Selbstmarketing – was ist das eigentlich und wie geht es?

Keine Frage: Qualifikationen, Schlüsselkompetenzen und Erfahrungen sind wichtig für eine erfolgreiche Karriere. Doch worauf es wirklich ankommt, ist Ihr Selbstmarketing.

Wenn das Leben fair wäre, wären ausschließlich die wahren Leistungsträger in den Führungsetagen zu finden, während Trittbrettfahrer und Dummschwätzer in namenslosen Positionen abblieben. Das Leben ist aber bekanntlich nicht fair und dementsprechend kommt es nicht immer (nur) auf Ihre Leistungen, Erfahrungen und Hard- sowie Soft-Skills an, wenn es um Entscheidungen wie die Bewerberauswahl, eine Beförderung oder Gehaltserhöhung geht. Stattdessen tummeln sich in deutschen Führungspositionen vor allem Narzissten, Angeber und Menschen mit einem Talent für die Selbstinszenierung. Ob es Ihnen passt oder nicht: Ohne Selbstmarketing geht in der modernen Berufswelt nichts mehr.

 

Definition: Was bedeutet Selbstmarketing wirklich?

Beim Selbstmarketing geht es darum, gezielt ein Image der eigenen Person zu kreieren und dieses gegenüber Dritten bekannt zu machen. Sie stellen sich also sozusagen in Ihrem besten Licht dar und erhoffen sich dadurch einen Karrierevorteil. Die gute Nachricht ist: Den werden Sie durch das Selbstmarketing auch erhalten. Das Thema ruft zwar in vielen Menschen erst einmal Ablehnung hervor, auf den zweiten Blick ist es aber gar nicht so unlogisch, sich selbst vermarkten zu müssen: Wieso sollten Entscheider schließlich einen unbekannten Mitarbeiter oder Bewerber einem bekannten vorziehen?  Durch das Selbstmarketing rücken Sie sich in den Fokus und machen sich berechenbar. Sie kommunizieren klar und deutlich, wer Sie sind, was Sie können und wohin Sie wollen. Je besser beispielsweise ein Recruiter oder Personaler Sie einschätzen kann und je positiver dieses Bild von Ihnen als Person und Arbeitskraft ist, umso schneller sowie höher werden Sie im Beruf aufsteigen – logisch, oder?! Im Job geht es um das Sehen und Gesehen werden. Ein guter Vergleich ist die klassische Werbung: Würden Sie eher ein Produkt kaufen, dessen Markenname Ihnen geläufig ist und mit welchem Sie ein positives Image assoziieren – oder ein völlig unbekanntes und damit auch unberechenbares? Die Antwort dürfte auf der Hand liegen! Selbstmarketing ist also prinzipiell nichts anderes als Werbung für Sie selbst.

 

Werbung im eigenen Sinne ist nichts Negatives

Keine Sorge: Selbstmarketing muss weder kompliziert noch unsympathisch sein. Es kann Sie stattdessen sogar als Persönlichkeit weiterbringen, indem Sie sich intensiv mit sich selbst auseinandersetzen. Sie können Ihre Stärken identifizieren und Ziele definieren. Das stärkt Ihr Selbstbewusstsein und Ihre Zielstrebigkeit. Es ist also an der Zeit, dass Sie Selbstmarketing als etwas Positives begreifen. Als ein Mittel zum Zweck – zur Persönlichkeitsentwicklung, zur Karriereförderung, zur Imagebildung. Das bedeutet keinesfalls, dass es bei Beförderungen, Gehaltserhöhungen & Co nicht auch um Leistung geht. Sie müssen leisten, keine Frage. Nur müssen Sie mittels Selbstmarketing eben auch dafür sorgen, dass diese Leistungen gesehen und anerkannt werden. Das hat auch nichts mit Arroganz oder Selbstinszenierung zu tun, sondern schlichtweg mit einem bewussten Umgang mit Ihren Talenten, Zielen und Persönlichkeitsmerkmalen. Aber wozu das Ganze?

 

Führungskräfte sollten Leistungsträger erkennen – jedoch…

 In der Theorie ist die Sache eindeutig: Mitarbeiter sollten zur Arbeit gehen, ihre Leistungen erbringen und dafür auf die eine oder andere Art und Weise belohnt werden. In der Praxis ist das leider nicht immer so einfach. Natürlich sollten Führungskräfte von selbst erkennen, wer die wahren Leistungsträger im Team sind. Es sei ihnen aber verziehen, dass das nicht so leicht getan ist wie gesagt. Häufig werden die Gesamtleistungen zwar erkannt und anerkannt, jedoch lässt sich aus der Perspektive der Führungsperson nicht unbedingt klar unterscheiden, welcher Mitarbeiter welche Leistung erbracht hat. Die einzige Möglichkeit, um die Ergebnisse im Detail einem Angestellten zuzuordnen, wäre ständige Kontrolle durch Mikromanagement. Das dürfte aber von keiner Seite gewünscht sein. Die Lösung lautet daher: Die Führungskräfte sollten ihr Bestes geben, doch Sie als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin müssen ihnen mittels Selbstmarketing auch ein wenig auf die Sprünge helfen. Nur so entsteht eine Win-Win-Situation und damit die gewünschte Fairness bei Beförderungsprozessen & Co.

 

Und wie funktioniert nun dieses Selbstmarketing?

  1. Definieren Sie Ihre Ziele. Werden Sie sich also bewusst, wo Sie in ihrer Karriere hinwollen und welcher der direkte sowie schnellste Weg zur Erreichung dieser Meilensteine ist.
  2. Zeigen Sie Präsenz. Knüpfen Sie nun die dafür notwendigen Kontakte, indem Sie nicht nur im Team, sondern auch auf Veranstaltungen, bei Seminaren, auf Firmenevents sowie im Berufsalltag möglichst viel Präsenz zeigen. Steigern Sie also Ihren Bekanntheitsgrad bei Ihrer „Zielgruppe“.
  3. Nutzen Sie Social Media. Hierfür können Sie auch soziale Netzwerke optimal nutzen. XING und LinkedIn sind beispielsweise eine geeignete Plattform für das Knüpfen neuer Kontakte. Diese können unternehmensintern oder -extern sein, branchenrelevant oder auch zu Headhuntern. Präsentieren Sie sich online als Experte im Sinne Ihrer Karriereziele und rufen Sie vielleicht sogar einen eigenen Blog ins Leben.
  4. Erweitern Sie Ihren Wirkungskreis. Ergreifen Sie die Eigeninitiative. Machen Sie nicht nur Dienst nach Vorschrift, sondern bringen Sie eigene Ideen mit ein. Werden Sie für das Team unverzichtbar – und anschließend auch darüber hinaus. Präsentieren Sie sich als Ansprechpartner auf Ihrem Spezialgebiet und Sie rücken den Fokus der Entscheider automatisch mehr auf sich und Ihre Leistungen.
  5. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken. Aber welche sind Ihre Leistungen? Genau diese Frage sollten Sie erst einmal für sich selbst klären. Identifizieren Sie Ihre Stärken und Talente. Nutzen Sie diese im Berufsalltag bewusster und machen Sie auch die Führungskräfte darauf aufmerksam.
  6. Halten Sie die Entscheider „up-to-date“. Wie? Ganz einfach: Schreiben Sie beispielsweise wöchentlich oder monatlich eine „Update-Email“, in welcher Sie den Chef über Ihre aktuellen Projekte, Fortschritte und Erfolge auf dem Laufenden halten.

 

Welche weiteren Tipps kennen Sie, um nicht länger übersehen zu werden? Sind Sie alles in allem eher ein Freund oder ein Feind von modernem Selbstmarketing?


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