Unbezahlter Urlaub: Das müssen Sie wissen

Wenn die Urlaubstage nicht ausreichen. Erfahren Sie alles, was Sie zu den Gründen, Regelungen und der rechtlichen Situation bei unbezahltem Urlaub wissen sollten.


Auch wenn es die Möglichkeit gibt, wird unbezahlter Urlaub in Deutschland verhältnismäßig selten in Anspruch genommen. Ein möglicher Grund hierfür, ist das fehlende Wissen auf Seiten der Arbeitgeber. An wen muss ich mich wenden, wenn ich unbezahlten Urlaub nehmen will? Unter welchen Umständen ist dieser überhaupt möglich? Und hat mein Arbeitgeber die Möglichkeit, mir den Wunsch zu verwehren? Wir beantworten Ihnen die wichtigsten Fragen in diesem Beitrag.

Was ist unbezahlter Urlaub?

Beim unbezahlten Urlaub handelt es sich um eine Zeitspanne, in der Sie nicht arbeiten und in der das Arbeitsverhältnis ruht. Das bedeutet, Sie müssen nicht arbeiten, erhalten dafür aber auch kein monatliches Einkommen und keine zusätzlichen Leistungen. Nebenpflichten, die im Arbeitsvertrag geregelt sind, beispielsweise Treuepflicht und Wettbewerbsverbot, bleiben jedoch weiterhin bestehen – schließlich sind Sie nach wie vor im Unternehmen angestellt.

Habe ich ein Recht auf unbezahlten Urlaub?

Generell ist Ihr Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, Ihnen unbezahlten Urlaub zu genehmigen. Sie haben also keinen allgemeingültigen Anspruch darauf. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel. So muss der unbezahlte Urlaub beispielsweise in den folgenden Fällen vom Arbeitgeber genehmigt werden:

  • Wenn nahe Angehörige krank sind und Sie sie kurzfristig pflegen müssen
  • Wenn Sie unverschuldet in eine Zwangslage geraten (beispielsweise bei Überflutung oder Hausbrand)

Da Situationen wie diese stets mit viel Arbeit verbunden sind, ist die Bezeichnung „unbezahlter Urlaub“ eher irreführend. Viele Arbeitgeber sprechen daher eher von einer Freistellung.

Es gibt darüber hinaus Fälle, in denen die Modalitäten von unbezahltem Urlaub sogar im Arbeits- oder Tarifvertrag geregelt sind. Das ist vor allem bei Beamten der Fall. Ein Blick in den entsprechenden Vertrag lohnt sich aber für jeden Arbeitnehmer. Wer weiß, vielleicht haben Sie ja Glück und der Anspruch auf unbezahlten Urlaub ist vertraglich geregelt.

Welche Gründe gibt es noch für unbezahlten Urlaub?

Natürlich muss nicht erst etwas Schlimmes wie eine Krankheit oder ein Brand eintreten, um über unbezahlten Urlaub nachzudenken. Es gibt viele (gute) Gründe, diesen zu beantragen.

Hinweis: Wenn Ihr Arbeitgeber keinen unbezahlten Urlaub gewährt, ist es unter Umständen hilfreich, über Alternativen zu sprechen. Sehr beliebt ist es beispielsweise, voll zu arbeiten und sich über einen bestimmten Zeitraum nur einen Teil des gewohnten Gehalts auszahlen zu lassen. Die Differenz kann dann in der Zeit der Freistellung gezahlt werden. Vor allem beim Sabbatical, aber auch beim Wunsch, zu studieren oder ein Haus zu bauen, ist diese Methode sehr beliebt.

Welche Regelungen gibt es im Hinblick auf Versicherungen?

Im Falle von unbezahltem Urlaub ist Ihr Arbeitgeber einen Monat lang dazu verpflichtet, Sozialversicherungsbeiträge für Sie zu entrichten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Sie sich in der entsprechenden Zeit danach selbst versichern und die Beiträge im vollen Umfang zahlen müssen.

Damit alles seinen geregelten Gang geht, sollten Sie sich im Vorfeld mit Ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen und alles Notwendige regeln. Wer länger als vier Wochen unbezahlten Urlaub nimmt und seine Krankenkasse nicht darüber informiert, riskiert, seinen Versicherungsschutz zu verlieren.

Wichtig: In den ersten vier Wochen, in denen der Arbeitgeber die Leistungen noch übernimmt, dürfen Sie keine Ersatzleistungen wie Elterngeld oder Krankengeld in Anspruch nehmen.

Was gilt es sonst noch zu beachten?

Die Regelung einer unbezahlten Freistellung sollte nie auf die leichte Schulter genommen werden. Setzen Sie sich rechtzeitig mit Ihrem Arbeitgeber zusammen und klären Sie alle wichtigen Punkte. Es sollte stets in Ihrem Interesse sein, die getroffenen Vereinbarungen schriftlich festzuhalten. Wenn Ihr Unternehmen hierfür keine Vordrucke hat, finden Sie im Internet zahlreiche Anregungen und Formulierungshilfen.

Diese Elemente sollten unbedingt in der schriftlichen Vereinbarung enthalten sein:

  • Name und Anschrift von Arbeitnehmer und Unternehmen
  • Zeitraum der Freistellung
  • Begründung für die Freistellung
  • Unterschrift von Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Dank eines solchen Schriftstückes kann Ihr Arbeitgeber später nicht behaupten, er hätte nie sein Einverständnis für den unbezahlten Urlaub gegeben. Sie sind somit auf der sicheren Seite und müssen nichts befürchten.


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