Speed-Recruiting: Definition, Vorbereitung und Fragen

Der War of Talents verlangt nach immer neuen Maßnahmen, um möglichst schnell an möglichst gute Mitarbeiter zu gelangen. Eine davon ist das sogenannte Speed-Recruiting. Wir stellen Ihnen den Trend hier etwas genauer vor.

Der klassische Bewerbungsprozess ist nicht nur ziemlich eingestaubt, sondern auch zäh wie Kaugummi. Um ihn ein wenig zu verkürzen und auch grundlegend aufzufrischen, setzen immer mehr Unternehmen auf die Möglichkeiten der Online-Bewerbersuche. Dass es jedoch auch noch knackiger geht, beweist das Speed-Recruiting – ein Format, das bei manchen schnell Assoziationen zur Partnersuche weckt.

Definition: Was ist Speed-Recruiting?

Warum kann das Prinzip, das beim Kennenlernen potentieller Lebenspartner funktioniert, nicht auch auf Bewerber übertragen werden? Das (oder etwas ganz ähnliches) dachte man sich wahrscheinlich, als das Konzept Speed-Recruiting entwickelt wurde.

Es funktioniert in der Tat ganz ähnlich wie Speed-Dating, nämlich folgendermaßen:

  • X Recruiter aus unterschiedlichen Unternehmen treffen auf X potentielle Bewerber
  • Jeder Recruiter sitzt einem Bewerber gegenüber
  • Die Beteiligten haben drei Minuten Zeit, sich kennenzulernen und Fragen zu stellen
  • Danach wechseln die Bewerber auf den Platz rechts oder links neben sich
  • Nun starten wieder drei Minuten, in denen sich der Bewerber mit dem nächsten Recruiter unterhält
  • Der Prozess wird so lang wiederholt, bis jeder Recruiter mit jedem Bewerber gesprochen hat
  • Hat ein Bewerber das Interesse des Recruiters erweckt, kann er zu einem Folgegespräch eingeladen werden
  • Abschließend findet ein lockerer Austausch statt, bei dem sich die Bewerber und Recruiter vernetzen können

Hinweis: In den seltensten Fällen wird ein Bewerber beim Speed-Recruiting sofort den Arbeitsvertrag unterschreiben. In der Regel handelt es sich hierbei erst einmal um ein Kennenlernen oder “Beschnuppern“.

Das ist das Besondere am Speed-Recruiting

Die stark limitierte Zeit, die Bewerbern gegeben wird, um sich einem Unternehmen vorzustellen, mag wie ein Nachteil wirken, ist aber der größte Vorteil vom Speed-Recruiting. Denn sie zwingt den Sprecher dazu, alle Informationen zur Persönlichkeit und zum bisherigen Werdegang auf den Punkt zu bringen und ähnlich wie bei einem Elevator Pitch möglichst prägnant vorzutragen. Als Personaler erfahren Sie also nicht nur die herkömmlichen „Bewerbungsfacts“, sondern können sich auch gleich ein individuelles Bild vom Kandidaten machen.

Ein weiterer unschlagbarer Vorteil des Speed-Recruitings: Innerhalb von wenigen Minuten – manchmal sogar schon Sekunden – kann festgestellt werden, ob die Chemie zwischen Bewerber und Unternehmen stimmt; und das ganz ohne das gewohnte Prozedere mit Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgespräch.

Speed Recruiting erfordert Erfahrung

Was gerade als großer Vorteil genannt wurde, kann selbstverständlich auch zum Verhängnis werden – nämlich dann, wenn Sie sich nach drei Minuten für den falschen Bewerber entscheiden.

Speed Recruiting ist eine noch recht neue Form der Mitarbeitergewinnung. Die „Vorstellungsgespräche im Schnellverfahren“ verlangen nach sehr viel Erfahrung und einer ausgezeichneten Menschenkenntnis. Bringen Sie diese Faktoren nicht mit, kann es im schlimmsten Fall passieren, dass Sie einen Kandidaten mit sehr viel Potential ziehen lassen und stattdessen einem nur mittelmäßig geeigneten Ihre Visitenkarte geben.

Wie kann ich als Personaler an einem Speed-Recruiting teilnehmen?

Wenn Sie diese spezielle Form des Recruitings einmal in der Praxis testen wollen, müssen Sie natürlich in Erfahrung bringen, wann und wo eine entsprechende Veranstaltung stattfindet. In immer mehr Städten gibt es (Event-)Agenturen, die sich auf die Organisation von Speed-Recruitings spezialisiert haben und in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen dieser Art anbieten.

Auch die IHK und die Handwerkskammern sind unter Umständen gute Ansprechpartner, wenn Sie auf der Suche nach einem Speed-Recruiting sind. Falls dort noch nie jemand etwas von der Thematik gehört hat, ist man Ihnen vielleicht dankbar, dass Sie den entscheidenden Impuls geliefert haben.

Falls Sie auch nach intensiver Suche kein passendes Angebot in Ihrer Nähe finden, bleibt noch eine dritte Option: Die Sache selbst in die Hand nehmen. Natürlich ist es mit sehr viel Aufwand verbunden, ein Speed Recruiting Event zu organisieren. Darum ist es sinnvoll, sich von Anfang an mit Personalern aus anderen Unternehmen zusammenzutun und die Aufgaben zu verteilen. Spätestens wenn es um die konkrete Umsetzung der Veranstaltung geht, müssen Sie sowieso Kontakt zu den Kollegen aus anderen Firmen aufnehmen.

Mit diesen Fragen sind Sie perfekt auf das Speed Recruiting vorbereitet

Natürlich will die Zeit, die Recruitern und Bewerbern zur Verfügung steht, möglichst sinnvoll genutzt werden. Damit keine peinlichen und kontraproduktiven Schweigepausen eintreten, ist es am besten, wenn Sie sich schon im Vorfeld eine Reihe von Fragen überlegen.

Diese können selbstverständlich denen im klassischen Bewerbungsgespräch ähneln, aber auch (passend zum Recruiting-Format) ein bisschen aus dem Rahmen fallen.

Mögliche Speed Recruiting-Fragen:

  • Warum nehmen Sie an dieser Veranstaltung teil?
  • Was war Ihre letzte Karriere-Station?
  • Was soll Ihre nächste Karriere-Station sein?
  • Was sagen Sie zu [hier ein Branchen-relevantes Thema einfügen]?
  • Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
  • Wie würden Sie sich mit drei Worten beschreiben?

Tipp: Der Bewerber sollte nie zu lang nachdenken müssen, denn das würde zu viel Zeit verschwenden.


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