Zufriedenheit am Arbeitsplatz: Lieben oder hassen die Deutschen ihren Job?

Ob Sie Ihren Job lieben oder nicht, könnte eine Frage des Alters sein. Laut einer Studie beginnt der Hass nämlich mit 35 Jahren. Was steckt dahinter?

Es ist eine erschreckende Studie aus dem Hause Robert Half, die aktuell Schlagzeilen macht: Die Zufriedenheit mit dem Job sinkt ab dem Alter von 35 Jahren deutlich. Während viele Berufseinsteiger in ihren Zwanzigern also noch hoch motiviert in die Karrierelaufbahn starten und vielleicht auch den einen oder anderen Erfolg in Form einer Beförderung oder Gehaltserhöhung verzeichnen, scheint es mit spätestens 35 Jahren vorbei zu sein mit Zufriedenheit, Motivation & Co. Dementsprechend waren im Rahmen der Studie doppelt so viele Personen über 35 mit ihrem Job unzufrieden als noch in einem jüngeren Alter. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die Kurve geht nicht geradewegs in den Abgrund, sondern ab circa 55 Jahren steigt die Zufriedenheit mit dem Job wieder. Woher also kommt dieser Durchhänger, welcher mit einer Dauer von etwa 20 Jahren nicht zu verachten ist?

Ursachenforschung: Ist die Doppelbelastung schuld?

Bei der Altersspanne von 35 bis 55 Jahren gehen bei vielen Menschen die Alarmglocken an: Es handelt sich doch um die Zeit, in welcher die meisten Personen eine Familie gründen, vielleicht ein Eigenheim bauen oder erwerben und Kinder großziehen. Hat die steigende Unzufriedenheit im Beruf in diesem Zeitraum also etwas mit der Doppelbelastung Job und Familie zu tun? Tatsächlich gibt die Studie hierfür interessante Anhaltspunkte: Rund ein Drittel der unzufriedenen Arbeitnehmer klagen über zunehmenden Stress im Job, was auch an einer sinkenden Stresstoleranz im Beruf liegen könnte, wenn es simultan im Privatleben turbulenter zugeht. 25 Prozent beklagten bei der Befragung hingegen eine fehlende berufliche Perspektive, wobei es sich zu großen Teilen um Frauen handelt, die aufgrund einer Auszeit für die Geburt und Kindererziehung einen Rückschlag beziehungsweise eine gläserne Decke auf ihrer Karriereleiter in Kauf nehmen müssen. Zwölf Prozent der Studienteilnehmer fühlten sich sogar explizit unter Druck, endlich eine Familie gründen zu müssen, obwohl sie sich vielleicht lieber erst einmal auf ihre Karriere konzentrieren würden. Sie empfinden ihre Work-Life-Balance als unausgeglichen.

Die Antwort lautet also: Ja, die Doppelbelastung zwischen Beruf und Familie, manchmal sogar die Dreifachbelastung, wenn zum Beispiel Angehörige gepflegt werden müssen, spielt eine tragende Rolle hinsichtlich der steigenden Jobunzufriedenheit ab 35 Jahren. Der Spagat zwischen Karriere und Kindern beziehungsweise Privatleben fällt vielen Arbeitnehmern nach wie vor schwer, was auch an einer mangelnden Unterstützung durch den Arbeitgeber liegt.

Auf die richtige Wahl des Arbeitgebers kommt es an

Wenig verblüffend scheint also das Resultat, dass aktuell vor allem Millennials mit ihrem Job zufrieden sind – schließlich befindet diese Generation sich zum Großteil noch unterhalb des kritischen Alters von 35 Jahren. Doch noch ein weiterer wichtiger Faktor fällt neben dem Alter auf: Die Wahl des Arbeitgebers macht hinsichtlich der Jobzufriedenheit einen großen Unterschied. Eine auf Statista veröffentlichte Studie verrät: 33 Prozent der Befragten sind mit ihrer Wahl sehr zufrieden. 49 Prozent sind immerhin zufrieden. 17 Prozent hingegen sind eher weniger zufrieden bis hin zu vollkommen unzufrieden – und auch hierbei dürfte es sich vor allem um die 35- bis 54-Jährigen handeln. Wo die Arbeitnehmer viel Flexibilität wie die Möglichkeit zum Homeoffice erfahren, trotz Familienauszeit oder Teilzeitarbeitsmodell berufliche Perspektiven sehen und sich von ihrem Arbeitgeber unterstützt fühlen, sind sie tendenziell auch in diesem „kritischen“ Alter einigermaßen bis sehr zufrieden. Und dann gibt es da noch einen dritten Faktor: das Gehalt.

Wie eng hängen das Gehalt und die Jobzufriedenheit zusammen?

Ein zu geringes Gehalt wäre für die meisten Deutschen ein Grund, um den Job zu wechseln – auch, wenn sie an anderer Stelle wie dem Arbeitsklima oder den flexiblen Arbeitszeiten eigentlich ganz zufrieden sind. Schlussendlich ist der Beruf eben doch ein Mittel zum Zweck, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Verblüffend ist angesichts dieser Einstellung, dass sich ganze 68 Prozent der Deutschen für ihre Arbeitsleistung unterbezahlt fühlen. Nur 28 Prozent empfinden ihr Einkommen als fair und schlappe vier Prozent würden sich als überbezahlt betiteln, so das Ergebnis einer weiteren auf Statista veröffentlichten Befragung. Auch bei ihrer Gehaltspolitik müssen viele Arbeitgeber in Deutschland also noch dringend nachbessern.

Wie zufrieden beziehungsweise unzufrieden sind Sie mit Ihrem Job und weshalb? Welche weiteren Gründe könnte es dafür geben, dass gerade zwischen 35 und 54 Jahren die Zufriedenheit so drastisch sinkt? Vielen Dank für Ihre Beiträge zum Thema in den Kommentaren!


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