Vorstellungsgespräch: Was können Sie aus der Körpersprache des Bewerbers lesen?

Seine Körpersprache verrät manchmal mehr über einen Bewerber als dessen Worte. Worauf also sollten Sie im Vorstellungsgespräch achten, um ihn richtig zu „lesen“?

Ein Großteil der menschlichen Kommunikation findet nonverbal statt – durch Körpersprache, Mimik, Gestik, den Tonfall & Co. Jeder Mensch kommuniziert also bewusst oder unbewusst auch auf zweiter Ebene neben dem Gesagten. Für Recruiter ist das von besonderem Interesse, denn gerade der unbewusste Part der Körpersprache kann eine Menge über den Bewerber preisgeben. So lassen sich mit einem geschulten Blick zum Beispiel Lügen, Nervosität oder Authentizität erkennen.

Was hat Körpersprache mit dem Bauchgefühl zu tun?

Viele Personaler verlassen sich beim Lesen der Körpersprache auf ihre Erfahrung. Tatsächlich gibt es Menschen, die ein feines Gespür für die nonverbale Kommunikation haben. Sie nehmen selbst kleinste Regungen der Mimik oder Gestik war, minimale Veränderungen in der Haltung des Bewerbers oder ein kurzes Zittern in der Stimme – und schon können sie das Zeichen richtig deuten. Meistens handelt es sich dabei aber nicht um eine bewusste Deutung, sondern ein dumpfes Bauchgefühl à la „Irgendetwas lässt mich bei dem Bewerber zweifeln, ob er ehrlich war“. Das liegt daran, dass das Gehirn die Körpersprache des Gegenübers in der Regel unterbewusst wahrnimmt und verarbeitet. Es setzt diese mit bisherigen Erfahrungen in Verbindung und schlägt Alarm bei Unstimmigkeiten zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation. Auf das Bauchgefühl zu hören, ist für Recruiter also nicht immer die schlechteste Devise. Allerdings wäre es noch besser, dieses deuten zu lernen und sich die Gründe für das ungute Gefühl bewusst zu machen. Lernen Sie also, Körpersprache nicht mehr nur unbewusst, sondern auch bewusst zu deuten und dadurch in Bewerberauswahlprozessen zukünftig bessere Entscheidungen zu treffen.

Der erste Eindruck ist bleibend – aber trügerisch

Die Entscheidung für oder gegen einen Bewerber findet häufig bereits in den ersten Sekunden des Zusammentreffens statt. Die Bewerbungsunterlagen waren vielleicht vielversprechend, doch plötzlich steht eine schüchterne Person mit hängenden Schultern vor Ihnen, welche den Augenkontakt meidet und kaum ein Lächeln über die Lippen bringt. Schnell wird sich bei Ihnen Enttäuschung breit machen und die Überzeugung, dass dieser Kandidat nicht die richtige Wahl wäre. Der erste Eindruck ist wichtig, keine Frage. Doch geben Sie den Bewerbern erst einmal die ehrliche Chance, Sie im eigentlichen Gespräch noch vom Gegenteil zu überzeugen. Denn worauf Sie stattdessen achten sollten, ist die Authentizität eines Bewerbers. Vielleicht steht ja einfach ein schüchternes Genie vor Ihnen. Falsch wäre es dann, den scheinbar selbstbewussten Narzissten mit strahlendem Lächeln vorzuziehen, nur, weil dieser im Selbstmarketing besser ist – Ihnen im Vorstellungsgespräch aber das Blaue vom Himmel erzählt, sodass Sie mit Ihrer Entscheidung schlussendlich nicht glücklich wären. Wie also können Sie nonverbale Kommunikation wie Körpersprache, Mimik und Gestik „richtig“ deuten?

Guide für Recruiter: Das Einmaleins der Körpersprache in Bewerbungsgesprächen

Es gibt natürlich eindeutige Signale, die wohl jeder Mensch lesen und deuten kann: Tränen, ein Wutausbruch oder ein herzhaftes Lachen zum Beispiel. Doch viele Aspekte der Körpersprache drücken sich viel subtiler aus. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Verschränkt der Bewerber die Arme vor sich und baut damit unwillkürlich eine Barriere auf oder nimmt er eine offene und lockere Haltung ein? Je verschlossener ein Gesprächspartner wirkt, umso eher hat er etwas zu verbergen und Sie sollten Vorsicht walten lassen.
  • Fasst sich der Kandidat ins Gesicht? Dies kann– muss aber nicht – ein Zeichen für eine Lüge sein und ist daher vor allem bei kritischen Fragen interessant.
  • Sieht Ihnen Ihr Gegenüber in die Augen? Hält es Ihrem Blick stand? Wer häufig nach unten oder wegsieht, ist entweder schüchtern oder unehrlich.
  • Wer sich Fusseln von der Kleidung entfernt oder am Hals kratzt, ist sichtlich nervös. Das kann natürlich an der Gesamtsituation liegen. Wer ist im Vorstellungsgespräch nicht aufgeregt?! Dennoch können auch solche Gesten ein Zeichen für eine Lüge darstellen.
  • Wer die Hände mit beiden Ellenbogen nach außen gerichtet hinter den Kopf legt, fühlt sich Ihnen überlegen. Es handelt sich also um eine Machtgeste, die von Arroganz oder Narzissmus zeugt.

Schlussendlich müssen einfach die Körpersprache und die Worte eines Menschen zusammenpassen. Je ungleicher die verbale und die nonverbale Kommunikation ist, umso irritierender wirkt das in der Regel auf Sie – was bewusst oder unbewusst ein schlechtes Bauchgefühl bezüglich des Bewerbers in Ihnen weckt.

Welche weiteren Gesten und Haltungen kennen Sie, welche einem Recruiter in Vorstellungsgesprächen als Alarmsignal dienen sollten? Vielen Dank für Ihren Kommentar!


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