Stärken und Schwächen – So antworten Sie auf den fiesen Bewerbungsklassiker

Irgendwann kommt sie in jedem Vorstellungsgespräch: Die Frage nach Ihren Stärken und Schwächen. Wir verraten Ihnen heute, was Sie darauf antworten sollten – und was lieber nicht.


In der Regel läuft ein Bewerbungsprozess immer in etwa gleich ab: Sie senden Ihre Bewerbungsunterlagen an das Unternehmen, werden zu einem Vorstellungsgespräch oder einem Assessment Center eingeladen und erhalten eine Zu- oder Absage. Genauso standardisiert sind häufig die Fragen, welche Ihnen im Bewerbungsgespräch gestellt werden. Ein echter Klassiker, der nur in den seltensten Fällen fehlt, ist dabei die Frage nach Ihren Stärken und Schwächen. Manch ein Personaler fragt Sie direkt, ein anderer verpackt sie hinter Floskeln wie „Welche Eigenschaften bringen Sie mit, die Ihre Mitbewerber nicht haben?“ oder „Was störte Ihre vorherigen Arbeitgeber am meisten an Ihnen?“. Als Faustregel sollten Sie dann problemlos ein bis zwei Schwächen und drei bis fünf Stärken aufzählen können.

Stärken und Schwächen: Worauf müssen Sie achten?

In erster Linie ist es wichtig, dass Sie bei der Beantwortung dieser Fragen stets ehrlich und authentisch bleiben. Tragen Sie bei Ihren Stärken nicht zu dick auf, aber geben Sie sich selbstbewusst. Ein schmaler Grat, den Sie am besten im Voraus durch ein Rollenspiel mit Familie, Freunden oder Bekannten üben. Zudem sollten die Stärken natürlich für das Unternehmen relevant sein, sprich ihm einen handfesten Mehrwert bieten. Sie können gut Handball spielen? Schön für Sie! Das wird Ihren potenziellen zukünftigen Arbeitgeber aber kaum interessieren. Dass Sie als Handballtrainer/in arbeiten und Weiterbildungen in Teamführung und Sozialkompetenz belegt haben – das ist schon eher ein Argument für Sie als Arbeitskraft.

Und dies bringt uns auch direkt zum nächsten wichtigen Punkt: Belegen Sie Ihre Aussagen durch konkrete Beispiele. Werfen Sie nicht einfach „Ich bin teamfähig“ in den Raum, sondern erläutern Sie dem Personaler glaubhaft, wieso Sie teamfähig sind, dass Sie zum Beispiel entsprechende Weiterbildungen belegt haben oder dies in Ihren Arbeitszeugnissen stets explizit lobend hervorgehoben wurde. Anders bei den Schwächen: Diese sollten natürlich gerade nicht (!) relevant sein für die Stelle. Führen Sie diese nicht groß aus, belegen Sie diese nicht durch Beispiele und versuchen Sie keinesfalls, Schwächen in vermeintliche Stärken zu verwandeln à la „Ich bin zu fleißig“. Merken Sie sich daher als Grundregeln:

  1. Bleiben Sie ehrlich und authentisch!
  2. Nennen Sie stets mehr Stärken als Schwächen!
  3. Handeln Sie die Schwächen so kurz wie möglich ab!
  4. Wählen Sie Schwächen, die für Ihre eventuelle Anstellung keinen Nachteil bedeuten würden!
  5. Versuchen Sie nicht, aus Schwächen vermeintliche Stärken zu kreieren!
  6. Überlegen Sie, welche Stärken den Arbeitgeber „begeistern“ könnten – also für eine potenzielle Anstellung nützlich wären!
  7. Belegen Sie Ihre Stärken durch entsprechende Beweise!
  8. Zeigen Sie sich selbstbewusst, aber tragen Sie nicht zu dick auf!

Beispiele: Gute und schlechte Antworten auf die Frage nach Ihren…

…Stärken

Wie bereits erwähnt, sollten Sie auf die Frage nach Ihren Stärken nicht mit leeren Floskeln antworten. Auch eine reine Aufzählung Ihrer Hard und Soft Skills, welche Sie bereits in Ihrem Anschreiben aufgeführt haben, liefert dem Personaler keine spannenden neuen Informationen. Sagen Sie also nicht:

„Ich bin engagiert, kommunikativ und verlässlich.“

„Wie Sie meiner Bewerbung entnehmen können, bin ich sehr fleißig und zuverlässig.“

„Finden Sie meine Stärken doch am besten selbst heraus.“

Versuchen Sie also auch keinesfalls, die Frage nach Ihren Stärken ins Lächerliche zu ziehen – Sie sind bei einem Vorstellungsgespräch und nicht bei einem ersten Date. Geeignetere Antworten wären beispielsweise:

„Aufgrund meiner Weiterbildung zur Mediatorin habe ich gute Kommunikationsfähigkeiten und einen sicheren Umgang mit Konflikten erlernt.“

„Als Mutter von drei Kindern bin ich äußerst stressresistent – mich bringt so schnell nichts und niemand aus der Ruhe!“

„Ich bin äußerst zuverlässig. Wie Sie meinem Arbeitszeugnis vielleicht entnommen haben, habe ich in meiner vorherigen Anstellung jedes Projekt nicht nur pünktlich, sondern sogar vor der Deadline fertiggestellt – und zwar trotzdem in hervorragender Qualität.“

…Schwächen

Der wohl häufigste Fehler bei den Schwächen ist es, dass der Bewerber diese als Stärken zu verpacken versucht. Sagen Sie niemals:

„Ich bin so fleißig, dass ich manchmal vergesse, Pausen einzulegen.“

„Ich bin einfach zu perfektionistisch – ich möchte immer, dass meine eigenen Leistungen und die meines Teams optimal sind. Deshalb helfe ich allen und jedem, nachdem ich meine eigene Arbeit eigentlich schon erledigt habe.“

 „Schwächen? Da müsste ich jetzt überlegen. Ich glaube, ich habe keine…“

No-Gos sind zudem natürlich Schwächen, die für Ihren Job einen großen Nachteil bedeuten könnten. Als Professor sollten Sie keine Probleme damit haben, vor einem Publikum zu sprechen, als Pilot sollten Sie keine Höhenangst haben und als Schichtarbeiter kein Problem mit dem frühen Aufstehen. Gute Beispiele für die Formulierung Ihrer Schwächen könnten sein:

„Als Berufseinsteiger/in habe ich leider noch nicht allzu viel Erfahrung im Umgang mit SAP-Programmen. Aufgrund meiner Versiertheit mit dem PC, kann ich das aber gewiss schnell lernen.“

„Ich habe manchmal Probleme damit, in Meetings das Wort zu ergreifen. Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt. Ich suche dann aber häufig anschließend noch einmal das Gespräch mit den Kollegen, wenn mir Gedanken oder Ideen kommen, die ich als wichtig erachte.“

„Leider bin ich ein sehr ungeduldiger Mensch. Aus diesem Grund habe ich einen projektbasierten Beruf gewählt, weil ich quasi nach meiner Arbeit direkt auch entsprechende Ergebnisse sehen kann. Dadurch bleibt meine Motivation hoch.“

Auf die Frage nach Ihren Stärken und Schwächen sollten Sie sich also unbedingt vorbereiten, um dann nicht in zögerliches Schweigen oder einen panischen Wortschwall zu verfallen, den Sie später eventuell bereuen. Welche weiteren Tipps haben Sie für die Antworten auf die Frage nach den Stärken und Schwächen im Bewerbungsgespräch?


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