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Studie: Trends im Azubi-Recruiting im Jahr 2017

In vielen Branchen wird händeringend nach Azubis gesucht. U-form Testsysteme hat sich deshalb mit den aktuellen Trends im Azubi-Recruiting auseinandergesetzt.


Bereits das fünfte Jahr in Folge hat u-form Testsysteme eine umfassende Studie zum Thema Azubi-Recruiting veröffentlicht.  Auslöser ist die steigende Problematik von fehlendem Nachwuchs für zahlreiche Ausbildungsstellen. Laut Bundesagentur für Arbeit blieben von Oktober 2015 bis September 2016 43.500 der insgesamt 546.900 Berufsausbildungsstellen unbesetzt.  Das sind fünf Prozent mehr als noch im Vorjahr. Allgemein zeichnet sich derzeit auf dem Ausbildungsmarkt ein eindeutiger Trend ab: Während im Jahr 2005 noch rund 763.100 Bewerber um gerade einmal 459.200 Ausbildungsplätze buhlten, haben sich diese Zahlen mittlerweile stark angenähert: In der Saison 2015/2016 bewarben sich 547.700 Ausbildungssuchende auf 546.900 Stellen. Eigentlich müsste die Rechnung damit beinahe perfekt aufgehen. Leider ist das ein Trugschluss. Während es in einigen Branchen immer noch viel zu viele Bewerber auf deutlich zu wenige Ausbildungsplätze gibt, herrscht in anderen bereits der gefürchtete Fachkräftemangel. Hierzu gehören vor allem

  • der Verkauf von Lebensmitteln,
  • die Gastronomie,
  • die Kunststoff- und Kautschukverarbeitung,
  • die Fahrzeugführung im Straßenverkehr,
  • der Groß- und Außenhandel,
  • die Lebensmittelherstellung,
  • die Feinwerk- und Werkzeugtechnik,
  • die Hotellerie,
  • die Rechtsanwaltskanzleien sowie
  • der Bereich Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klimatechnik.

Und selbst in Branchen, die zwar auf dem Papier ausreichend Bewerbungen erhalten, gestaltet sich die Auswahl der Azubis in der Realität häufig schwierig. Es fehlt zunehmend an genügend qualifizierten und geeigneten Kandidaten. Bewerber mit den passenden Qualifikationen haben hingegen meist mehr als ein Angebot für einen Ausbildungsplatz vorliegen und damit die freie Wahl. Für die Unternehmen bedeutet das also, dass sie sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und gegen die Konkurrenz durchsetzen müssen. Stichwort: Employer Branding.

Viele Unternehmen haben Nachholbedarf im Azubi-Recruiting

Aus diesem Grund hat sich u-form Testsysteme einmal mit der Frage auseinandergesetzt: Wie handhaben deutsche Unternehmen im Jahr 2017 das Azubi Recruiting und vor allem, wo gibt es Nachholbedarf? Die Kernergebnisse der Studie regen durchaus zum Nachdenken an:

  • Das Hauptproblem im Azubi-Recruiting liegt in einer mangelnden oder falschen Kommunikation zwischen Bewerbern und Unternehmen.
  • Demnach stimmen über 60 Prozent der Personaler der Aussage zu, dass nicht alle in der Stellenausschreibung genannten Anforderungen erfüllt werden müssen. Viele angehende Azubis bewerben sich aber erst 50 oder mehr Prozent Übereinstimmung.
  • Zudem geben über 60 Prozent der Personaler an, innerhalb von ein bis zwei Tagen auf Bewerbungen zu reagieren – zumindest mittels Eingangsbestätigung. Bestätigt wird diese Aussage hingegen nur von gut 30 Prozent der Bewerber. Etwas mehr gaben in der Studie an, eine Rückmeldung meist zwischen zwei und sieben Tagen zu erhalten. In 6,5 Prozent der Fälle trifft aus Bewerbersicht sogar niemals eine solche Eingangsbestätigung oder überhaupt eine Rückmeldung ein.
  • Ein weiteres großes Missverständnis scheint es hinsichtlich der Praxiserfahrung zu geben: Über 70 Prozent der Ausbildungssuchenden würden sich die Möglichkeit von Probearbeitstagen oder einem Praktikum wünschen, um zu prüfen, ob die Ausbildungsstelle sowie das Unternehmen zu ihnen passen. Gerade einmal die Hälfte der Unternehmen kommt aber dem Wunsch nach Praktika nach. Beim Probearbeiten ist es sogar nur rund ein Drittel.

Fazit: Die Zahnräder greifen (noch) nicht ineinander

Schlussendlich sind die Zahlen der Bewerber und offenen Ausbildungsstellen mittlerweile so nah beieinander, dass das Azubi-Recruiting eigentlich eine perfekte Nullrechnung ergeben müsste. In der Realität ist das leider nicht der Fall, sodass auch im Jahr 2017 zehntausende Lehrstellen unbesetzt bleiben werden. Das Hauptproblem liegt hierbei in einer fehlerhaften Kommunikation zwischen Unternehmen und angehenden Azubis. Die Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche klaffen noch zu weit auseinander, als dass die Zahnrädchen ein „perfektes Uhrwerk“ ergeben würden. Es ist deshalb an der Zeit, dass die Arbeitgeber ihre Kommunikation verbessern und ihren Recruiting-Prozess optimaler an den Ausbildungssuchenden ausrichten. Je schneller sie deren Bedürfnisse im Azubi-Recruiting berücksichtigen, umso besser stehen auch in Branchen mit Fachkräftemangel wieder die Chancen auf ausreichend qualifizierten Nachwuchs. Wer schnell handelt, kann sich dadurch gegenüber der Konkurrenz einen großen Vorteil herausspielen.

Welche Maßnahmen wären Ihrer Meinung nach zur Verbesserung des Azubi-Recruitings in deutschen Unternehmen notwendig? Wie sehen Sie das Thema aus Bewerbersicht? Oder wie aus der Arbeitgeberperspektive?


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