Wie viel Relevanz braucht ein Job?

TV-Moderator Tobias Schlegl hat kürzlich ein großes, mediales Interesse geweckt. Er möchte seinen Beruf an den Nagel hängen und nun Notfallsanitäter werden – um „etwas gesellschaftlich Relevantes (zu) machen“.


Tobias Schlegl hat erreicht, wovon viele „Fernsehleute“ träumen. Seine Karriere begann in den 1990er Jahren als Moderator beim Sparten-Musiksender VIVA. Damals – im Jahr 1995 – schaffte er es, sich gegen 4.000 Mit-Bewerber durchzusetzen und den begehrten Job zu ergattern. Zuletzt stand er für das ZDF-Kulturmagazin „Aspekte“ vor der Kamera. Zu seinen Zwischenstationen gehörten unter anderem Sport Bild, MTV und das politische Satire-Magazin extra 3, das im NDR ausgestrahlt wird. Doch trotz aller Erfolge zieht der Moderator nun den Schlussstrich. Er ist der Meinung, dass es seinem bisherigen Beruf an Relevanz gefehlt hat.

Vom TV-Moderator zum Notfall-Sanitäter

Kein Burnout, kein Streit mit dem ZDF, kein Verlangen nach mehr Aufmerksamkeit. Im Interview mit dem Stern ließ Tobias Schlegl verlauten: „Ich stand 21 Jahre lang vor der Kamera. Das war ein großes Glück und Privileg. Und dennoch hatte ich das Gefühl, mein Leben ist bisher wie ein Computerspiel verlaufen: Alle Level sind durchgespielt. Ich bin fertig. Ich sagte mir: Das kann nicht alles sein. Deshalb will ich nun hauptberuflich Notfallsanitäter beim Deutschen Roten Kreuz werden.“

Auch wenn Schlegl zuletzt beim Bildungsfernsehen gelandet ist und seiner Entertainment-Vergangenheit längst den Rücken gekehrt hat, ist er auf der Suche nach mehr Relevanz in seinem Berufsleben, schließlich gäbe es ja „doch noch Dinge, die wichtiger sind“.

Was bedeutet Relevanz?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie relevant Ihr Beruf für die Gesellschaft ist? Um diese Frage auch nur ansatzweise beantworten zu können, muss natürlich zunächst einmal geklärt werden, was unter „Relevanz“ zu verstehen ist.

Im Duden findet sich diese einfache und prägnante Relevanz-Definition: „Bedeutsamkeit, Wichtigkeit in einem bestimmten Zusammenhang“. Wikipedia ergänzt: „Relevanz (…) ist (…) sekundär auch eine situationsbezogene Wichtigkeit, die jemand etwas in einem bestimmten Zusammenhang beimisst.“

Mit anderen Worten: Relevanz ist immer auch etwas Subjektives, das vom Betrachter und der Situation abhängt. Eine allgemeingültige Kategorisierung von relevanten und nicht relevanten Dingen gibt es demzufolge nicht. Was Person A für relevant hält (beispielsweise die Moderation eines Kulturmagazins im ZDF), kann von Person B schon wieder ganz anders wahrgenommen werden.

Welche Rolle spielt Relevanz im Berufsleben?

Auch wenn Tobias Schlegl es mit seiner Entscheidung, den Beruf zu wechseln, in die mediale Öffentlichkeit gerückt hat, ist das Thema Relevanz im Berufsleben natürlich nicht neu. Es scheint allerdings auch so, als wären momentan so viele Menschen wie nie auf der Suche nach einem Beruf mit Relevanz. Dass der Bedarf vorhanden ist und gezielt gesucht wird, wird unter anderem durch verschiedene Jobbörsen und Blog-Artikel unterstrichen. In diesem Zusammenhang wird Relevanz häufig mit „Sinn“ übersetzt. Die Frage lautet dann nicht, wie viel Relevanz ein Job hat, sondern wie viel Sinn. Auch hier kann jeder subjektiv hineininterpretieren, was er für richtig und wichtig hält.

Sinn beziehungsweise Sinnhaftigkeit gehört zu den sogenannten „weichen Faktoren“, die immer größeren Einfluss auf die Wahl des Jobs nehmen. Weitere Beispiele hierfür sind die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Arbeitsatmosphäre. Das bedeutet, dass wir unseren Job nicht mehr nur nach Kriterien wie Gehalt oder Aufstiegschancen auswählen, sondern auch immer mehr Wert auf andere Aspekte legen, die weniger mit Rationalität und mehr mit Emotionalität zu tun haben. Dass das nicht nur für Frauen gilt, wird von Tobias Schlegl bewiesen.

Wie relevant ist Ihr Job?

An dieser Stelle soll noch einmal wiederholt beziehungsweise betont werden: Relevanz liegt im Auge des Betrachters. Wenn Sie sich fragen, wie relevant Ihr Job ist, kann es durchaus sein, dass Ihre Einschätzung von anderen abweicht. Das ist jedoch alles andere als schlimm – solang Sie selbst mit Ihrer Wahl zufrieden sind. Ist das nicht der Fall, besteht immer noch die Möglichkeit einer beruflichen Umorientierung – beispielsweise in Form eines Quereinstiegs.

Tipp: Wer eine so radikale Veränderung wie die von TV-Moderator Tobias Schlegl plant, muss allerdings damit rechnen, noch einmal die Schulbank zu drücken.

Abschließend kann noch gesagt werden, dass Relevanz längst nicht für alle Berufstätigen relevant ist. Es gibt durchaus Menschen, die mit Ihrem Job zufrieden sind, auch wenn dieser keinem tiefergehenden Sinn folgt. Wie viel Relevanz ein Job braucht, muss jeder selbst entscheiden. Eine Pauschalisierung ist hier – wie so oft im Leben – nicht möglich.


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