Steuern sparen: Ein Plädoyer für die Steuererklärung als Student

Die Steuererklärung gehört wohl zu den meistgehassten Tätigkeiten der Deutschen. Doch auch als Student lohnt sich der Aufwand. Wir verraten Ihnen, wieso.


Als Student sind Sie gewiss froh, dass Sie sich mit Themen wie Steuern oder Versicherungen eigentlich noch nicht herumschlagen müssen. Sollten Sie aber, denn wer seine Finanzen früh in die eigene Hand nimmt, kann spätestens beim Berufseinstieg so richtig viel Geld sparen. Sie haben Ihr Studium kürzlich beendet? Auch dann ist es noch nicht zu spät. Anstatt sich zu ärgern, können Sie die freiwillige Steuererklärung nämlich bis zu vier Jahre verspätet einreichen. Wir verraten Ihnen, wann und vor allem warum sich das lohnt.

Müssen Studenten eine Steuererklärung einreichen? „Jein“!

Prinzipiell müssen Sie alleine aufgrund Ihres Studentenstatus noch keine Steuererklärung einreichen. Wer also rein vom Familienvermögen, den Ersparnissen aus vorheriger Berufstätigkeit oder von Bafög lebt, hat keine Pflicht zur Steuererklärung. Wer allerdings neben dem Studium selbstständig oder unselbstständig tätig ist – egal ob dauerhaft oder in Form eines befristeten Ferienjobs – und dabei den Grundfreibetrag von 8.652 Euro pro Jahr (Stand 2016) übersteigt, muss eine Steuererklärung machen. Selbiges gilt für anderweitigen Einnahmen über dem Grundfreibetrag, zum Beispiel durch Mieteinkünfte. Auch einzureichen ist die Steuererklärung stets dann, wenn Sie innerhalb eines Jahres für mehrere Arbeitgeber tätig waren. Selbst diejenigen unter Ihnen, die zwar nebenher jobben, dabei aber unter den 8.652 Euro jährlich bleiben, sollten aber unbedingt eine Steuererklärung abgeben. In der Regel werden die Steuern dann nämlich vollautomatisch von Ihrem Arbeitgeber eingezogen. Zurück erhalten Sie die zu viel bezahlten Steuern aber lediglich durch eine Steuererklärung. Die Regel lautet also: Nicht alle Studenten müssen eine Steuererklärung einreichen – aber sie sind damit gut beraten.

Über Sonderausgaben, Werbungskosten, Erst- und Zweitausbildung

Das Steuerrecht unterscheidet bei der Art und Höhe, in welcher Sie Ihre Studienkosten geltend machen können, zwischen Erst- und Zweitausbildung. Das bedeutet: Ging Ihrem Studium keine Ausbildung voraus, sodass es als Erstausbildung gilt, können Sie dieses im Bereich der Sonderausgaben geltend machen. Eine Zweitausbildung allerdings, fällt unter die Rubrik der Werbungskosten. Spätestens beim Master als Zweitstudium lohnt sich daher die Steuererklärung für jeden Studenten, denn so kann er anschließend beim Berufseinstieg richtig viel Geld sparen, selbst wenn er neben dem Studium nicht oder nur geringfügig verdient hat. Warum? Wir wollen Ihnen den Unterschied erklären:

1. Sonderausgaben sind in ihrer Höhe auf 6.000 Euro limitiert und dadurch nur beschränkt absetzbar. Sie können zudem lediglich für das jeweilige Entstehungsjahr geltend gemacht werden. Das bedeutet: Hatten Sie im Jahr 2015 zwar 2.000 Euro absetzbare Ausgaben im Rahmen Ihres Studiums, haben aber nur auf 450-Euro-Basis gearbeitet und dadurch keine Steuern gezahlt, sind die Sonderausgaben „verloren“.

2. Werbungskosten hingegen können Sie immer von einem Jahr in das nächste mitnehmen – so lange, bis diese in Gänze von Ihren Steuern abgesetzt wurden. Das bedeutet: Hatten Sie in einem Jahr mehr Werbungskosten als Sie durch Ihren Job Steuern zahlen mussten, werden Ihnen diese als „Verlust“ angerechnet. Diesen Verlust nehmen Sie anschließend mit in das nächste Kalenderjahr. Er wird auch hier wieder von den zu zahlenden Steuern abgesetzt. Bleibt wieder ein Verlust übrig, nehmen Sie auch diesen wieder mit in das nächste Jahr. Schlussendlich können Sie so spätestens beim Berufseinstieg Ihre gesamten Studienkosten absetzen. Allerdings – wie bereits erwähnt – leider nur für eine Zweitausbildung, sprich ein Zweitstudium, Aufbaustudium oder ein Erststudium, welches auf einer vorangegangenen Ausbildung aufbaut.

Miete, Bücher, Auslandsaufenthalte – Was können Sie als Student geltend machen?

Das klingt doch soweit schon einmal sehr gut, oder? Die Frage ist allerdings, welche Kosten Sie denn schlussendlich als Sonderausgaben beziehungsweise Werbungskosten geltend machen können und welche nicht? Prinzipiell sind natürlich all jene Ausgaben absetzbar, die unmittelbar durch das Studium entstehen und die keinen privaten Zweck erfüllen. Hierunter fallen:

  • Fachliteratur
  • Lernmaterialien
  • Fahrtkosten für Praktika, Exkursionen, Vorstellungsgespräche etc.
  • Auslandsaufenthalte
  • Lehrgänge und Weiterbildungen
  • Nachhilfestunden
  • Arbeitszimmer
  • Kontoführungsgebühren
  • eventuelle Sprachkurse
  • doppelte Haushaltsführung
  • Studiengebühren
  • spezielle Software
  • Pendlerpauschale zur Hochschule oder Universität
  • in Sonderfällen auch Mietzahlungen
  • Umzugskosten
  • u. v. m.

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Prinzipiell handelt es sich aber stets um eine Einzelfallentscheidung des Finanzamtes. So erkennt dieses zum Beispiel einen Spanischkurs an, wenn Sie anschließend Ihr verpflichtendes Praxissemester in Argentinien absolvieren. Der Lateinkurs dürfte für einen Medizinstudenten ebenso sinnvoll sein. Der Französischkurs eines Psychologie-Studenten hingegen, der keinerlei Bezug zwischen der Sprache und seinem Studium vorlegen kann, fällt aus Sicht des Sachbearbeiters vermutlich eher unter die Rubrik „privat“ und kann daher nicht geltend gemacht werden. Professionelle Beratung kann also bei Ihrer Steuererklärung als Student durchaus sinnvoll sein, zumal Sie sich vielleicht noch nie zuvor mit dem Thema Steuern auseinandergesetzt haben. Hierfür können Sie einerseits einen professionellen Steuerberater aufsuchen. Dieser ist allerdings gewiss kein Schnäppchen und viele Studenten sowie Berufseinsteiger wollen ihr hart verdientes Geld natürlich lieber sparen. Sie können sich daher andererseits auch einmal im Internet nach entsprechender Software umsehen, doch Obacht vor unseriösen Anbietern. Besser ist da vielleicht die dritte Möglichkeit. Unser Geheimtipp lautet nämlich: Zahlreiche Lohnsteuervereine bieten Studenten und Berufseinsteigern vergünstigte Konditionen für eine professionelle Beratung, sodass Ihre Steuereinsparungen in der Regel die hierfür anfallenden Kosten schlussendlich übersteigen.


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