Warum Rechtfertigungen Ihre Karriere gefährden (und wie Sie stattdessen richtig reagieren)

Jeder von uns tut es hin und wieder – und nervt damit Vorgesetzte und Kollegen. Rechtfertigungen sind nicht nur kontraproduktiv, sondern auch unprofessionell.

Ob im Job oder im Privatleben – Rechtfertigungen begegnen und ständig und so erweckt fast schon den Anschein, dass sie zum guten Ton gehören. Tatsächlich ist es jedoch alles andere als förderlich, sich für Fehler, Entscheidungen und Sichtweisen zu rechtfertigen. Warum dieses Verhalten Ihrer Karriere schaden kann und wie Sie stattdessen reagieren sollten – das verrät Ihnen dieser Beitrag.

Warum rechtfertigen wir uns?

Rechtfertigungen sind in aller Regel der Versuch, sich „aus der Affäre zu ziehen“. Anstatt für einen Fehler gerade zu stehen, beginnen wir damit, unser Handeln zu rechtfertigen – und damit auch die Schuld von uns zu weisen. Entscheidungen werden mit teils haarsträubenden Argumenten begründet und kaum eine Ausrede ist zu weit hergeholt.

Wer sich permanent für seine Taten rechtfertigt, drückt dadurch ein geringes Selbstwertgefühl aus und demonstriert, dass er nur bedingt oder gar nicht kritikfähig ist. Anstatt sich einen Fehler einzugestehen, wird die Schuld zurückgewiesen und im schlimmsten Fall sogar anderen in die Schuhe geschoben. Nicht zuletzt kommen Rechtfertigungen immer dann zum Tragen, wenn wir einen Sachverhalt nicht mithilfe von klaren Fakten erklären können.

Rechtfertigungen erwecken einen unprofessionellen Eindruck

An dieser Stelle wird deutlich: Wer sich rechtfertigt, beweist nicht gerade Rückgrat und gerät schnell unter Verdacht, etwas zu verbergen. In der Tat sind Rechtfertigungen in den Augen vieler nichts anderes als faule Ausreden – und darum hochgradig unprofessionell.

Wie negativ das Licht ist, das Rechtfertigungen auf Sie werfen können, finden Sie am schnellsten heraus, indem Sie einmal genau auf das Verhalten Ihrer Kollegen achten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Chef auf ein Fehlverhalten hinweist und der Mitarbeiter versucht, es zu begründen, indem er sich rechtfertigt. Würden Sie ein solches Verhalten als professionell und angebracht bewerten? Wohl eher nicht.

4 Situationen, in denen Rechtfertigungen (definitiv) nicht angebracht sind

  • Fehler: Auch wenn jeder weiß, dass kein Mensch perfekt ist, sind Fehler nach wie vor der häufigste Ausgangspunkt für Rechtfertigungen. Egal ob kleiner Schnitzer oder schwerwiegender Fauxpas – niemand gibt gern offen zu, etwas falsch gemacht zu haben.
  • Entscheidungen: Je verantwortungsvoller und höher Ihre Postion innerhalb des Unternehmens ist, desto häufiger werden Sie (teils folgenschwere) Entscheidungen treffen müssen. Auch in dieser Situation sind Rechtfertigungen fehl am Platze – denn sie sorgen dafür, dass Ihr Handeln abgeschwächt und in Frage gestellt wird.
  • Diskussionen: Wenn zwei (oder mehr) Menschen unterschiedlicher Meinung sind, kann es mitunter ziemlich heiß hergehen. Auch in dieser Situation sind Rechtfertigungen alles andere als zielführend – immerhin umfassen sie in den seltensten Fällen greifbare Fakten oder andere Informationen, die Ihre Position untermauern.
  • Gespräch mit dem Chef: Wenn der Vorgesetzte in sein Büro bittet, ist das für viele Arbeitnehmer ein sicheres Anzeichen für Ärger. Eine beliebte Reaktion auf die Einladung zum Gespräch: Sofort in Angriffsstellung verfallen und sich eine Reihe von Rechtfertigungen zurechtzulegen, die ein eventuelles Fehlverhalten erklären können.

4 Alternativen zur klassischen Rechtfertigung

Fassen wir noch einmal zusammen: Rechtfertigungen wirken unprofessionell und erwecken bei Ihrem Gegenüber schnell den Eindruck verzweifelter Ausreden. Oder mit anderen Worten: Sie haben durchaus das Zeug dazu, Ihre Karriere zu gefährden.

Damit das nicht passiert, wollen wir Ihnen an dieser Stelle vier gute Alternativen zur klassischen Rechtfertigung vorstellen.

  • Erklären: In den Köpfen vieler sind rechtfertigen und erklären das gleiche. Falsch! Denn während das eine (nämlich die Rechtfertigung) meist nur auf Ausreden und halbwahren Tatsachen basiert, zieht das andere (die Erklärung) Fakten zur Rate und beruht auf Ehrlichkeit. Indem Sie Ihr Handeln erklären, machen Sie vielleicht keinen Fehler oder eine falsche Entscheidung wett – aber sie sorgen immerhin dafür, dass andere Ihr Tun besser nachvollziehen können.
  • Entschuldigen: Zugegeben, sich für einen Fehler zu entschuldigen ist alles andere als einfach – und trotzdem die wohl effektivste Art, um Rechtfertigungen aus dem Weg zu gehen. Wichtig ist hierbei, dass Sie sich eines Fehlers bewusst sind und einsehen, im Unrecht zu sein.
  • Zuhören: Ehe Sie Ihrem Gesprächspartner mit einem „Ja, aber…“ ins Wort fallen und damit höchstwahrscheinlich beginnen, sich zu rechtfertigen, sollten Sie ihn immer ausreden lassen. Oder anders formuliert: Lernen Sie, richtig zuzuhören.
  • Kritik annehmen und umsetzen: Eng mit dem Zuhören verbunden ist der Rat, kritikfähig zu sein. Sehen Sie dieses Verhalten als Chance, sich weiterzuentwickeln und den gleichen Fehler nicht ein zweites Mal zu begehen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Kritik, die Sie erreicht, nicht konstruktiv ist, können Sie Ihren Gesprächspartner ruhig darauf hinweisen.

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