Zufriedenheit im Job: Berufung statt nur Beruf finden

Wer seinen Job liebt, muss nie wieder arbeiten – so lautet ein bekanntes Sprichwort. Doch was bedeutet „Berufung“ und wie finden Sie diese?


Das Wort „Beruf“ soll einst Martin Luther geschaffen haben, laut welchem es sich um jene Arbeit handelt, zu welcher Gott einen Menschen „beruft“. Das Arbeitsamt definiert den Beruf heutzutage als dauerhaft ausgeführtes Bündel von Tätigkeiten, für welches Sie eine entsprechende Ausbildung besitzen. Der Beruf dient demnach der Sicherung des Lebensunterhalts. Eine sehr moderne, nüchterne Sichtweise, welche zumindest in den vergangenen Jahrzehnten wohl von den meisten Menschen so getragen wurde. Mehr und mehr findet nun aber ein Wandel statt. Zahlreiche deutsche Arbeitnehmer, vor allem der sogenannten Generation Y (Jahrgänge 1980-1999), möchten in ihrem Beruf wieder mehr sehen als Arbeit mit dem reinen Zweck, Geld zu verdienen. Sie möchten im gewählten Beruf stattdessen ihre „Berufung“ finden. Doch was bedeutet das eigentlich und wie funktioniert das?

Berufung gewinnt in der „Generation Y“ an Bedeutung

Sozialwissenschaftler erkennen schon seit Jahren ein Umdenken in der deutschen Gesellschaft. Der Fachkräftemangel verändert die Arbeitswelt und stärkt die Position der Arbeitnehmer. Hoch qualifizierte Fachkräfte haben nicht selten die Wahl zwischen verschiedenen attraktiven Stellenangeboten. Sie sind nicht mehr Bittsteller, sondern die Unternehmen müssen um die besten Bewerber buhlen. Stichwort: Employer Branding. Aber rein materielle Werte reichen den Arbeitskräften von Morgen häufig nicht mehr als Argument für einen Arbeitgeber aus. Klar, ein hohes Gehalt oder der unbefristete Arbeitsvertrag sind immer noch attraktiv. Doch Experten beobachten vor allem den Trend hin zu immateriellen Werten. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, eine ausgewogene Work-Life-Balance oder eben auch eine sinnhafte Tätigkeit rücken immer mehr in den Fokus der jüngeren Generationen.

Worin liegt der Unterschied zwischen Beruf und Berufung?

„Sinn“ – genau hierin liegt der Unterschied zwischen Beruf und Berufung. Viele Menschen möchten heutzutage nämlich nicht mehr nur acht Stunden eine stupide Arbeit verrichten, mit welcher sie sich nicht identifizieren. Sie sehnen sich vielmehr nach einem Beruf, der zu ihren Wertvorstellungen, Träumen oder auch Überzeugungen passt. Sie wollen die Welt verbessern, Menschen helfen oder die Technologie voranbringen. Sie suchen eben nach einer Tätigkeit, welche sie als „sinnvoll“ erleben. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag: Was ist der Unterschied zwischen „Job“ und „Beruf“?

Dennoch arbeiten viele Menschen immer noch in als sinnentleerten wahrgenommenen Berufen. Das liegt vor allem daran, dass sie ihre Berufung noch nicht gesucht oder schlicht noch nicht gefunden haben. Manch einer traut sich vielleicht auch einfach nicht, den sicheren, gut bezahlten Job an den Nagel zu hängen, um seiner Berufung in die Ungewissheit zu folgen. Wir möchten Ihnen deshalb heute verraten, wie Sie den Spagat zwischen Berufung und einem Beruf finden, der Ihnen dennoch genügend Geld auf dem Konto für die Miete und den Lebensunterhalt beschert. Schlussendlich sind nämlich beide Faktoren wichtig, um langfristig physisch wie psychisch gesund zu bleiben. Eine sinnentleerte Tätigkeit ist auf Dauer nämlich ebenso belastend wie die ständige finanzielle Unsicherheit und die damit einhergehenden Existenzängste.

Vom Beruf zur Berufung – so funktioniert‘s

Schritt 1: Realistische Vorstellungen entwickeln

Wenn Sie in Ihrem Beruf keinerlei Sinn erkennen können und sich tagtäglich bis zum Feierabend schleppen, nur um am Ende des Monats genügend Geld für das neue Auto oder einen vollen Kühlschrank übrig zu haben, sollten Sie sich auf die Suche nach Ihrer wahren Berufung ergeben. Dennoch sollten Sie sich von überzogenen Erwartungen freimachen. Sprichworte, wie das eingangs erwähnte „Wer seinen Job liebt, muss nie wieder arbeiten“ sind nämlich nicht als realistisch zu werten. Den Job, der Ihnen jeden Tag nur Freude bereitet oder einen Beruf, in welchem Sie von morgens bis abends einen tiefen Sinn erkennen, gibt es nicht. Prüfen Sie stattdessen, ob Sie in Ihrem Beruf regelmäßig „sinnvolle“ Momente erleben und sich im Großen und Ganzen berufen fühlen. Ein oder zwei schlechte Tage sind nicht direkt ein Grund zum Zweifeln.

Schritt 2: Die Berufung finden Sie in sich selbst

Jeder Mensch ist individuell und ebenso verschieden sind die Vorstellungen von einer sinnhaften Tätigkeit. Welche Ihre Berufung ist, können Sie daher nur durch sich selbst herausfinden. Horchen Sie in sich hinein, finden Sie Ihre Stärken und Talente. Fragen Sie sich, was Sie antreibt, welche Momente Ihnen Freude bereiten oder wann Sie sich im Leben besonders „erfüllt“ fühlen. Schreiben Sie Ihre Ideen nieder, ordnen Sie diese konkreten Berufen zu und prüfen Sie diese auf ihre Umsetzbarkeit.

Schritt 3: Mut zur Berufung – und zur Zufriedenheit

Schlussendlich brauchen Sie nur noch eines: Den Mut, Ihre Berufung zu finden und zu Ihrem Beruf zu machen. Und noch etwas sollten die Arbeitnehmer von heute (wieder) lernen: Zufriedenheit. Lernen Sie, mit ihrer Berufung zufrieden zu sein. Auch, wenn der Nachbar das größere Auto fährt oder Sie wohl niemals zur Führungskraft befördert werden. Oder aber Sie finden sich mit Ihrem gut bezahlten, dafür aber sinnentleertem Beruf ab und lernen auch hier, einfach wieder zufrieden zu sein. Es ist schlicht und ergreifend eine Grundsatzentscheidung, was Ihnen im (Berufs-) Leben wirklich wichtig ist. Und mit etwas Glück, gehen materielle und immaterielle Werte in Ihrer Berufung sogar miteinander einher.

Oder was denken Sie? Wie wichtig ist der Sinn in der Arbeit wirklich? Ist die Berufung Ihrer Meinung nach in der deutschen Arbeitskultur über- oder eher unterschätzt? Wir sind gespannt auf ihre Anregungen in den Kommentaren.

Lesetipp: Sie sind unglücklich mit Ihrer aktuellen Tätigkeit? So erkennen Sie, ob Sie im falschen Job oder im falschen Beruf sind.


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