Verdeckter Stellenmarkt: Bewerbungsparadies (fast) ohne Konkurrenz

Verabschieden Sie sich vom öffentlichen Stellenmarkt und bewerben Sie sich auf 66 Prozent aller vakanten Stellen – quasi ohne Konkurrenz. Wie?


Der Bewerbungsprozess kann oftmals sehr frustrierend sein, vor allem dann, wenn Sie noch nie vom verdeckten Stellenmarkt gehört haben. So entdecken Sie in der örtlichen Tageszeitung oder auch im Internet eine Stellenanzeige und sie klingt nach Ihrem absoluten Traumjob. Voller Zuversicht und Motivation stellen Sie Ihre Bewerbungsunterlagen zusammen und senden diese an das entsprechende Unternehmen. Je nach Branche, Unternehmen und Beruf, werden Sie aber nicht der einzige eifrige Bewerber auf die öffentlich ausgeschriebene Stellenanzeige sein. Sie müssen sich mitunter gegen 50, 100 oder sogar 200 andere Kandidaten durchsetzen und damit sinken Ihre Chancen auf den Job trotz überzeugender Qualifikationen und professioneller Bewerbungsunterlagen auf ein Minimum. Doch woran liegt das eigentlich? Ist der deutsche Arbeitsmarkt tatsächlich so überlaufen? Oder gibt es vielleicht etwas, das Sie tun können, um viel einfacher an Ihren Traumjob zu gelangen?

Wie setzt sich der deutsche Stellenmarkt zusammen?

In Deutschland sowie vielen weiteren westlichen Industrienationen gibt es den öffentlichen und den sogenannten verdeckten Stellenmarkt. Sollten Sie sich im ersten Absatz wiedergefunden haben, so waren Sie bisher lediglich auf dem öffentlichen Stellenmarkt aktiv. Das bedeutet, dass Sie sich ausschließlich auf öffentlich ausgeschriebene Stellenangebote, zum Beispiel in der bereits erwähnten Tageszeitung, in Online-Jobbörsen oder auch auf der Firmenhomepage, beworben haben. Rund 95 Prozent aller Jobsuchenden in Deutschland tun Ihnen das gleich. Das Problem allerdings ist: Nur rund 33 Prozent aller vakanten Stellen werden überhaupt auf diesem öffentlichen Stellenmarkt ausgeschrieben. Wir fassen also zusammen:

95 Prozent aller Jobsuchenden bewerben sich auf gerade einmal 33 Prozent aller offenen Stellen.

Das erklärt die hohe Konkurrenz auf diesem öffentlichen Stellenmarkt. Andersherum bedeutet das aber auch, dass gerade einmal fünf Prozent aller Bewerber auf dem verdeckten Stellenmarkt aktiv sind, welcher wiederum 66 Prozent aller vakanten Stellen beinhaltet. Wird es also nicht auch für Sie langsam Zeit, sich von dem öffentlichen auf den verdeckten Stellenmarkt zu begeben?

Was bedeutet „verdeckter Stellenmarkt“?

Der verdeckte Stellenmarkt beherbergt also all jene vakanten Stellen, die niemals öffentlich ausgeschrieben werden, und das sind immerhin ganze 66 Prozent. Dies liegt schlichtweg daran, dass ein Großteil der offenen Stellen in deutschen Unternehmen intern oder unter der Hand vergeben werden. Dazu gehören das berühmte „Vitamin B“, sprich die Stellenvergabe über Kontakte, sowie interne und Initiativbewerbungen. Der Bewerbungsprozess auf dem verdeckten Stellenmarkt läuft dadurch weniger klassisch ab, birgt für Sie aber eine viel höhere Chance auf den Traumjob, allein schon aufgrund der entschärften Konkurrenzsituation. Doch wenn Sie nicht bereits in einem Unternehmen mit internen Stellenausschreibungen angestellt sind oder über die entsprechenden Kontakte verfügen – wie können Sie dann auf diesem verdeckten Stellenmarkt überhaupt aktiv werden?

So finden Sie Ihren Traumjob auf dem verdeckten Stellenmarkt

Schritt 1: Schärfen Sie Ihr individuelles Bewerberprofil
Erst einmal sollten Sie für sich selbst klären, über welche Qualifikationen Sie eigentlich verfügen und was Sie damit erreichen wollen. Tragen Sie hierfür Ihre bereits vorhandenen Qualifikationen und Fähigkeiten im Sinne von Hard- und Soft Skills zusammen und schreiben Sie diese auf der linken Seite einer Liste nieder. Auf der rechten Seite sammeln Sie Ihre Möglichkeiten sowie beruflichen Ziele. Nun sehen Sie auf einen Blick, was Sie bereits können und was Sie erreichen möchten – sowie eventuelle Defizite, die es aufzuholen gilt, zum Beispiel durch Fort- und Weiterbildungen, einen VHS-Kurs oder entsprechende Seminare. Sie wissen nun, wo Sie beruflich überhaupt hin möchten und können sich viel gezielter auf die Suche nach für Sie geeigneten Stellen begeben.

Schritt 2: Veröffentlichen Sie Ihr Bewerberprofil im World Wide Web
Die Digitalisierung verändert den Bewerbungsprozess nachhaltig und auch wenn Sie mit Tastatur, Maus und Co nicht allzu versiert sind, sollten Sie sich für Ihre Stellensuche mit dem World Wide Web vertraut machen. Veröffentlichen Sie als Minimum das erstellte Bewerberprofil mit einem professionellen Bewerbungsfoto in geeigneten sozialen Netzwerken, zum Beispiel XING, LinkedIn oder Facebook. Noch besser ist es, wenn Sie vielleicht einen eigenen Bewerberblog erstellen oder je nach Branche sogar zur Videobewerbung via YouTube greifen. Auch das Anlegen eines Bewerberprofils in Online-Jobbörsen hat bereits des Öfteren zum gewünschten Erfolg geführt. Hauptsache ist, dass Sie bei all Ihren Online-Präsenzen eindeutig als arbeitssuchend erkennbar sind und eventuelle Interessenten Ihre Kontaktdaten direkt zur Hand haben. Je besser Ihr Online-Profil sowie Ihre dargestellten Qualifikationen, umso höher ist natürlich die Chance, dass ein Unternehmen, Personaler oder Headhunter Sie direkt kontaktiert.

Schritt 3: Bestehende Kontakte über Ihre Arbeitssuche informieren
Sie müssen nun aber nicht däumchendrehend warten und auf den glücklichen Zufall hoffen, sondern können sich natürlich auch aktiv auf den verdeckten Stellenmarkt begeben. Hierfür können Sie erst einmal auf Ihre bereits bestehenden beruflichen sowie privaten Kontakte zurückgreifen. Informieren Sie also Ex-Kollegen, Familie, Verwandte und Freunde über Ihre Stellensuche und schildern Sie ihnen in etwa, was Sie sich vorstellen und was Sie zu bieten haben. Bei diesem ersten Schritt zählt vor allem die Masse: Je mehr Leute Sie auf Ihre Arbeitssuche aufmerksam machen, umso größer ist die Chance, dass sich daraus ein erfolgversprechendes Stellenangebot ergibt.

Schritt 4: Gezielt neue Kontakte knüpfen
Noch effizienter ist die aktive Jobsuche auf dem verdeckten Stellenmarkt natürlich, wenn Sie auch neue Kontakte aus Ihrer Zielbranche oder dem Traumunternehmen knüpfen. Helfen Sie dem Zufall also auf die Sprünge und netzwerken Sie sowohl online als auch offline, zum Beispiel auf Messen, Symposien, Kongressen oder öffentlichen Firmenevents. Sollten Sie über das entsprechende Know-how in Ihrem Beruf verfügen, können Sie vielleicht sogar selbst als Redner oder Seminarleiter in den Vordergrund rücken und mit Ihren Qualifikationen glänzen.

Schritt 5: Initiativbewerbung statt passgenauer Unterlagen
Natürlich können Sie Unternehmen, Personaler oder Headhunter auch direkt persönlich beziehungsweise digital ansprechen und ihnen gegebenenfalls eine Initiativbewerbung zukommen lassen. Selbst, wenn derzeit keine zu Ihnen passende Stelle vakant ist, werden Sie so eventuell in naher Zukunft bei der Stellenvergabe berücksichtigt, bevor der Job überhaupt öffentlich ausgeschrieben wird. Sie erhalten durch die Initiativbewerbung also Zugang zum internen Vergabeprozess, manch einmal wurde sogar schon für den Initiativbewerber eine gänzlich neue Stelle kreiert. Einen Versuch ist es daher allemal wert. Gerne dürfen Sie auch ab und an telefonisch oder schriftlich nachhaken, aber bitte nicht übertreiben!

Sie sehen: Auf dem verdeckten Stellenmarkt benötigen Sie vielleicht etwas mehr Kreativität und Geduld, um erste Erfolge zu sehen. Richtig genutzt, stehen Ihre Chancen auf den Traumjob hier aber deutlich besser, Sie sparen sich die Enttäuschung der zahlreichen Absagen und knüpfen zugleich zahlreiche wichtige Kontakte für die Zukunft. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Jobsuche über den verdeckten Stellenmarkt und freuen uns über Ihre Tipps, individuellen Erfahrungen und Anregungen in den Kommentaren.


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