Virtuelle Teams richtig leiten: Wie geht eigentlich digitale Führung?

Die Digitalisierung befindet sich in vollem Gange und stellt auch klassische Führungsstile auf den Kopf. Wie können Sie virtuelle Teams zum Erfolg führen?

Früher war die Arbeit einer Führungskraft scheinbar noch einfacher. Alle Beteiligten saßen gemeinsam am Tisch und konnten Aufgaben, Probleme, Deadlines & Co persönlich besprechen. Die Mitarbeiter waren – wenn überhaupt – nur eine Tür entfernt und konnten dementsprechend jederzeit überprüft werden. Tauchten Probleme auf, suchten diese wiederum das Gespräch mit der Führungskraft und Konflikte konnten prompt gelöst werden. So viel zur Theorie. Zugegeben, in der Praxis war Führung schon immer alles andere als „einfach“. Doch tatsächlich wird die Aufgabe nicht simpler, wenn ein Team plötzlich nur noch virtuell besteht und die einzelnen Mitglieder nicht (immer) persönlich verfügbar sind. Manchmal sind sie sogar durch Länder- und Zeitgrenzen getrennt oder haben sich noch niemals von Angesicht zu Angesicht getroffen.

Definition: Virtuelles Team – Was soll das sein?

Bei einem virtuellen Team handelt es sich prinzipiell um nichts anderes als ein paar Personen, die gemeinsam an einem oder mehreren Projekten arbeiten. Der Unterschied zum klassischen Team besteht allerdings in deren örtlicher Distanz. Viele Unternehmen weisen heutzutage Internationalisierungsbestrebungen auf und besitzen dadurch mehrere Standorte innerhalb eines Landes oder über Ländergrenzen hinweg. Dies kann ein Grund dafür sein, dass auch Teams über solche Distanzen zusammenarbeiten und funktionieren müssen. Doch auch die Digitalisierung spielt hierbei eine eminent wichtige Rolle. Einerseits ermöglicht sie die virtuelle Zusammenarbeit überhaupt erst. Andererseits befeuert sie den Wunsch der Arbeitnehmer nach Arbeitsmodellen wie dem Homeoffice oder der Remote Work. Viele Mitarbeiter möchten also nicht (jeden Tag) im Büro präsent sein müssen. Sie versprechen sich vom virtuellen Team stattdessen eine bessere Work-Life-Balance, eine optimierte Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder mehr persönliche Freiheit. Arbeiten am Strand von Bali? Für digitale Nomaden ist das bereits Normalität. Für Arbeitnehmer könnte es dank virtueller Teams auch bald so weit sein. Aber wie funktioniert das Konzept aus Sicht einer Führungskraft?

Remote Work: Wo Tradition und Modernität aufeinandertreffen

Virtuelle Teams müssen von der Führungsperson differenziert betrachtet werden: Sie bringen auf der einen Seite zahlreiche Neuerungen und Veränderungen mit sich, während die grundlegenden Ziele wie Effizienz, Wachstum oder Wirtschaftlichkeit auf der anderen Seite dieselben bleiben. Es handelt sich demnach um einen Spagat zwischen traditionellen und modernen Werten, welche es als Führungskraft zu vereinen gilt. Die Zusammenarbeit soll trotz der räumlichen Distanz problemlos funktionieren. Sie müssen Konflikte vermeiden, eine klare Kommunikation herstellen und Aufgaben sinnvoll delegieren. Manchmal sind dafür zumindest hin und wieder persönliche Treffen möglich. Doch ein anderes Mal existiert ein Team tatsächlich rein virtuell. Wie also sollten Sie als Führungspersönlichkeit mit der Situation umgehen?

  • Vertrauen als Basis: Wie in einem klassischen Team auch, ist Vertrauen die Basis jeder erfolgreichen Zusammenarbeit. Egal, ob persönlich, mittels Chat, Telefon, Skype & Co: Sie und Ihre Teammitglieder sollten sich bestmöglich kennenlernen und Vertrauen aufbauen. Wenn keine persönlichen Meetings möglich sind, halten Sie diese eben auf digitalem Wege ab. Oder Sie feiern eine virtuelle Weihnachtsfeier und reden auch mal über andere Themen als Kunden und Deadlines. Wie wäre es mit einem lustigen virtuellen Game – einem Rätsel zum Beispiel – bei dem sich die Mitarbeiter gegenseitig kennenlernen? Natürlich sollte es in erster Linie um eine effiziente Zusammenarbeit gehen, doch hin und wieder können solche kreativen Ideen die Arbeitsatmosphäre auflockern und die Teammitglieder näherbringen, was wiederum deren Produktivität erhöht und Fehleranfälligkeit senkt.
  • Kommunikationswege finden: Kommunikation ist bekanntlich das A und O. Nur so können Fehler sowie Konflikte vermieden, Deadlines eingehalten und Projekte erfolgreich umgesetzt werden. Wo keine persönliche Kommunikation möglich ist – zumindest nicht immer – müssen eben Alternativen gefunden werden. Digitale Möglichkeiten gibt es hierfür vom Smartphone über Skype bis hin zu Videokonferenzen zahlreiche. Kompliziert wird es allerdings, wenn die Teammitglieder in unterschiedlichen Zeitzonen tätig sind. Dann empfiehlt sich eine Art Stundenplan, mittels welchem jeder Mitarbeiter sehen kann, wann er wen und wie erreicht.
  • Gemeinsame Ziele: Wie in einem klassischen Team auch, sollen die Mitarbeiter eines virtuellen Teams natürlich an einem Strang ziehen. Wo Menschen sich aber nicht persönlich kennen, fühlen Sie sich ihrem virtuellen Gegenüber auch häufig nicht verpflichtet und schon sind Konflikte durch egoistisches Verhalten wie Trittbrettfahren vorprogrammiert. Es muss also gerade bei virtuellen Teams eine gemeinsame Vision gefunden werden. Ein Ziel, das alle Individuen gleichermaßen verfolgen. Solche Ziele sollten als Kollektiv entwickelt werden, doch Sie als Führungskraft leiten diesen Prozess und sorgen dafür, dass die eingangs definierten Ziele klar kommuniziert und von allen Beteiligten eingehalten werden. Sie sind quasi das Bindeglied – der „Klebstoff“ – welcher das Team zusammenhält.

Welche weiteren Tipps haben Sie für die Leitung virtueller Teams? Und wo liegen Ihrer Erfahrung nach die Risiken? Hinterlassen Sie gerne einen Kommentar zum Thema!


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