Warum Sie Privat- und Berufsleben unbedingt trennen sollten

Gerade in Unternehmen mit flachen Hierarchien verschwimmen schnell die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben. Doch wenn die Kollegen zu besten Freunden werden, birgt das auch Risiken.


Es klingt verlockend: Mit Ihrem Vorgesetzten sind Sie per Du, Ihr bester Freund sitzt am Schreibtisch neben Ihnen und nach der Arbeit geht die ganze Abteilung gemeinsam noch ein Feierabendbier trinken. Bei Arbeitszeiten von 40, 50 oder 60 Stunden pro Woche ist es natürlich unerlässlich, dass Sie in einem angenehmen Betriebsklima arbeiten und sich gut mit Ihren Kolleginnen und Kollegen verstehen. Dennoch sollten Sie klare Grenzen ziehen und Ihr Privatleben von Ihrem Job trennen. Es gilt das richtige Maß zwischen einem freundschaftlichen Miteinander bei der Arbeit und einer professionellen Distanz zu finden. Doch wieso eigentlich?

Professionalität versus Freundschaft – Vereinbarkeit unmöglich?

Diese Waagschale aus Professionalität auf der einen sowie Freundschaft auf der anderen Seite bereitet vielen Menschen Probleme. Das Resultat des gescheiterten Versuchs, diese beiden Komponenten miteinander zu vereinen, sieht dann in der Regel wie folgt aus:

1. Entweder Sie entscheiden sich für einen völlig distanzierten, beinahe schon gefühlskalten Umgang mit Ihrem beruflichen Umfeld. Sie konzentrieren sich ausschließlich auf Ihre Arbeit, kapseln sich nach Feierabend ab und nehmen – wenn überhaupt – nur widerwillig an der Weihnachtsfeier teil. Das Ergebnis liegt auf der Hand: Mit Ihrer Beliebtheit unter den Kollegen hält es sich in Grenzen. Je nach Unternehmen steht einer Beförderung dadurch aber nichts im Weg. Gerade in der traditionellen Industrie mit strenger Hierarchie entscheidet nämlich Ihre Leistung und nicht Ihre Beliebtheit über Ihren Aufstieg auf der Karriereleiter. Distanz sowie Gefühlskälte werden dabei zum Teil sogar als Stärke verbucht. Auf lange Sicht ist das aber eine katastrophale Beförderungsstrategie, da sie ein gefühlskaltes Betriebsklima mit starker Mitarbeiterfluktuation sowie hohem Krankenstand nach sich zieht.

2. Oder aber Sie gehen mit Ihren Kolleginnen und Kollegen enge Freundschaften ein, erzählen ihnen beim morgendlichen Kaffee erst einmal von dem Streit mit Ihrer Ehefrau oder dem feuchtfröhlichen Abend mit Ihren besten Freundinnen. Während der Arbeit werden lustige E-Mails verschickt, die Frauen kichern fröhlich vor sich hin und die Männer verabreden sich am Abend noch zum Basketballspielen. Es liegt allerdings auf der Hand, dass dann hier und dort einmal die Arbeit auf der Strecke bleibt. Ihr Fokus verlagert sich, die Effizienz sinkt und damit auch Ihre Chance auf eine steile Karriere.

Tatsächlich sind Freundschaft und Professionalität nur sehr schwer unter einen Hut zu bringen. Besonders schwierig gestaltet sich dies in der Regel bei Unternehmen, Agenturen oder jungen Startups mit flachen Hierarchien. Dort, wo sogar CEO und Praktikant per Du sind, birgt die Freundschaft am Arbeitsplatz noch weitere Risiken.

Flache Hierarchien: Fluch und Segen zugleich

In ihren Stellenausschreibungen werben Unternehmen häufig mit flachen Hierarchien. Auf den ersten Blick erscheint das auch tatsächlich als attraktives Alleinstellungsmerkmal im Employer Branding. Wer geht nicht gerne zur Arbeit und fühlt sich dabei wie beim Sonntagsausflug mit den engsten Freundinnen und Freunden? Das Problem ist, dass sich natürlich dennoch die Arbeit auf dem Schreibtisch anhäuft. Gerade in noch jungen Unternehmen und Startups herrscht meist eine durchweg positive und motivierte Stimmung, jeder Mitarbeiter identifiziert sich hundertprozentig mit den gemeinsam gesteckten Zielen und Überstunden nehmen Sie aufgrund der angenehmen Arbeitsatmosphäre gerne in Kauf. Für diese harte Arbeit haben Sie sich dann natürlich auch ein leckeres Mittagessen unter Kollegen oder den Wanderausflug am Wochenende redlich verdient. Doch sehen Sie die Kehrseite dieser Medaille? Wo bleibt hierbei das Privatleben? Egal, wie gut Sie sich mit Ihren Kolleginnen und Kollegen verstehen, das Hauptthema Nummer eins wird immer die Arbeit sein. Es fehlt Ihnen also an einem Ausgleich, Ihre Work-Life-Balance leidet dadurch und langfristig auch Ihre Gesundheit. Arbeit bleibt eben schlussendlich immer noch Arbeit und ohne ausreichende Entspannungsphasen steuern Sie geradewegs auf ein Burnout zu. Nicht nur Ihre Arbeitsleistung sowie Ihre Gesundheit können aber darunter leiden, wenn sich Ihr gesamtes soziales Umfeld nur noch im Beruf abspielt. Für eine funktionierende Partnerschaft oder sogar Kinder brauchen Sie nämlich nicht nur ausreichend Zeit, sondern natürlich auch einen „freien Kopf“. Demnach müssen nach Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub auch einmal andere Themen als die Arbeit auf der Agenda stehen.

Besondere Vorsicht bei Freundschaften auf unterschiedlichen Hierarchieebenen

So weit so gut: Mit ein wenig Vorsicht und Spürsinn für das richtige Maß sind die bisherigen Argumente schnell aus dem Weg geräumt. Natürlich sorgen Freundschaften für ein angenehmeres Betriebsklima. Und da Lachen bekanntlich gesund ist, werden Sie nicht nur glücklicher, sondern auf Dauer auch psychisch und physisch gesünder. Wir sagen deshalb „Ja“ zur Freundschaft am Arbeitsplatz, aber bitte mit Vorsicht! Diese ist ganz besonders dann angebracht, wenn es sich um eine Freundschaft zwischen verschiedenen Hierarchieebenen handelt. So steht bei Ihrer nächsten Beförderung nämlich schnell die Frage im Raum, ob Sie aufgrund Ihrer Freundschaft eventuell bevorzugt wurden. Zudem sollten Sie niemals Kolleginnen oder Kollegen aus Ihrem beruflichen Freundeskreis ausschließen. Das widerspricht nämlich nicht nur dem eigentlichen Teamgedanken, es kann sogar schnell im Mobbing enden. Bei Freundschaften am Arbeitsplatz ist daher eine hohe Sensibilität angebracht und verlieren Sie bitte Ihr Privatleben nicht aus den Augen. Denn wie immer im Leben gilt schlussendlich: Die richtige Mischung macht‘s!


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