Toxische Kollegen oder Vorgesetzte? So bleiben Sie entspannt

Choleriker, Giftzwerg, Lästerziege? Im Berufsleben treffen Sie auf so allerhand Gestalten, die Ihnen den Arbeitsalltag vergiften. Wie gehen Sie mit toxischen Kollegen und Vorgesetzten um?


Gibt es bei Ihnen im Büro auch den kleingewachsenen Giftzwerg mit Napoleon-Komplex? Oder die Lästertante, die kein gutes Haar an ihren Kolleginnen und Kollegen lässt? Den Witzbold, der sich bevorzugt auf Kosten anderer in den Mittelpunkt drängt oder den immer jammernden Griesgram? Ja, im Berufsleben treffen Sie auf unterschiedlichste Charaktere und gewiss wird nicht jeder Ihrer Schreibtischnachbarn zu Ihrem besten Freund. Ein gutes Arbeitsklima allerdings, ist für Ihre psychische und physische Gesundheit immens wichtig. Wie also gehen Sie mit jenen toxischen Kollegen oder auch Vorgesetzten um, welche Ihren Blutdruck regelmäßig in die Höhe jagen?

„Toxische Menschen“ sind wahre Energiesauger

Bei dem Wort „toxische“ Kollegen oder Vorgesetzte werden Sie gewiss zustimmend nicken oder genervt mit den Augen rollen. Ja, jeder kennt diese Personen, die einem einfach nicht gut tun. Woran das allerdings liegt, ist manchmal sehr schwer in Worte zu fassen. Während einem dieser eine Kollege einfach zu laut ist und die andere Kollegin zu zickig, gibt es auch Menschen, die auf den ersten Blick nichts falsch machen. Und dennoch merken Sie, dass Sie sich nach einem Gespräch oder auch dem Mittagessen mit eben dieser Person wie ausgesaugt fühlen – energielos und erschöpft. Das mag daran liegen, dass Emotionen ansteckend sind. Probieren Sie es einmal aus und laufen Sie lächelnd durch die Gänge oder auch die Kantine. Sie werden sehen, dass Sie damit auch vielen anderen Menschen unvermittelt ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Zudem gibt es doch auch diese immer gut gelaunten, durchweg positiven Menschen, mit welchen Sie sich gerne umgeben, da sie inspirierend, motivierend und „leicht“ auf Sie wirken und Sie sich anschließend selbst besser fühlen. Toxische Menschen jedoch, bewirken genau das Gegenteil. Sie nähren von Ihrer Energie und verstärken negative anstelle der positiven Emotionen bei Ihnen. Dies kann auf unterschiedlichste Art und Weise passieren. Toxische Menschen

  • buhlen verzweifelt um Ihre Aufmerksamkeit.
  • fühlen sich schnell angegriffen oder verletzt.
  • sind emotional instabil und verhalten sich dadurch des häufigeren unprofessionell.
  • erschweren durch ihre emotionale Instabilität oder auch Macken und Angewohnheiten die Zusammenarbeit, lassen sie langsamer und unproduktiver voranschreiten.
  • brechen häufig einen Streit vom Zaun, wo dieser nicht nötig wäre.
  • haben nicht immer ein Gefühl für Grenzen und überschreiten deshalb gerne einmal ihre Kompetenz und Zuständigkeit.
  • trauen sich vielleicht selbst nur wenig zu und benötigen deshalb ständig Ihre Hilfe.
  • nutzen Sie als „emotionalen Mülleimer“ und belasten Sie durch ihren eigenen Scheidungskrieg, ihre Probleme mit dem Vorgesetzten oder ihre persönlichen Unsicherheiten.
  • nehmen viel aber geben wenig zurück.
  • hegen hohe Erwartungen an ihr Umfeld und sind enttäuscht oder beleidigt, wenn diese nicht erfüllt werden.
  • spielen als Vorgesetzte ihre Macht über Sie aus, um Minderwertigkeitskomplexe oder psychische Störungen auszuleben.
  • beharren auf ihrer Meinung und sind für keinerlei Diskussion offen, sie belehren gerne oder sind der klassische „Besserwisser“, der mit Ratschlägen um sich wirft, aber selbst keinerlei Kritik verträgt.
  • verhalten sich manipulativ und verwenden Strategien, wie die emotionale Erpressung durch Schuldgefühle, um das zu kriegen, was sie wollen.
  • v. m.

Sie sehen: Toxische Menschen können vielerlei unterschiedliche Gestalten annehmen oder weisen manchmal gleich eine Mischung verschiedenster Charaktereigenschaften auf, die Sie in ihrer Gesamtheit als belastend erleben. Was genau schlussendlich der ausschlaggebende Faktor dafür ist, dass Sie eine Person als toxisch erleben, ist gar nicht einmal so wichtig. Wir wollen hier auch nicht gleich von einer psychischen Störung sprechen oder eine Diagnose stellen, denn jeder Mensch ist unterschiedlich und manchmal passen zwei Persönlichkeiten auch einfach nicht zusammen. Von Bedeutung ist stattdessen, dass Sie diese Gefühle gegenüber einem Menschen wahrnehmen und richtig mit diesem umzugehen lernen.

Keine Persönlichkeit ist in Stein gemeißelt

Sie haben sich – wenn Sie einmal ganz ehrlich sind – selbst in dieser Liste wiedergefunden? Keine Panik! Alle geschilderten Verhaltensweisen sind menschlich und gewiss hat jeder von uns hin und wieder einmal diese Momente, in denen wir auf ein solch toxisches Verhalten zurückgreifen. Oft handelt es sich hierbei ja um unbewusste, in der Kindheit erlernte Mechanismen, die eben damals funktioniert haben und die wir heutzutage anwenden, wenn wir uns einmal nicht anders zu helfen wissen. Wenn der Vorgesetzte eben einfach nicht „Ja“ sagen möchte zur Gehaltserhöhung, plädieren wir ein wenig an sein Gewissen. Hat bei Mutti früher an der Supermarktkasse schließlich auch immer funktioniert. Das ist kein Grund, sich zu schämen – zumindest nicht, wenn es sich um Ausnahmesituationen handelt. Toxische Persönlichkeiten hingegen, befinden sich quasi immer in einer oder mehrerer der geschilderten Verhaltensweisen wider, selbst in stressfreien Alltagssituationen, die keinerlei „Trigger“ erkennen lassen. Personen, bei welchen solch toxische Verhaltensweisen also die Regel sind anstelle der Ausnahme, sind jene, von denen Sie sich ab sofort fernhalten sollten.

Toxische Menschen verringern Ihr persönliches Glück um sieben Prozent

Dass Sie einen Menschen als toxisch erleben, ist übrigens weit mehr als eine Floskel oder ein „dumpfes Gefühl“. Tatsächlich konnten Wissenschaftler herausfinden, dass positive Menschen unser persönliches Glücksempfinden um bis zu 15 Prozent steigern können, während negative oder eben toxische Menschen dieses um sieben Prozent verringern. Fakt ist also, dass Sie sich durch toxische Menschen in Ihrem Arbeitsalltag um bis zu sieben Prozent unglücklicher fühlen. In Relation zu dem Fakt, dass ein gutes Arbeitsklima elementar wichtig ist für Ihr Wohlbefinden und Ihre Gesundheit, können Sie die Wichtigkeit dieses Themas erkennen: Wenn Sie lernen, richtig mit toxischen Kollegen und Vorgesetzten umzugehen und diese Negativität aus Ihrem (Berufs-) Leben zu verbannen, werden Sie fortan nicht nur sieben Prozent glücklicher in Ihrem Job sein, sondern auch gesünder und erfolgreicher.

Achtung: Lernen Sie zwischen Persönlichkeit und Phase zu unterscheiden

Wir möchten an dieser Stelle aber einen kleinen Exkurs einfügen, um Missverständnisse zu vermeiden: Entfernen Sie sich nicht sofort von Ihren Kollegen oder auch Freunden, nur, weil diese sich gerade toxisch verhalten. Beinahe jeder Mensch durchläuft schließlich schwierige Phasen und persönliche Krisen im Leben und kann dann auch einmal für einige Tage, Wochen oder sogar Monate in einen toxischen Zustand verfallen. Es wäre dann nicht fair, diesen Menschen abzustempeln und sich von ihm zu entfernen. Auch Sie wünschen sich schließlich ein wenig Toleranz und Verständnis, wenn Sie einmal mitten in der Scheidung stecken, Ihren Job verloren haben oder Ihr pubertierendes Kind in die falschen Kreise abzurutschen droht. Es ist daher wichtig, dass Sie zwischen Menschen, die in einer toxischen Phase stecken, und Menschen mit einer toxischen Persönlichkeit zu unterscheiden lernen. Geben Sie Ihren Kollegen und Vorgesetzten daher immer wieder eine neue Chance, wenn diese einen Schritt auf Sie zugehen. Selbst eine toxische Persönlichkeit kann schließlich reifen und sich zum Positiven verändern. Aber bis dahin gehen Sie eben zum Zwecke des Selbstschutzes ein wenig auf Abstand. Nur wie?

So händeln Sie toxische Kollegen und Vorgesetzte

Tipp 1: Grenzen Sie sich ab

Zuerst einmal sollten Sie sich bewusst machen, dass toxische Menschen Ihnen nichts Böses wollen oder sich bewusst gegen Sie verschworen haben. Sie haben eine Menge persönlicher Probleme, zum Teil bis hin zu psychischen Störungen, und kämpfen im Endeffekt gegen ihre eigenen Dämonen. Sie selbst sind hierbei aber völlig austauschbar, denn diese Projektion lässt sich ebenso gut auf den anderen Kollegen, den Chef oder auch den Lebenspartner übertragen. Dass sich ein Mensch gegenüber Ihnen toxisch verhält, dürfen Sie deshalb niemals persönlich nehmen. Ihr Gegenüber weiß es im Moment einfach nicht besser und kämpft schlussendlich gegen seinen Spiegel an, den Sie imaginär für ihn halten. Na, fühlt sich schon angenehmer an, oder?

Tipp 2: Agieren statt reagieren

Wenn Sie dieses Grundprinzip einmal verstanden haben, befreien Sie sich von dem Zwang, auf die toxischen Verhaltensweisen Ihres Kollegen oder Vorgesetzten reagieren zu müssen. Denken Sie nach, bevor Sie sprechen oder handeln, oder verlassen Sie einfach die Situation. Nur, weil der Kollege heute Morgen Streit mit seiner Frau hatte und seine Wut nun durch Beleidigungen an Ihnen rauslassen und einen Streit provozieren möchte, müssen Sie noch lange nicht darauf eingehen. Erinnern Sie sich: Es sind seine Probleme, nicht Ihre. So treten Sie heraus aus der passiven Rolle, übernehmen wieder die Kontrolle über Ihre Gefühle und Emotionen und können friedlich, gelassen und in völliger Ruhe weiterarbeiten. Om….

Tipp 3: Sich schützen lernen

Wie bereits erwähnt, neigen toxische Menschen aber leider dazu, Grenzen zu überschreiten. Und so kann es sein, dass Ihnen trotz all der guten Vorsätze und der Spiegel-Metapher früher oder später der Kragen platzt. Wenn Sie sich nicht mehr innerlich „abgrenzen können“ (vgl. Tipp 1), müssen Sie daher Ihre Grenzen im Außen ziehen. Ein klares „Nein“ kann hierfür schon ausreichen. Doch wenn nicht, so müssen Sie deutlicher werden. Sagen Sie ruhig aber bestimmt, was Sie nicht in Ordnung finden und weshalb, überzeugen Sie durch Fakten und sachliche Argumente und sagen Sie deutlich, wo Ihre Toleranzgrenze liegt. Wichtig ist, dass Sie verstehen: Es geht nicht darum, Frieden zu stiften oder aus dem toxischen einen besseren Menschen zu machen. Dies wird nicht funktionieren. Ihr Ziel ist es, dass er Ihre persönlichen Grenzen respektiert und einhält, sodass Sie in Zukunft professionell und mit dem notwendigen Abstand neben- oder miteinander arbeiten können. Sollte dies aber alles nichts bringen, suchen Sie sich am besten Hilfe bei Ihrem Vorgesetzten, einem Mediator oder dem Betriebsrat – je nach individueller Situation.

Welche Erfahrungen haben Sie mit toxischen Menschen gemacht? Und welche persönlichen Tipps können Sie unseren Lesern dadurch in den Kommentaren mit auf den Weg geben?


Bildquelle: GaudiLab/Shutterstock