Schicksalsschlag? Umgang mit einem betroffenen Mitarbeiter

Wenn ein Mitarbeiter einen Schicksalsschlag erleidet, sind dessen Kollegen sowie Vorgesetzte oft unschlüssig, wie sie damit umgehen sollen. Hier finden Sie wertvolle Tipps.

Leider erlebt wohl jeder Mensch in seinem Leben den einen oder anderen Schicksalsschlag wie eine schwere Erkrankung des Kindes oder den Tod von Angehörigen.  Solche Ereignisse lassen sich nicht planen und können einen Mitarbeiter psychisch vollkommen aus der Bahn werfen, was sich natürlich auch negativ auf dessen Arbeitsleistung auswirkt. Wenn das inmitten der kritischen Phase eines Projektes geschieht, können sich Vorgesetzte und Kollegen durchaus im Stich gelassen oder schlichtweg überfordert damit fühlen, die weggefallene Arbeitskraft aufzufangen. Schlimmstenfalls entsteht durch diesen Mangel an Verständnis und Rücksichtnahme ein Teufelskreis: Konflikte, eine nachhaltige Beschädigung des Arbeitsklimas oder der langfristige Ausfall des betroffenen Mitarbeiters sind mögliche Szenarien. Wie also können Sie als Chef oder Kollege einen trauernden Kollegen in dieser schwierigen Phase bestmöglich unterstützen?

Keine Sorge: Verunsicherung ist ganz normal

Viele Menschen sind unsicher, was sie zu einem Kollegen sagen sollen, der soeben einen Schicksalsschlag erlitten hat. Sollen sie ihr Beileid bekunden? Nach Details fragen? Oder lieber Normalität vorgaukeln, um den Betroffenen „abzulenken“? Diese Verunsicherung ist vollkommen verständlich und begründet, denn tatsächlich geht jeder Mensch unterschiedlich mit seiner Trauer um. Die einen wünschen sich Rücksicht oder tiefgründige Gespräche, die anderen möchten das Thema im beruflichen Umfeld lieber meiden. Was also sollten Sie tun?

  • Bekunden Sie beim ersten Zusammentreffen mit dem trauernden Mitarbeiter Ihr Beileid.
  • Fragen Sie nicht nach dem Befinden, denn die auf die Frage „Wie geht es Ihnen?“ wäre ein „Gut“ ohnehin gelogen, doch nicht jeder Betroffene möchte seine Gefühle offenbaren.
  • Meiden Sie weiterhin Sätze wie „Ich kann das nachfühlen, als letztes Jahr meine Mutter gestorben ist,…“. Kein Schicksalsschlag ist gleich und niemand kann tatsächlich in das Gegenüber hineinfühlen.
  • Sprechen Sie Ihre Verunsicherung stattdessen an und offerieren Sie Ihre Hilfe sowie ein offenes Ohr. Sagen Sie beispielsweise: „Ich habe davon gehört, mein aufrichtiges Beileid. Wenn Sie irgendetwas brauchen oder darüber sprechen wollen, komme Sie gerne jederzeit auf mich zu.“

Da sich die Trauer natürlich nicht von einem auf den anderen Tag legt, sollten Sie immer wieder – aber bitte nicht täglich – nachhaken, wie es dem Betroffenen aktuell geht. Fragen Sie beispielsweise „Wie geht es Ihnen mittlerweile?“ oder „Wie geht es Ihnen heute?“, denn nach einem Schicksalsschlag kann sich das Befinden eines Menschen von Stunde zu Stunde ändern.

Achtung: Sagen Sie niemals Sätze wie „Kopf hoch“ oder „Das wird schon“, mit welchen Sie das Leiden des Mitarbeiters herunterspielen.

Die Mitarbeiter sollten als Kollektiv auftreten

Häufig ist der Mitarbeiter direkt nach dem Schicksalsschlag krankgeschrieben oder von der Arbeit beurlaubt. Dementsprechend erfahren die Kollegen erst von dem Trauerfall, wenn der Betroffene dem Arbeitsplatz fernbleibt und diese nach den Gründen fragen. Nun ist es wichtig, nicht zu viel Zeit verstreichen zu lassen oder darauf zu warten, dass er wieder im Unternehmen erscheint. Ergreifen Sie stattdessen die Initiative und setzen Sie als Kollektiv ein Kondolenzschreiben auf. Dadurch drücken Sie Ihre Anteilnahme sowie Ihr Verständnis – schlichtweg auch einfach Ihr Interesse – aus. Allein dieses Zeichen kann dem Trauernden den Druck nehmen. Denn nicht selten machen sich Betroffene auch noch Sorgen oder Vorwürfe, nun die Kollegen mit dem Arbeitsstress „alleine gelassen“ zu haben, oder so ähnlich. Zusammenhalt ist in einer solch schwierigen Lebenssituation das A und O – sowie das beste Mittel, um dem Betroffenen wirklich zu helfen.

Was können und sollten Führungskräfte tun?

Als Führungskraft sollten Sie natürlich ebenfalls das Kondolenzschreiben unterzeichnen. Doch damit ist Ihre Führungsaufgabe noch nicht erledigt. Es liegt nun an Ihnen, den betroffenen Mitarbeiter auch auf anderer Ebene zu unterstützen. Suchen Sie den Kontakt, sobald Sie von dem Trauerfall erfahren haben. Bieten Sie dem Mitarbeiter im Rahmen Ihrer Möglichkeiten Unterstützung an: Sonderurlaub, den spontanen Überstundenabbau, die Delegation seiner Aufgaben an Kollegen, bis er sich wieder arbeitstauglich fühlt, und und und… Sorgen Sie dafür, dass er sich erst einmal keine zusätzlichen Sorgen um seine Arbeitsstelle machen muss, sondern sich voll und ganz der Verarbeitung seiner Trauer widmen kann. Bleiben Sie in Kontakt, indem Sie beispielsweise im Abstand von ein paar Tagen anrufen, sich nach dessen Befindlichkeit erkundigen und einem möglichen Termin zur Rückkehr. Ist es so weit, suchen Sie das Vieraugengespräch und planen Sie das weitere Vorgehen gemäß der Möglichkeiten des Trauernden. Führen Sie ihn langsam wieder an den Arbeitsalltag heran und zeigen Sie Verständnis – sogar, wenn der Betroffene vielleicht manchmal emotional reagiert, schnell wütend wird oder sogar weint. Auch Sie könnten schließlich eines Tages in einer ähnlichen Situation sein. Handeln Sie so, wie Sie es sich auch bei einem eigenen Schicksalsschlag wünschen würden. Dann können Sie eigentlich nicht mehr allzu viel falsch machen.

Welche weiteren Erfahrungen oder Tipps haben Sie im Umgang mit dem Schicksalsschlag eines Kollegen beziehungsweise Mitarbeiters?


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