Work-Life-Blending: Kann dieses Arbeitsmodell funktionieren?

Für die einen ist es ein Segen, Berufs- und Privatleben maximal in Einklang miteinander zu bringen, für die anderen ein Fluch. Fakt ist: Das sogenannte Work-Life-Blending wird immer öfter zur Normalität.

Schon früh im Bett die ersten E-Mails checken, im Büro schnell den Wochenendurlaub buchen und am Abend doch noch fix die Änderungswünsche vom Chef entgegennehmen. Was noch vor wenigen Jahren absolut undenkbar war, ist mittlerweile für immer mehr Erwerbstätige gelebte Realität. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen zusehends. „Gut so!“, sagen die einen, „Bloß nicht!“ die anderen. Das Modell Work-Life-Blending teilt die Ansichten gerade in zwei Lager auf.

Erst Balance, dann Integration, jetzt Blending?

Zugegeben, diese „Work-Life-Irgendwas-Nummer“ ist inzwischen ganz schön kalter Kaffee. Nachdem erst alle Arbeit und Leben in eine Balance bringen wollten (und damit irgendwie suggerierten, dass man im Büro als halbtoter Zombie agiert), erschienen irgendwann die Verfechter der Integration auf der Bildfläche. Ihre Forderung: Das Privatleben so in die Arbeit einzubeziehen, dass ein stimmiges „Gesamt-Konzept“ entsteht.

In eine ganz ähnliche Richtung geht auch das Work-Life-Blending, sprich: Das Mischen von Beruf und Freizeit. Immer mehr Menschen sehen hierin die Zukunft der modernen Arbeitswelt. Manche jedoch schlagen auch Alarm und sind sich sicher: Work-Life-Blending macht krank und/oder unser Privatleben kaputt.

Wie funktioniert Work-Life-Blending?

Wenn Sie sich für das Konzept Work-Life-Blending interessieren, dann brauchen Sie zunächst einmal einen Arbeitgeber, der den Wegfall der Grenzen akzeptiert. Denn für einen waschechten „Blender“ ist es normal, auch am Arbeitsplatz private Dinge zu erledigen. Im Umkehrschluss ist er jedoch auch bereit, Arbeit mit nach Hause oder (im Extremfall) sogar mit in den Urlaub zu nehmen.

Vereinfacht formuliert verschwinden beim Work-Life-Blending alle klassischen Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben. Es gibt also keine klare Trennung à la 9 to 5-Job mehr.

Das Work-Life-Blending schleicht sich langsam an

Auch wenn viele Arbeitnehmer sofort sagen, dass sie dieses Modell auf gar keinen Fall in der Praxis umsetzen würden, begegnet uns das Work-Life-Blending doch erstaunlich oft. Natürlich nicht im „vollen Umfang“, doch immerhin im Kleinformat. So ist es für immer mehr Angestellte inzwischen Normalität, auch nach Feierabend noch einen Blick ins Email-Postfach zu werfen. Und wenn man sowieso nichts weiter vorhat, wird der Laptop auch am Wochenende noch einmal angemacht.

Interessant (und auch wichtig) ist, dass die meisten Erwerbstätigen, die – bewusst oder unbewusst – zum Work-Life-Blending tendieren, dies aus freien Stücken machen und nicht etwa von ihrem Arbeitgeber darum gebeten werden.

Diese Entwicklung macht deutlich, wie groß die Bedeutung des Mischens von Berufs- und Privatleben schon jetzt für die moderne Arbeitswelt ist. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Einfluss in den kommenden Jahren noch weiter wachsen wird.

Macht Work-Life-Blending krank und unglücklich?

So hoffnungsvoll die Stimmung mancher sein mag, es gibt auch immer diejenigen, die im Work-Life-Blending den Untergang des Privatlebens sehen.

Es stimmt durchaus: Das Prinzip des Verschmelzens bringt auch gewisse Gefahren mit sich. Besonders oft wird an dieser Stelle konkret auf das schrittweise Ableben der Freizeit verwiesen. Work-Life-Blending als Killer unseres Privatlebens? Oder gar als Ursache für (psychische) Leiden wie Depression oder Burnout?

Es kommt darauf an. Denn anders herum gedacht sieht das Konzept ja auch vor, dass der Arbeitsalltag besser an private Bedürfnisse angepasst werden kann. Immer mehr Unternehmen geben ihren Mitarbeitern sowohl zeitliche als auch räumliche Freiräume und fördern dadurch das Work-Life-Blending aktiv.

Work-Life-Blending nicht kategorisch verteufeln

Die Kita streikt, der Hund hat plötzlich Magen-Darm und (Ach, du Schreck!) die Schwiegermutter hat sich spontan fürs Wochenende angekündigt? Dank Work-Life-Blending sind solche Horror-Szenarien in Zukunft (zumindest) theoretisch kein Problem mehr. Denn wenn die Arbeit hin und wieder nach Feierabend erledigt wird, kann sie auch mal kurzfristig liegengelassen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden.

Es kommt immer ganz darauf an, was man aus den Möglichkeiten, die sich einem bieten, macht. Diejenigen, für die Work-Life-Blending nur bedeutet, Arbeit mit nach Hause und in den Urlaub zu nehmen, werden durch das Konzept garantiert nicht glücklicher. Die wahren Profiteure sind die, die begreifen, dass Work-Life-Blending auch in die andere Richtung funktioniert; dass also auch das Privatleben auch mal über das berufliche gestellt werden darf.


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