze, da für den Arbeitgeber aufgrund der wegfallenden Sozialversicherungen immer noch lohnenswert.

Natürlich gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. Eine Garantie auf Aufträge haben Freelancer nie, sie müssen selbst ihre gesamten Sozialversicherungen zahlen und sich eigenständig um ihre Absicherung für den Krankheitsfall oder eine Arbeitslosigkeit kümmern. Dennoch wird über kurz oder lang für viele Arbeitnehmer kein Weg mehr am Dasein als Freelancer vorbeiführen. Wieso? Weil schon bald viele Arbeitgeber immer mehr oder sogar vollständig auf Freiberufler und Selbstständige setzen werden als auf Angestellte oder Zeitarbeiter.

Was bedeutet das für die Personalführung?

Auch für die Arbeitgeberseite bringen die Zeiten der Freelancer aber nicht nur Kosteneinsparungen und eine höhere Flexibilität mit sich, sondern die gesamten internen Strukturen sowie das HR-Management müssen auf das Arbeitskonzept angepasst werden. Es gilt, entsprechende Verträge mit den Freelancern aufzusetzen, um sich rechtlich abzusichern. Ansonsten könnten sie theoretisch jeden Tag die Arbeit hinwerfen. Auch eine neue Form der Kommunikation ist notwendig. Passende Freelancer müssen gefunden und in die Projekte eingebunden werden. Ist ein Mix aus Festangestellten und Freelancern angedacht, so müssen die Rollen klar verteilt werden. Es gilt

  • Kommunikationsmittel zu definieren,
  • ein gemeinsames Ziel zu verfolgen,
  • das Projekt in einzelne Aufgaben zu unterteilen und
  • diese an die zuständigen Freelancer (oder Angestellten) zu verteilen.

Nur bei einer klaren Verteilung der Zuständigkeiten können Missverständnisse auch über Ländergrenzen hinweg vermieden werden. Alle am Projekt Beteiligten müssen auf ein gemeinschaftliches Ziel hinarbeiten und stets über den aktuellen Stand auf dem Laufenden sein. Hierfür ist der digitale Zugriff auf alle wichtigen Informationen notwendig, beispielsweise mittels Cloud-System. Auch sollten sich die einzelnen Personen jederzeit untereinander kontaktieren können, damit nicht alle Anliegen in Video-Meetings oder Telefonkonferenzen vorgebracht werden müssen und dadurch die Zeit der Unbeteiligten „verschwenden“. Personalführung in Zeiten der Freelancer ist also nicht unbedingt schwieriger, sie ist einfach anders. Es gilt deshalb, das HR-Management frühzeitig auf die zukünftigen Entwicklungen vorzubereiten und das digitale Zeitalter im Unternehmen einzuläuten.

Arbeiten auch Sie „remote“ oder als Freelancer? Welche Vorteile bringt das Modell Ihrer Meinung nach aus Arbeitnehmer- oder Arbeitgebersicht? Was gilt es zu beachten?


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