Unbegrenzte Urlaubstage: In diesen Unternehmen ist der Traum Realität

Arbeitnehmer in Deutschland haben durchschnittlich 29 Tage Urlaub pro Jahr. Es gibt allerdings auch einige Unternehmen, die nichts von solchen starren Regeln halten und ihren Mitarbeitern unbegrenzt viele Urlaubstage anbieten. Der Himmel auf Erden oder ein Modell mit versteckten Tücken?


Netflix tut es genauso wie LinkedIn. Auch Best Buy und General Electric sind gute Beispiele dafür. Die Crowdfunding Plattform Kickstarter hat es mal getan, ist aber wieder davon abgekommen. Auch in Deutschland interessieren sich immer mehr Unternehmen – besonders Startups – für das Modell. Die Rede ist vom unbegrenzten Urlaub für Mitarbeiter. Ein Konzept, das im ersten Moment himmlisch erscheint, im nächsten aber auch viele Fragen aufwirft. Was, wenn Mitarbeiter diese Freiheit ausnutzen und ständig blau machen? Leidet das Betriebsklima, wenn manche ständig Urlaub haben, andere hingegen gar nicht. Und: Erlaubt der Arbeitgeber wirklich eine unbegrenzte Anzahl an Urlaubstagen oder ist das eher symbolisch gemeint?

Urlaubsplanung auf Vertrauensbasis

Unbegrenzte Urlaubstage – es klingt fast schon utopisch, auf jeden Fall aber zu schön, um wahr zu sein. Und doch findet man hier in Deutschland immer mehr Unternehmen, die dieses Modell ausprobieren und ihren Mitarbeitern damit extrem viele Freiräume einräumen. Damit das Konzept funktionieren kann und sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer davon profitieren, ist beidseitiges Vertrauen das A und O. Nur wenn sich der Arbeitgeber darauf verlassen kann, dass die Freiheiten nicht ausgenutzt werden und der Arbeitnehmer auch wirklich den Urlaub bekommt, den er benötigt, sind am Ende alle Gewinner.

Work-Life-Balance oder reines Employer Branding?

Immer mehr Unternehmen – egal ob in Deutschland oder anderen Teilen der Welt – erkennen, dass sie begehrten Mitarbeitern Anreize schaffen müssen. Wer nicht will, dass die besten Männer und Frauen zur Konkurrenz gehen, bietet diverse Benefits an – vom überdurchschnittlichen Lohn über Vertrauensarbeitszeit bis hin zur Möglichkeit, im Home Office arbeiten zu können. Auch die Aussicht auf unbegrenzte Urlaubstage gehört zu diesen Maßnahmen, die unter dem Deckmantel Work-Life-Balance verkauft werden, letztlich aber auch eine große Rolle beim Employer Branding – also dem Aufbau einer Arbeitgeber-Marke – spielen.

Fakt ist, dass die Möglichkeit, so viele Urlaubstage wie nötig zu nehmen, durchaus Auswirkungen auf ein ausgeglichenes Privat- und Berufsleben hat. Es muss aber auch immer daran gedacht werden, dass kein Unternehmen ohne Eigennutz handelt und dementsprechend immer auch das eigene (positive) Image im Hinterkopf hat.

Glücklichere Mitarbeiter oder Einladung zum Missbrauch?

Es gibt sowohl Menschen, die dafür sind als auch Menschen, die den unbegrenzten Urlaub eher kritisch betrachten. Während die einen auf eine verbesserte Work-Life-Balance verweisen, sehen andere darin eine offene Einladung zum Missbrauch, die sich nicht zuletzt negativ auf die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter auswirkt. Was von beidem der Realität entspricht, muss letzten Endes immer in der Praxis herausgefunden werden. Viele Unternehmen entscheiden sich darum dafür, den unbegrenzten Urlaub erst einmal limitiert auf ein Jahr zu testen. Andere wählen die Option, das Modell in einer bestimmten Abteilung auszuprobieren. Beide Wege sind denkbar. Wer alle Mitarbeiter gleich behandeln und niemanden bevorzugen oder benachteiligen will, sollte jedoch getreu dem Leitsatz „Alle oder keiner“ handeln.

Wichtig: Nach der Testphase muss unbedingt genau analysiert werden, was die unbegrenzten Urlaubstage bewirkt haben. Hierbei helfen unter anderem die folgenden Fragen: Wie viele Tage hat sich jeder Mitarbeiter im Durchschnitt freigenommen? Ist die Produktivität gestiegen oder zurückgegangen? Auf welche Weise hat sich das Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber gewandelt? Welche Veränderungen gibt es im Hinblick auf die Mitarbeiterzufriedenheit?

In diesen deutschen Unternehmen gibt es unbegrenzt Urlaub

Auch wenn das Konzept der unbegrenzten Urlaubstage in Deutschland noch weitestgehend unbekannt ist, gibt es doch schon eine kleine feine Auswahl an Unternehmen, die es praktizieren. Hierzu gehören beispielsweise:

  • myhotelshop
  • elbdudler
  • eShot
  • Ministry
  • Nerdlichter
  • abusix

Wichtig sind klare Absprachen

Natürlich klingt die Aussicht auf die Urlaubs-Flatrate verlockend und natürlich handelt es sich hierbei um einen Punkt, der deutlich für Arbeitgeber XY spricht. Doch sollten sich Jobsuchende nie blindlings verleiten lassen. Wichtig ist, dass klare Absprachen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer stattfinden. Klären Sie unter anderem:

  • ob die Urlaubstage dennoch mitgezählt werden
  • es irgendwelche Einschränkungen gibt
  • inwieweit Absprachen mit dem Team getroffen werden müssen
  • ob es nicht doch eine „Obergrenze“ gibt
  • was passiert, wenn weniger Urlaubstage als gesetzlich vorgeschrieben genommen werden
  • wie viel Urlaub am Stück möglich ist

Weiterhin sollte es sich stets von selbst erklären, dass Arbeitnehmer trotz der freien Tage immer eine konstante Leistung erbringen und eventuelle Vereinbarungen erfüllen.

Wie denken Sie über das Modell der unbegrenzten Urlaubstage? Zukunftsweisend und innovativ oder doch nur ein schnelllebiger Trend, der bald wieder von der Bildfläche verschwindet? Diskutieren Sie mit.


Bildquelle: Akom Somsamai/Shutterstock

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Jessika Fichtel

Jessika Fichtel

Als studierte Journalistin versteht es Jessika genau, Informationen und Hintergrundwissen auf den Punkt zu präsentieren. Die Erfurterin arbeitet als freiberufliche Online-Redakteurin und hat sich auf die Bereiche Job und Karriere spezialisiert. Ihr Steckenpferd ist das Thema „digitales Arbeiten“, denn damit setzt sich die Freelancerin tagtäglich auseinander.