Vorsicht: Wenn der Chef Sie auf einen Drink einlädt

In nahezu jedem Unternehmen ist das Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeitern ein anderes. Während es vielerorts von einem starken hierarchischen Gefälle geprägt ist, geht es manchmal recht kollegial – ja fast schon freundschaftlich – zu.


Ein freundlicher und lockerer Austausch zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten, der auf Augenhöhe stattfindet, ist in immer mehr Firmen Normalität. Zuckerbrot statt Peitsche sorgt für ein angenehmes Büroklima, das die Angestellten motiviert und dafür sorgt, dass sie gern zur Arbeit gehen. Doch wie so oft im Leben gibt es auch hier Grenzen. Wie verhält man sich beispielsweise, wenn der Chef plötzlich nicht nur einen lockeren, sondern sogar einen freundschaftlichen Kurs einschlägt und einen zum Feierabendbier einlädt?

Freundschaft zwischen Chef und Angestellten – Kann das funktionieren?

Der Spruch „Wo die Liebe hinfällt.“ kann durchaus auch auf Freundschaften übertragen werden. Wenn wir einen anderen Menschen sympathisch finden und diese Sympathie erwidert wird, freunden wir uns miteinander an. Eine Freundschaft kann grundsätzlich zwischen jedem entstehen – auch zwischen Chef und Angestellten. Die entscheidende Frage ist also nicht „Ist das möglich?“, sondern vielmehr: „Kann das funktionieren?“

Kurz und knapp: Freundschaftliche Beziehungen zwischen Chef und Angestellten bringen eine Menge Konfliktpotential mit sich und sollten daher stets mit Vorsicht genossen werden. Zu den Problemen, die hierdurch ausgelöst werden, gehören beispielsweise die folgenden Aspekte:

  • Trotz Freundschaft besteht weiterhin ein hierarchisches Gefälle (das Verhältnis auf Augenhöhe existiert nur bis zu einem gewissen Punkt)
  • Die Bevorzugung einer einzelnen Person durch den Chef verschlechtert das Betriebsklima merklich
  • Trotz Freundschaft entscheidet Ihr Chef weiterhin über Ihre berufliche Laufbahn
  • Ihr Chef gerät schnell unter Verdacht, Sie aus emotionalen/subjektiven Gründen zu bevorzugen und nicht, weil Sie gute Leistungen erbringen
  • Ihr Chef gerät in eine unangenehme Situation, wenn er Sie abmahnen oder sogar entlassen muss

Lese-Empfehlung: Was tun, wenn Ihnen Ihr Chef eine Freundschaftsanfrage bei Facebook schickt, die Sie nicht unbedingt annehmen wollen? Die Antwort auf die Frage finden Sie in diesem Beitrag auf unserem Blog.

Eine Einladung zum Feierabendbier – Wie verhalte ich mich richtig?

Vorgesetzte, die ihre Angestellten besser kennenlernen und ein vertrauliches Verhältnis aufbauen wollen, stellen häufig schnell fest, dass das Büro hierfür nicht der beste Ort ist. In einer lockeren und neutralen Umgebung – beispielsweise in einer Bar – kann man die Arbeit buchstäblich hinter sich lassen und sich auf ganz andere Weise austauschen. Die Einladung zum Feierabendbier ist daher eine beliebte Methode bei Chefs, die ein freundschaftliches Verhältnis zu den Kollegen aufbauen wollen. Wer die Einladung zum Drink vom Chef annimmt, begibt sich (oftmals unbemerkt) auf ziemlich dünnes und überaus rutschiges Eis.

Problem #1: Das Überschreiten privater Grenzen

Viele Arbeitnehmer legen großen Wert darauf, dass Berufliches und Privates klar voneinander getrennt werden. Wer sich mit dem Chef (und vielleicht auch ein paar Kollegen) auf ein Feierabendbier verabredet, überschreitet eine gewisse Grenze und lässt zu, dass berufliche Faktoren in das Privatleben „eindringen“. Nicht jeder kann souverän mit dieser Situation umgehen.

Wichtig: Überlegen Sie sich vorher ganz genau, wie viel Privates Sie während eines solchen Treffens preisgeben. Wer frei von der Leber weg plaudert und tiefe Einblicke ins Privatleben gewährt, riskiert schnell unangenehme Situationen. Das gilt sowohl für den Chef als auch für Sie als Angestellten.

Problem #2: Die richtigen Smalltalk-Themen

Also doch besser schweigend den Drink genießen und dann die Flucht ergreifen? Auf gar keinen Fall. Wer die Einladung vom Chef annimmt, sollte dessen Bemühungen wertschätzen. Es ist durchaus möglich, lockere Gespräche abseits des Beruflichen zu führen, die dennoch auch die Privatsphäre aller Anwesenden respektiert. Geeignete Smalltalk-Themen für einen Plausch zwischen Chef und Angestellten sind beispielsweise:

  • Wetter
  • Sport
  • Hobbys
  • Urlaubspläne (bis zu einem gewissen Punkt)

Info: Absolute No-Gos sind Politik, Sexualität, Religion und gesundheitliche Probleme.

Problem #3: Die Gefahr, zu schleimen

Die Einladung auf einen Drink ist ein eindeutiges Signal, dass Ihnen zeigt, dass Ihr Chef Interesse an Ihrer Person hat. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie die Situation ausnutzen sollten, um nach allen Regeln der Kunst zu schleimen und somit in der Gunst des Vorgesetzten zu steigen. Das bedeutet auch, dass Sie niemals über andere Kollegen herziehen und sich selbst glorifizieren sollten.

Wie lehne ich eine Einladung vom Chef höflich ab?

Die Vorstellung von einem Feierabendbier mit dem Chef löst in Ihnen absolut keine guten Gefühle aus? Dann sollten Sie sie lieber höflich und respektvoll absagen. Das gelingt am besten, indem Sie auf die klaren Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verweisen. Auf Ergänzungen wie „Es liegt nicht an Ihnen.“ oder „Bitte nehmen Sie mir das nicht übel, das soll nicht heißen, das…“ sollten Sie unbedingt verzichten. Diese sorgen meist nur dafür, dass die Situation für einen von beiden oder beide unangenehm wird.


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