Reverse Recruiting: Definition, Chancen und Fallstricke

Viele sind sich sicher: Reverse Recruiting ist die Zukunft der Mitarbeiterbeschaffung. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff?

Der Jobmarkt befindet sich in einem stetigen Wandel. Während die klassische Papierbewerbung langsam abdankt, werden immer wieder neue Trends und Entwicklungen sichtbar. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Reverse Recruiting, also die „umgekehrte Rekrutierung“. In diesem Beitrag verraten wir Ihnen, was genau Reverse Recruiting ist, welche Chancen es mit sich bringt und welche Fallstricke Sie als Personalmitarbeiter unbedingt kennen müssen.

Definition: Was ist Reverse Recruiting?

Beim Reverse Recruiting wird – salopp formuliert – der Spieß einfach mal umgedreht. Es geht hierbei nicht darum, dass sich der Kandidat bei einem Unternehmen bewirbt, sondern das Unternehmen beim Kandidaten.

Das mag im ersten Augenblick etwas irritierend klingen, erweist sich in der Praxis jedoch seit einer Weile als überraschend effizient. Anstatt sich als Personaler durch zig ungeeignete Bewerbungen zu kämpfen, wird ganz gezielt der Kontakt zu vielversprechenden Kandidaten hergestellt. Diese können danach selbst entscheiden, ob ein Jobwechsel für Sie in Frage kommt oder nicht.

Wie genau funktioniert Reverse Recruiting?

An dieser Stelle ist es wichtig, zu betonen, dass Reverse Recruiting nicht mit Active Sourcing oder Abwerbung verwechselt werden darf. Denn während hier nach wie vor der Arbeitgeber über dem Arbeitnehmer steht, ordnet er sich beim Reverse Recruiting deutlich unter. Für viele Personaler dürfte das also eine völlig neue Erfahrung sein.

Wenn Sie sich bei potentiellen Mitarbeitern bewerben wollen, dann bestenfalls über Plattformen wie Instaffo. Diese bieten Ihnen nicht nur praktische Matching-Funktionen, sondern sichern Sie auch rechtlich ab. In Deutschland ist es nämlich streng genommen verboten, einfach Leute zu kontaktieren und sich als zukünftiger Arbeitgeber vorzustellen.

In der Praxis ist es wichtig, dass der Arbeitnehmer stets am längeren Hebel sitzt, d.h. eine Kontaktaufnahme erst dann möglich ist, wenn er eingewilligt hat. Auf diese Weise wird vermieden, dass der Bewerbungsprozess zurück ins klassische Hierarchieverhältnis rutscht und der Arbeitgeber doch plötzlich wieder die Strippen in der Hand hält.

Warum ist Reverse Recruiting so vielversprechend?

Dass die deutsche Wirtschaft unter einem anhaltenden Fachkräftemangel leidet, ist längst kein Geheimnis mehr. Wurden die Konzerne noch vor ein paar Jahren regelrecht von ambitionierten Bewerbern überflutet, muss man mittlerweile um jedes Talent kämpfen („war of talents“).

Um in dieser Situation möglichst gute Chancen zu haben und die besten Kandidaten für das eigene Unternehmen zu gewinnen, bieten Entwicklungen wie das Reverse Recruiting ideale Möglichkeiten. Oder anders formuliert: Indem sich der Arbeitgeber direkt beim Arbeitnehmer bewirbt, steigen die Chancen, genau den Mitarbeiter zu gewinnen, den man für sein Unternehmen haben will. Der Schlüssel zum Erfolg lautet: Eigeninitiative ergreifen.

Welche Probleme gehen mit dem Reverse Recruiting einher?

Im Zuge des Reverse Recruitings werden Sie vor ähnliche Herausforderungen gestellt wie klassische Bewerber:

  • Verschicken Sie keine Standard-Bewerbungen, sondern gehen Sie auf jeden Kandidaten individuell ein
  • Denken Sie daran, dass der erste Eindruck zählt
  • Überprüfen Sie Ihre Bewerbung auf Rechtschreib- und Grammatikfehler
  • Recherchieren Sie die Fachkenntnisse des Kandidaten und beziehen Sie sich auf diese
  • Achten Sie auf ein stimmiges Gesamtbild Ihrer Bewerbung

Ist das nicht viel mehr Aufwand?

Man könnte an diesem Punkt natürlich meinen, dass das Reverse Recruiting ziemlich aufwendig ist und jede Menge Zeit frisst. Doch sollten Sie sich immer im Klaren darüber sein, dass der herkömmliche Bewerbungsprozess inklusive Sichtung unzähliger Bewerbungen nicht weniger Arbeit mit sich bringt.

Es kann sich durchaus lohnen, dem Reverse Recruiting eine Chance zu geben – erst recht dann, wenn Sie auf der Suche nach ganz speziellen Fachkräften sind und nicht wissen, wie Sie diese auf dem klassischen Weg erreichen können.


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