Scheinselbstständigkeit bei Freelancern: Das müssen Sie 2018 unbedingt wissen

Wer als Freelancer arbeitet, kommt früher oder später immer mit dem Thema Scheinselbstständigkeit in Berührung. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff? Und warum sollte sie unbedingt vermieden werden?

Als Freelancer sind Sie ein freier Mitarbeiter, der auf Projektbasis mit verschiedenen Unternehmen und hin und wieder auch Privatkunden kooperiert – so zumindest sieht der Idealfall aus. Doch was ist, wenn (mal wieder) eine Saure-Gurken-Zeit beginnt und ein Kunde nach dem anderen verschwindet? Oder wenn ein Auftrag Sie so gut über Wasser hält, dass keine weiteren notwendig sind? In genau solchen Fällen droht die Gefahr der Scheinselbstständigkeit. Die wichtigste Information gleich vorweg: Diese ist in Deutschland untersagt und sollte daher sowohl von Ihnen als Freelancer als auch von Ihrem Auftraggeber vermieden werden. Warum? Wir verraten es Ihnen im nachfolgenden Beitrag.

Scheinselbstständigkeit – Was ist das?

Im Grunde genommen erklärt sich der Begriff Scheinselbstständigkeit schon von allein. Es handelt sich hierbei um eine besondere Form des Arbeitsverhältnisses, das nach außen wie eine Selbstständigkeit erscheint, in Wirklichkeit aber eher einem Angestelltenverhältnis gleichkommt.

Oder anders formuliert: Es wird der Schein erweckt, selbstständig zu sein.

Während der Freelancer meist nur bedingt von einem solchen Arbeitsverhältnis profitiert (Stichwort: sichere Einnahmequelle), ist es vor allem der Auftraggeber, der die Vorzüge der Scheinselbstständigkeit in vollen Zügen genießt. Für ihn bedeutet das in der Regel nämlich, dass er Sie wie einen festen Mitarbeiter behandeln und einplanen kann, dafür aber keine Sozialversicherungsabgaben (beispielsweise Kranken- und Rentenversicherung) zahlen muss – diese übernehmen Sie als „Selbstständiger“ schließlich eigenverantwortlich. Weiterhin können „feste“ Freelancer im Krisenfall schneller und unkomplizierter vom Unternehmen abgestoßen werden als angestellte Mitarbeiter.

Trotz dieser attraktiven Aussichten sollten auch Auftraggeber die Beschäftigung eines freien Mitarbeiters als Scheinselbstständigen unbedingt vermeiden. Wird das verbotene Arbeitsverhältnis nachgewiesen – beispielsweise durch die Deutsche Rentenversicherung, ein Arbeitsgericht oder das Finanzamt – droht die Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen und Säumniszuschläge.

Kriterien: Wann spricht man von einer Scheinselbstständigkeit?

Ob eine Scheinselbstständigkeit vorliegt oder nicht, kann leider nicht immer zweifelsfrei festgestellt werden. Fehlende Abgrenzungen und teils große Grauzonen sorgen dafür, dass das Thema rechtlich nach wie vor schwer zu greifen ist.

Allerdings – und das ist die gute Nachricht – gibt es eine Reihe von Kriterien beziehungsweise Aspekten, die auf eine Scheinselbstständigkeit hinweisen. Als Freelancer müssen Sie diese unbedingt kennen, wenn Sie Ihren Status einer „echten“ Selbstständigkeit langfristig wahren wollen.

Diese Kriterien weisen auf Scheinselbstständigkeit hin:

  • Fehlende Weisungsfreiheit
  • Arbeitszeiten und -ort können nicht frei eingeteilt werden
  • regelmäßige Berichterstattung über Fortschritte
  • Kontrolle des freien Mitarbeiters durch spezielle Software o.ä.
  • vorrangige Tätigkeit für einen einzigen Kunden (aus der 5/6 des Einkommens hervorgehen)

Welche Berufsgruppen sind besonders häufig von der Scheinselbstständigkeit betroffen?

Grundsätzlich setzt sich jeder Selbstständige, der als freier Mitarbeiter (bzw. Freelancer) tätig ist, der Gefahr der Scheinselbstständigkeit aus. In der Praxis sind vor allem diese Berufsgruppen von dem Problem betroffen:

  • Grafikdesigner
  • Texter und Journalisten
  • IT-Berater
  • Softwareentwickler
  • Coaches
  • Dozenten
  • Immobilienmakler
  • Heilberufe

Was tun, wenn man scheinselbstständig ist?

Sie befürchten, dass Sie in die Falle der Scheinselbstständigkeit getappt sind? Grundsätzlich kein Grund zur Panik. Denn wenn dieser Status im Rahmen einer Prüfung wirklich bestätigt wird, müssen Sie als Auftragnehmer keine Geldstrafen oder Rückzahlungen befürchten. Die wohl größte Veränderung für Sie wird sein, dass Ihnen der Status der Selbstständigkeit aberkannt wird und Sie mit großer Wahrscheinlichkeit fest im Unternehmen Ihres Auftraggebers eingestellt werden. Ob es sich hierbei um einen Vor- oder Nachteil handelt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Falls Sie weiterhin als Freelancer arbeiten wollen, sollten Sie eine grundlegende Sensibilisierung für das Thema Scheinselbstständigkeit anstreben. Sprechen Sie offen mit Ihrem Auftraggeber darüber, falls der Verdacht nahe liegt und klären Sie Ihn gegebenenfalls über die Problematik auf.

Weiterhin ist es immer notwendig, die oben genannten Kriterien der Scheinselbstständigkeit im Hinterkopf zu haben und zu vermeiden. Bestehen Sie im Zweifelsfrei auf eine räumliche Trennung und beharren Sie auf Ihre Weisungsfreiheit. Auch als Freelancer sind Sie Ihr eigener Chef.

Ein letzter Tipp für Freelancer, die sich vor der Scheinselbstständigkeit fürchten: Lesen Sie die Verträge zwischen Ihnen und Ihren Auftraggebern immer sorgfältig durch und unterschreiben Sie nichts voreilig. Nicht selten kann man bereits zwischen den Zeilen solcher Dokumente herauslesen, welche Absichten der Auftraggeber hat. Einige gehen das Risiko der Scheinselbstständigkeit sogar bewusst ein, um einen „festen Freien“ langfristig an das Unternehmen zu binden.


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