„Wertschätzende Kündigung“ – Wie lassen Sie Mitarbeiter im Guten gehen?

Kündigung und Wertschätzung, das sind auf den ersten Blick Begriffe, welche sich absolut widersprechen. Auf den zweiten Blick haben sie aber dennoch mehr miteinander zu tun, als Sie vielleicht denken würden. Genau genommen sollten alle Kündigungen „wertschätzend“ ablaufen. Aber wie?

Eine arbeitgeberseitige Kündigung wird vom betroffenen Arbeitnehmer meistens als Zeichen mangelnder Wertschätzung empfunden. Würde er wertgeschätzt werden, würde er schließlich nicht gekündigt werden, oder? Falsch! Zwar ist dieser Gedanke durchaus nachvollziehbar und gewiss auch in vielen Fällen zutreffend, aber längst nicht in allen. Oft stecken hinter einer Kündigung nämlich auch Gründe, welche der Arbeitnehmer überhaupt nicht zu verantworten hat. Vielleicht hat der Arbeitgeber wirtschaftliche Schwierigkeiten und die Sozialauswahl ist unglücklicherweise auf ihn gefallen. So oder so gehören Kündigungen zum fixen Unternehmensalltag und daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern. Woran sich hingegen zukünftig etwas ändern muss, ist die Art und Weise, wie Kündigungen in vielen Unternehmen ausgesprochen werden.

Was haben Kündigungen mit dem Employer Branding zu tun?

Aktuell macht sich in vielen deutschen Branchen ein Fachkräftemangel breit. Der Fokus im HR-Management rückt dadurch vermehrt auf das Recruiting sowie die Mitarbeiterbindung. Das Bewusstsein um die Wichtigkeit eines attraktiven Employer Brandings wächst und es wird mit innovativen Arbeitsmodellen und kreativen Recruiting-Strategien experimentiert, um noch ausreichend qualifizierte Fachkräfte für das Unternehmen gewinnen zu können. Was dabei schnell vom Radar verschwindet, ist der Aspekt der Kündigungen. Denn auch ob, weshalb und wie diese ausgesprochen werden, wirkt sich nachhaltig auf die Arbeitgebermarke und damit den Recruiting-Erfolg eines Unternehmens aus. Personaler müssen also ganzheitlich denken und sich bewusst sein, wie eng Kündigungen mit dem Employer Branding verknüpft sind. Abgesehen von der menschlichen Perspektive, die eigentlich schon als Grund für wertschätzende Kündigungen ausreichen sollte, begründen sich diese also auch aus wirtschaftlicher Hinsicht.

„Wertschätzende“ Kündigung – Was soll das sein?

Doch wie lassen sich die angeblichen Gegensätze „Wertschätzung“ und „arbeitgeberseitige Kündigung“ nun eigentlich vereinen? Hierfür gilt es erst einmal, die Emotionen eines Arbeitnehmers zu verstehen, wenn er gekündigt wird: Wenig überraschend sind diese natürlich negativ geprägt und reichen je nach Persönlichkeit von Wut über Trauer bis hin zu Scham. Diese Gefühle bezüglich des ehemaligen Arbeitgebers werden nun in die Öffentlichkeit getragen – den Freundeskreis zum Beispiel oder soziale Netzwerke im World Wide Web. Um einen Imageschaden dadurch zu verhindern, müssen also die negativen Emotionen des Betroffenen aufgefangen und abgemildert, bestenfalls sogar in positive Emotionen umgewandelt werden, wobei Letzteres zugegebenermaßen äußerst schwierig ist. Es gilt also, die Emotionen von Vornherein möglichst gering zu halten und die Kündigung stattdessen auf einer sachlichen Ebene auszuführen. Bestenfalls fühlt sich der Arbeitnehmer von dieser Hiobsbotschaft nicht überrascht, sondern konnte bereits zu einem gewissen Prozentsatz damit rechnen und sich dementsprechend innerlich vorbereiten. Zum Beispiel indem die Unternehmensführung offen damit umgeht, wirtschaftliche Probleme zu haben und in näherer Zukunft unter Umständen Entlassungen vornehmen zu müssen. Als Grundregel gilt also: Je überraschter ein Gekündigter ist, umso schlimmer. Die interne Unternehmenskommunikation spielt demnach vorab eine tragende Rolle.

Wertschätzung bedeutet Menschlichkeit

Bei der konkreten Kündigung ist anschließend die Menschlichkeit wichtig. Es muss unbedingt ein Vieraugengespräch geben, anstatt dem Betroffenen einfach auf dem Postweg eine Kündigung zukommen zu lassen. Hierbei gilt es, die Gründe für die Kündigung nachvollziehbar sowie ehrlich zu erläutern. Denn Verständnis ist für die Kontrolle der Emotionen äußerst wichtig. Vergleichen Sie das beispielsweise mit einer Trennung in einer Liebesbeziehung: Wenn Sie die Gründe für das Ende der Partnerschaft verstehen, können Sie schneller und einfacher damit abschließen und die negativen Emotionen kontrollieren, als wenn Sie von heute auf morgen mit vielen Fragen sitzengelassen werden. Wertschätzung bei einer Kündigung bedeutet also, auf das Gegenüber einzugehen, sich Zeit für den betroffenen Mitarbeiter zu nehmen, Verständnis für seine Emotionen zu zeigen und ihm eine logische Erklärung zu bieten. Sollte er die Kündigung tatsächlich selbst verursacht haben, beispielsweise durch Fehlverhalten, geben Sie ihm dadurch die Chance auf Selbstreflexion und Verbesserung.

Bieten Sie dem Gekündigten Perspektiven – intern oder extern

Werden Sie anschließend zu einem Begleiter auf diesem schwierigen Weg, der nun vor dem ehemaligen Mitarbeiter liegt. Bieten Sie ihm also Perspektiven, um ihm das beklemmende Gefühl der Hoffnungslosigkeit zu nehmen und ihm wieder Mut zu machen. Solche Angebote können ein Outplacement sein, ein Bewerbercoaching, eine Lebensberatung oder eine Abfindung, um für die kommenden Monate wenigstens finanzielle Sicherheit zu haben. Sollte die Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen resultieren, bieten Sie dem Betroffenen die Perspektive, eines Tages in das Unternehmen zurückzukehren, wenn es die Finanzen wieder zulassen, und bleiben Sie in Kontakt. All das sind Strategien einer „wertschätzenden“ Kündigung, die in der Praxis bislang leider viel zu häufig vernachlässigt werden.

Was halten Sie von dem Thema? Inwiefern ist Ihrer Meinung nach eine wertschätzende Kündigung möglich – oder eben nicht? Vielen Dank für Ihre Diskussion in den Kommentaren!


Bildquelle: Elnur/Shutterstock