Zeugnissprache: Das steckt hinter den Geheimcodes

In vielen Arbeitszeugnissen deuten Floskeln auf die Leistungsbereitschaft und Fähigkeiten des Arbeitnehmers hin. Nur, wer die Geheimcodes kennt, kann das eigene Arbeitszeugnis bewerten.


Arbeitnehmer haben ein Recht auf ein wahrheitsgemäßes und zugleich wohlwollendes Zeugnis. Offene Kritik oder abwertende Bemerkungen dürfen im Arbeitszeugnis nicht vorkommen. Aus diesem Grund haben sich im Laufe der Zeit versteckte Formulierungen entwickelt, mit denen Kritik als geheime Botschaft angesprochen wird. Viele dieser Geheimcodes im Arbeitszeugnis wirken auf den ersten Blick wohlwollend, sie sind jedoch mit Vorsicht zu genießen.

Gängige negative Geheimcodes im Arbeitszeugnis

Geheimcodes im Arbeitszeugnis sind doppeldeutige Aussagen. Um das Zeugnis und die Botschaft darin zu lesen, gilt es diese Doppeldeutigkeiten ausfindig zu machen. Hier einige Beispiele der klassischen Geheimcodes und dessen Interpretation:

  • Verständnis für die Arbeit oder Aufgaben: Das Verständnis war vorhanden, aber die Leistung fehlte.
  • Das Wort anfangs als Einleitung der Leistungsbeschreibung: Zu Beginn zeigte der Arbeitnehmer Leistung, anschließend nicht mehr.
  • Hinweis auf nicht unbedeutende Erfolge: Der Erfolg, wie er vom Arbeitgeber gewünscht war, blieb aus.
  • Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen: Dies kann auf einen arroganten Mitarbeiter hindeuten.
  • Fähigkeiten, seine Aufgaben zu delegieren: Auf diese Weise kann jemand beschrieben werden, der sich vor der Arbeit drückte.

Viele Formulierungen in Arbeitszeugnissen bieten somit Interpretationsspielraum. Deshalb ist es wichtig, die Floskeln stets im Zusammenhang zu lesen. Zudem sind die Geheimcodes auch nicht jedem Arbeitgeber bekannt. Eine gut gemeinte Aussage kann sich im Arbeitszeugnis schnell als ernstzunehmende Kritik herausstellen. Deshalb sollten sich auch Unternehmen vor der Erstellung von Arbeitszeugnissen mit den Geheimcodes beschäftigen.

Positive Formulierungen in Zeugnissen

Natürlich sind nicht alle Floskeln in Arbeitszeugnissen negativ gemeint. So gibt es auch einige positive Formulierungen, welche für eine gute Leistung sprechen:

  • Eine sehr gute Leistung: Der Mitarbeiter hat stets zu unserer vollsten Zufriedenheit gearbeitet oder die Leistungen waren stets sehr gut. Auch wenn sich der Arbeitgeber als „außerordentlich zufrieden“ äußert, spricht dies für eine sehr gute Beurteilung.
  • Eine gute Leistung: Der Mitarbeiter hat stets gute oder sehr gute Leistungen erbracht. Aber auch die Floskeln „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ genauso wie „zu unserer vollsten Zufriedenheit“ sprechen für eine gute Leistung.
  • Eine befriedigende Leistung: Der Arbeitnehmer hat zur vollen Zufriedenheit oder stets zur Zufriedenheit gearbeitet.

Wurden die Aufgaben zur Zufriedenheit bearbeitet, spricht dies nur noch für eine ausreichende Leistung. Wenn sogar die Rede davon ist, dass die Erwartungen größtenteils erfüllt wurden, wird zumeist eine mangelhafte Leistung beschrieben. Mit vielen ungenügenden Leistungsbeschreibungen müssen sich Arbeitnehmer hingegen nicht immer abfinden. Sie wirken vernichtend und viele der bekannten negativen Formulierungen wurden bereits als unzulässig eingestuft, sodass stets versucht werden sollte, eine Anpassung einzufordern.


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