Vorbildfunktion: Wieso Führungskräfte immer gute Laune haben sollten

Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion inne und dazu gehört auch, im Unternehmen eine positive Atmosphäre zu verbreiten. Aber wieso?

Zugegeben: Immer gute Laune zu haben, das ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Dennoch verbreiten viele Führungskräfte in deutschen Unternehmen eher Stress und schlechte Laune als eine positive Atmosphäre. Leider kann beim Betriebsklima aber bereits ein fauler Apfel die Stimmung im gesamten Team, in der Abteilung oder sogar im Unternehmen vergiften. Demgegenüber wirkt ein strahlendes Lächeln ansteckend und positive Gefühle wie Gelassenheit, Zuversicht oder Freude können sich ebenso schnell von einem Menschen auf einen anderen übertragen. Schuld daran sind die sogenannten Spiegelneuronen im Gehirn.

Exkurs: Wie wirken die Spiegelneuronen und was ist das eigentlich?

Bei den Spiegelneuronen handelt es sich um spezielle Nervenzellen im menschlichen Gehirn, welche als Grundlage für das Empfinden von Empathie gelten. Dementsprechend zeigen diese Spiegelneuronen dasselbe Aktivitätsmuster beim Beobachten eines Vorgangs wie bei eigener Aktivität. Simpel ausgedrückt bedeutet das: Wenn Sie einen Menschen lächeln sehen, ruft das in Ihnen dieselben positiven Gefühle hervor wie bei einem eigenen Lächeln. Diese Spiegelneuronen veranlassen Menschen also dazu, ihr Gegenüber unbewusst zu imitieren und dessen Gefühlzustand ebenfalls einzunehmen. Die Spiegelneuronen sind auch bei Babys und Kleinkindern für das Lernen durch Imitation zuständig. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Wenn Sie ein Kind anlächeln, lächelt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück. Menschen lernen also durch Imitation und schuld daran sind die Spiegelneuronen. Sie machen Interaktion durch Beobachtung sowie Empathie überhaupt erst möglich. Aber was genau hat das nun mit Führung zu tun?

Viele Führungskräfte vergessen um ihre Vorbildfunktion

Ganz einfach: Als Führungskraft haben Sie eine Vorbildrolle inne. Sie tragen eine hohe Verantwortung, wenn es um das Betriebsklima geht, und können aufgrund der Spiegelneuronen das Arbeitsklima nachhaltig beeinflussen. Bei Ihrer Vorbildfunktion geht es also nicht nur um Leistung, Disziplin oder Höflichkeit, sondern auch Ihre Stimmung wirkt sich auf die Mitarbeiter aus und findet dort – bewusst oder unbewusst – Nachahmer. Sie sollten daher als gutes Beispiel vorangehen und eine positive Atmosphäre in den Arbeitsalltag bringen. Das bedeutet keinesfalls, dass Sie ab sofort den Alleinunterhalter für Ihre Mitarbeiter spielen müssen und es Ihre Aufgabe ist, einen schlecht gelaunten Angestellten aufzuheitern. Dennoch schadet es nicht, sich in regelmäßigen Abständen selbst zu reflektieren, die eigene Stimmung auf den Prüfstand zu stellen und eine positive Grundhaltung einzunehmen.

Üben Sie sich in Selbstreflexion

Von einer positiven Stimmung profitieren Sie nämlich in erster Linie selbst. Sie werden gelassener, können besser mit Stress umgehen und haben mehr Spaß bei der Arbeit. Und all das nur, indem Sie Ihren Gemütszustand mittels Selbstreflexion von negativ nach positiv ändern. Wenn Sie also ab sofort (wieder) zum Vorbild werden und die Arbeitsatmosphäre aufbessern möchten, sollten Sie wie folgt vorgehen:

  • Entwickeln Sie ein Gespür für Ihre aktuelle Laune und lernen Sie, gewisse Auslöser zu identifizieren. Vielleicht sind Sie immer am Montag schlecht gelaunt oder bei einer Geschäftsreise überdurchschnittlich gestresst. Sobald Sie die Auslöser für Ihre schlechte – oder auch gute – Laune kennen, können Sie Ihre Stimmung bewusst beeinflussen, indem Sie diese vermeiden, ignorieren oder gezielt einzusetzen lernen.
  • Machen Sie sich Ihre Vorbildfunktion sowie die Wirkungsweise der Spiegelneuronen bewusst. Allein dieses Bewusstsein wird Sie dazu veranlassen, vorsichtiger mit Ihren Stimmungen umzugehen, um eine schlechte Atmosphäre oder einen Imageschaden zu vermeiden.
  • Werden Sie sich also bewusst, „wer“ Sie sein möchten, sprich welche Art der Führungskraft. Versuchen Sie jeden Tag, so nah wie möglich an dieses Idealbild heranzukommen. Authentizität ist im Berufsleben zwar wichtig, doch als Führungskraft sollten Sie stets mit gutem Beispiel vorangehen. Das bedeutet eben auch, Ihre schlechten Stimmungen bestmöglich zu überspielen, um das Betriebsklima nicht zu gefährden oder Konflikte zu provozieren.

Schlussendlich wird nämlich nur eine positive Führungskraft als Vorbild gesehen, die eine Vertrauensbasis zu den Mitarbeitern kreiert, diese inspiriert und motiviert. Positivität, Leidenschaft für die gemeinsamen Ziele und die feste Überzeugung, diese Ziele erreichen zu können – das sind die Schlüssel zum Erfolg auf allen Unternehmensebenen. Und das waren die Eigenschaften, die beispielsweise Steve Jobs zu einer Führungsperson machten, der die Mitarbeiter gerne folgten.

Oder was denken Sie? Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die Vorbildfunktion einer Führungskraft?


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