Wer von der „New Work“ profitiert – und wer nicht

„New Work“ heißt der aktuelle Megatrend auf dem Arbeitsmarkt. Die Frage ist nur: Wer wird von der neuen Arbeitswelt profitieren und wer nicht?

Die „New Work“ ist aktuell in aller Munde. Die Digitalisierung hat die Arbeitswelt – die „Old Work“ – gehörig auf den Kopf gestellt. Mittlerweile ist diese zumindest in der Theorie in zahlreichen Branchen orts- sowie zeitunabhängig möglich. Diese neue Flexibilität der Arbeitsgestaltung bedarf neuer Strukturen in Unternehmen sowie innovativer Führungskonzepte. In Deutschland stehen zahlreiche Arbeitgeber der „New Work“ deshalb noch skeptisch gegenüber. Sie vermuten sich in der Verliererrolle und haben Schwierigkeiten damit, ihren Mitarbeitern das notwendige Vertrauen für eine flexiblere Arbeitsgestaltung entgegenzubringen. Aber sind die Arbeitgeber wirklich die „Verlierer“ der New Work? Und wer ist dann der Gewinner? Sehen wir einmal genauer hin…

„New Work“ – Was bedeutet das eigentlich?

Als New Work werden die aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt bezeichnet, welche vor allem durch die Digitalisierung vonstattengehen. Doch auch der demografische Wandel, der daraus resultierende Fachkräftemangel sowie der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung der Generation Y tragen hierzu einen großen Anteil bei. Genau genommen bedeutet New Work also, dass schon jetzt sowie in naher Zukunft auf dem Arbeitsmarkt kaum noch etwas sein wird wie zuvor. Die Entwicklungen sind vielfältig:

  • Arbeit wird flexibler sowie zeit- und ortsunabhängig.
  • Unbefristete Arbeitsverträge weichen befristeten Arbeitsverhältnissen sowie einem umfassenden „Freelancertum“.
  • Im Zuge des Fachkräftemangels gewinnt das Employer Branding an Bedeutung für die Mitarbeitergewinnung und -bindung.
  • Die Arbeitnehmer genießen eine stärkere Position und gewinnen an Selbstbewusstsein.
  • Sie stellen hohe Ansprüche bezüglich der Work-Life-Balance sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie an ihren Arbeitgeber.
  • Im Gegenzug bringen sie für eine sinnhafte und als fair empfundene Tätigkeit eine große Einsatzbereitschaft für ihren Arbeitgeber auf.

Diese sind nur einige gravierende der zahlreichen Veränderungen, welche aufgrund der New Work aktuell auf dem Arbeitsmarkt stattfinden. Was sicher scheint ist, dass die New Work unaufhaltbar ist und die Old Work ausgedient hat. Unsicherheit herrscht hingegen bei der Frage, wer die Gewinner und Verlierer der New Work sein werden?!

Vor allem Frauen profitieren von der „neuen Arbeit“

Flexiblere Arbeitszeiten, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie mehr Selbstbestimmung im Arbeitsalltag – das klingt nach einem großen Plus für die Arbeitnehmer. Tatsächlich ziehen diese vor allem Vorteile aus der New Work und allen voran die Frauen. Denn diese sahen sich bislang im Nachteil, wenn sie statt einem Entweder-oder eine Karriere und eine Familie wollten. Die Geburt des ersten Kindes bedeutete nicht selten einen Karrierebruch und der Wechsel in ein Teilzeitarbeitsmodell war das Aus für jeden weiteren hierarchischen Aufstieg. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war ein Spagat, den nur wenige Frauen stemmen konnten, und wenn, dann auf Kosten ihres Glückes und ihrer Gesundheit. Durch die neue Flexibilität der New Work können Frauen Kinder und Karriere nun viel besser vereinen. Sie können im Homeoffice arbeiten, während das Kind schläft, oder Part eines Remote Teams sein, obwohl der Nachwuchs im Nebenzimmer spielt. Die New Work bringt für gut ausgebildete Frauen ganz neue Karrierechancen mit sich und plötzlich ist selbst die Führungsposition aus dem Homeoffice mit Teilzeitarbeitsmodell alles andere als eine ungewöhnliche Perspektive.

Auch männliche Arbeitnehmer „gewinnen“ bei der New Work

Doch nicht nur weibliche, sondern auch männliche Arbeitnehmer profitieren in vielerlei Hinsicht von den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Mehr Flexibilität und Eigenverantwortung sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Eine ausgewogenere Work-Life-Balance. Eine sinnhafte Tätigkeit. Freiheit bei der Wahl von Arbeitszeit und -ort. Klar, dass das in den Ohren vieler Arbeitnehmer attraktiv klingt. Auch, wenn deren Umsetzung in vielen deutschen Unternehmen noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird, gewinnen also schlussendlich vor allem die Arbeitnehmer. Doch auch hier gibt es natürlich Schattenseiten:

  • Die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben drohen zu verschwimmen.
  • Die ständige Erreichbarkeit über digitale Kommunikationsmittel kann zur Belastung werden.
  • Mit Abschaffung von Stempelkarten, festen Arbeitszeiten & Co sind vermutlich mehr Überstunden an der Tagesordnung – und zwar unbezahlt.

Für Arbeitnehmer bringt die New Work also in erster Linie Vorteile mit sich, doch wie immer im Leben müssen auch manche Nachteile in Kauf genommen werden. Wie aber sieht es auf der Arbeitgeberseite aus?

Sind Arbeitgeber die „Verlierer“ der New Work?

Keinesfalls! Tatsächlich bringt die New Work nämlich auch für Arbeitgeber allerhand Vorteile mit sich. Die erhöhte Flexibilität der Arbeitsgestaltung bringt motiviertere, gesündere und zufriedenere Mitarbeiter hervor. Dies steigert die Produktivität und verringert die Krankenstände. Die Loyalität der Angestellten bleibt in Zeiten des Fachkräftemangels auf einem vergleichbar hohen Niveau und alles in allem bedeutet die New Work durch diese und weitere Aspekte zahlreiche Kosteneinsparungen. Auch hier mag es zwar Schattenseiten geben, wie Trittbrettfahrer, Kontrollverlust oder höhere Gehälter für qualifizierte Fachkräfte, doch halten sich diese wie bei den Arbeitnehmern auch mit den Vorteilen der New Work die Waagschale. Die Frage nach den Gewinnern und Verlierern der New Work ist also überflüssig. Stattdessen sollten sich deutsche Unternehmen damit beschäftigen, die „neue Arbeit“ schnellstmöglich umzusetzen und dadurch von deren Vorteilen bestmöglich zu profitieren – denn die New Work lässt sich ohnehin nicht mehr aufhalten.

Würden Sie diesem Fazit zustimmen? Oder weshalb nicht? Welche ist Ihre Meinung zum Thema „Gewinner“ und „Verlierer“ der New Work?


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