Warum Silo-Denken schädlich fürs Betriebsklima ist

Silo-Denken ist der natürliche Feind der produktiven Zusammenarbeit. Dennoch ist es in vielen Unternehmen weit verbreitet. Definition, Gründe, Auswirkungen und Lösungsansätze finden Sie hier.

Die Gliederung eines komplexen Unternehmens in verschiedene Abteilungen ist durchaus sinnvoll. Auf diese Weise kann sich jeder Angestellte auf das konzentrieren, was er am besten kann und muss sich nicht ständig in völlig neue beziehungsweise fremde Bereiche einarbeiten. Doch genau diese Starre kann auch schnell zum Problem werden – denn sie fördert das sogenannte Silo-Denken. Jeder Mitarbeiter – vom Abteilungsleiter bis zum Praktikanten – denkt und handelt nur innerhalb seines Bereiches – und vergisst dabei, regelmäßig einen Blick nach links und rechts zu werfen.

Was Silos mit Unternehmensstruktur zu tun haben

Silos sind riesige Speicher, in denen unterschiedliche Güter, beispielsweise Getreide, Kies, Zement oder Futtermittel, gelagert werden. Sie werden in der Regel im Verbund errichtet und bilden eine optische sowie funktionale Einheit. Dennoch ist jedes Silo auch von den anderen isoliert und kann als in sich geschlossenes Element betrachtet werden.

Diese Eigenschaften von Silos können problemlos metaphorisch auf die Struktur vieler Unternehmen übertragen werden. Auch hier hat man es (rein äußerlich) mit einer Einheit zu tun. Schaut man jedoch genauer hin, entpuppen sich die jeweiligen Abteilungen als teilweise stark voneinander isolierte Elemente, die an die einzelnen Silos erinnern. Gewisse Parallelen sind also nicht von der Hand zu weisen.

Definition: Was ist Silo-Denken?

Silo-Denken wird häufig auch als extrem starkes Abteilungsdenken bezeichnet. Anstatt sich untereinander gut zu vernetzen und als großes Ganzes zu funktionieren, kocht jede Abteilung lieber ihr eigenes Süppchen und vergisst dabei, dass eine reibungslose Zusammenarbeit essentiell für den Unternehmenserfolg ist.

Genau hierin liegt das große Problem vom Silo-Denken: Es hemmt die verschiedensten Prozesse, verkompliziert die Kommunikation zwischen den Abteilungen und sorgt dafür, dass jeder in eine andere Richtung denkt und arbeitet. Oftmals geht das Silo-Denken sogar so weit, dass die unterschiedlichen Abteilungen völlig verschiedene Unternehmensziele verfolgen.

Kurzum: Silo-Denken ist der natürliche Feind von Produktivität und effektiver Zusammenarbeit. Trotzdem kommt es in nahezu jedem größeren Betrieb vor.

Je größer das Unternehmen, desto größer Gefahr des Silo-Denkens

Vor allem mittelständische und große Unternehmen neigen zum Silo-Denken, da es hier nicht nur zahlreiche Abteilungen gibt, sondern auch viele Mitarbeiter, die das hindernde Denken fördern.

Während in kleinen Unternehmen eine „Abteilung“ häufig nur aus einer einzelnen Person besteht, sind es in größeren meistens Gruppen aus mehreren Kollegen. Was allgemein gern unter dem Begriff Teamwork verkauft wird, kann schnell in Silo-Denken umschwenken.

Die einzelnen Mitarbeiter fühlen sich nur in ihrer Abteilung wirklich wohl und wollen mit den anderen nichts zu tun haben. Konkurrenzdenken, Cliquenbildung und „Futterneid“ spielen hierbei zentrale Rollen. Die soziale Isolierung der einzelnen Teams führt letztlich zum Abteilungsdenken und kann schlimmstenfalls den Erfolg des Unternehmens gefährden.

Die Gründe für Silo-Denken

Die Ursachen für Silo-Denken einzig bei den Mitarbeitern zu suchen, wäre allerdings viel zu einfach. Es gibt verschiedene Faktoren, die die starke Abgrenzung der einzelnen Abteilungen begünstigen und als Gründe für das Silo-Denken genannt werden können:

  • Abteilungsziele stimmen nicht mit den Unternehmenszielen überein
  • Angst vor einer unfairen Verteilung von Budgets und Ressourcen
  • extrem starke Spezialisierung der einzelnen Abteilungen
  • mangelhafte Kommunikation
  • mangelndes Bewusstsein auf der Führungsebene

Der Einfluss von Silo-Denken auf das Betriebsklima

Dass Silo-Denken den Unternehmenserfolg beeinträchtigen kann, ist die eine Sache. Eine Auswirkung, die Sie als Mitarbeiter jedoch sehr viel eher zu spüren bekommen, ist die massive Verschlechterung des Betriebsklimas.

Die Gründe hierfür wurden weiter oben im Text bereits angesprochen und sollen an dieser Stelle noch einmal zusammengefasst werden:

  • soziale Isolation der einzelnen Teams
  • starkes Konkurrenzdenken
  • Neid
  • unterschiedliche Ziele
  • mangelhafte (oder fehlende) Kommunikation

Wie kann man Silo-Denken bekämpfen?

Um Silo-Denken in Unternehmen zu minimieren, muss zunächst einmal das Bewusstsein für die Problematik geschärft werden – und zwar auf allen Ebenen. Noch immer ist vielen der Begriff und das Phänomen dahinter unbekannt. Wer sich allerdings etwas näher mit dem Abteilungsdenken befasst, stellt häufig fest, dass er selbst davon betroffen ist.

Im nächsten Schritt gilt es, die teil sehr starren Strukturen und Grenzen innerhalb des Unternehmens aufzubrechen. Hierfür bieten sich verschiedene Herangehensweisen an, beispielsweise:

Das grundlegende Ziel sollte es stets sein, mehr Verbindungen zwischen den einzelnen Abteilungen herzustellen und die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern zu fördern. Gleichzeitig ist es die Aufgabe der Führungsebene, Anlässe für Neid und Konkurrenzdenken abzubauen und die unterschiedlichen Abteilungsziele an das übergeordnete Unternehmensziel anzupassen.


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