Erfahrungstransfer: Implizites Wissen richtig nutzen

Mitarbeiter verfügen nicht nur über Fachwissen, sondern auch über unternehmensspezifisches Wissen. Von diesem Wissen und den Erfahrungen kann ein Unternehmen durch Einführung gezielter Maßnahmen profitieren.


Für Unternehmen nimmt das Wissen der erfahrenen Mitarbeiter einen hohen Stellenwert ein. Es wird immer mehr als wichtige Ressource angesehen, die den Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann. Dabei geht es weniger um das Fakten-Wissen, das gut ausgebildete Fachkräfte mitbringen, sondern um das implizite und somit erfahrungsgeleitete Wissen. Dieses eignen sich Mitarbeiter durch Erfahrungen im Unternehmen an. Sie entwickeln beispielsweise spezielle Kenntnisse über die Prozesse und Produkte im Unternehmen und kennen sich mit den Eigenarten und Besonderheiten der Kunden oder Geschäftspartner gut aus. Um dieses Wissen und die Erfahrungen im Unternehmen zu halten, können gezielte Maßnahmen ergriffen werden. Mit diesen lässt sich das unternehmensinterne Wissen dokumentieren und besser nutzen.

Vorteile für Unternehmen

Es gibt viele Gründe für Unternehmen, den Wissens- und Erfahrungstransfer durch gezielte Maßnahmen zu unterstützen, denn der Transfer ist für Unternehmen mit vielen Vorteilen verbunden:

1. Transparenz
Wird der Wissens- und Erfahrungstransfer eines Unternehmens gefördert, dann kann dies dazu beitragen, dass Unternehmen besser in die Lage versetzt werden, Wissenslücken aufzudecken.

2. Einsparpotenzial
Wird das implizite Wissen richtig genutzt, dann bietet dies ein hohes Einsparpotenzial, zum Beispiel durch das Aufdecken und Reduzieren von Doppelarbeiten, bei der schnelleren Identifizierung von Fehlern oder auch durch verkürzte Einarbeitungszeiten.

3. Innovationsfähigkeit
Wird das Wissen älterer und erfahrener Mitarbeiter mit dem frischen Wissen junger Mitarbeiter kombiniert, dann kann sich dadurch eine höhere Innovationsfähigkeit ergeben, beispielsweise bei der Suche nach neuen Lösungswegen.

4. Mitarbeiterbindung
Durch die Förderung des Wissens- und Erfahrungstransfers genießen einzelne Mitarbeiter durch ihre individuelle Erfahrung und ihr Wissen eine Wertschätzung. Es wird Wert auf die individuellen Kompetenzen gelegt, wodurch sich die Zufriedenheit im Unternehmen steigern lässt. Diese Mitarbeiterzufriedenheit kann gefördert werden, da es beim Transfer ebenso auf eine verbesserte soziale Vernetzung der einzelnen Mitarbeiter ankommt.

5. Wissensaufbau
Durch eine Förderung des Transfers kann im Unternehmen ein Klima geschaffen werden, welches dazu beiträgt, dass sich Mitarbeiter gerne über ihre Erfahrungen austauschen und sich zugleich angespornt werden, sich stetig weiterbilden. Dadurch können Unternehmen von einem stetigen Wissensaufbau profitieren.

6. Wissenserhalt
Verlassen Mitarbeiter das Unternehmen, dann kann damit wertvolles Expertenwissen verloren gehen. Durch Maßnahmen des Wissens- und Erfahrungstransfers lässt sich das Wissen im Unternehmen halten.

Wissens- und Erfahrungstransfer in Unternehmen gezielt einsetzen

Um das implizite Wissen tatsächlich nutzen zu können, müssen im Unternehmen Maßnahmen ergriffen werden. Dabei kommt es darauf an, die Kompetenzen der einzelnen Mitarbeiter für das Unternehmen nutzbar zu machen. Unter anderem können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Lerntandems bilden
    Lerntandems sind besonders gut zur Einarbeitung oder Übergabe geeignet. Dabei wird ein Team gebildet, das sich aus einem erfahrenen und einem wenig erfahrenen Mitarbeiter zusammensetzt. Durch Ausführen gemeinsamer Aufgaben kann der nicht so erfahrene Mitarbeiter schnell dazulernen, wodurch sich der Erfahrene mit der Zeit zurückziehen kann.
  • Mentoring
    Beim Mentoring werden ebenso wie bei Lerntandems Teams aus erfahrenen und unerfahrenen Mitarbeitern gebildet. Diese Maßnahme kommt besonders häufig zum Einsatz, wenn ältere und erfahrene Mitarbeiter ihr Wissen und ihre Erfahrung an Nachwuchskräfte weitergeben sollen. Es wird gerne als Instrument der Karriereentwicklung eingesetzt. Der Mentor steht den Mentees dabei über einen längeren Zeitraum zur Verfügung und beantwortet persönliche wie fachliche Fragen. Durch ein enges Vertrauensverhältnis ist auf diese Weise ein weitreichender Wissens- und Erfahrungstransfer möglich.
  • Arbeit in altersgemischten Teams
    Bei Arbeiten, die im Team erledigt werden, können altersgemischte Teams dazu beitragen, dass ein wechselseitiger Wissensaustausch von Jung und Alt stattfinden kann.
  • Lessons Learned
    Dabei handelt es sich um einen zumeist regelmäßig stattfindenden und organisierten Erfahrungsaustausch. Dieser dient dazu, ganz gezielt gesammelte Erfahrungen, beispielsweise eines vorangegangenen Projektes, zu dokumentieren. Diese Art des Austausches kann insbesondere zu mehr Transparenz verhelfen und dazu beitragen, Fehler in Zukunft zu vermeiden.
  • Moderierte Übergabegespräche führen
    Scheiden Mitarbeiter aus dem Unternehmen aus, können moderierte Übergabegespräche dazu beitragen, dass mit ihnen nicht das Wissen und die Erfahrung mitgenommen werden. In diesem moderierten Gespräch sitzt die Nachwuchskraft dem ausscheidenden Mitarbeiter gegenüber. Durch einen Moderator kann sichergestellt werden, dass alle relevanten Punkte thematisiert werden. Denn in vielen Fällen erachten erfahrene Mitarbeiter einige Erfahrungen als nicht so relevant. Dabei kommt es in diesem Gespräch insbesondere auf jene Dinge an, welche nicht in den Übergabeunterlagen zu finden sind. Fragen über spezielle Ereignisse, das Netzwerk oder um mögliche Konfliktpotenziale können bei diesem moderierten Übergabegespräch angesprochen werden.

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