„Wie viel verdienen Sie aktuell?“ – Was Bewerber antworten sollten

Worauf zielt der Personaler im Vorstellungsgespräch mit der Frage nach dem aktuellen Gehalt ab und was sollten Bewerber (keinesfalls) antworten?

In einem Bewerbungsgespräch warten allerhand fiese Fragen auf den Jobsuchenden. Eine gute Vorbereitung ist daher das A und O, um in dieser Situation nicht ins Stocken zu geraten oder eine falsche Antwort zu geben. Ein echter Klassiker ist in diesem Rahmen auch die Frage nach dem aktuellen Gehalt, wenn sich der Kandidat aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus bewirbt. Viele Bewerber rechnen damit, ihren Gehaltswunsch im Anschreiben der Bewerbung oder spätestens im Vorstellungsgespräch nennen zu müssen und legen sich eine entsprechende Zahl sowie eine nachvollziehbare Begründung für diesen Wert zurecht. Mit der Frage nach dem aktuellen Gehalt rechnen hingegen nur die Wenigsten. Aber müssen Sie ehrlich antworten? Worauf zielt der Personaler ab? Und was, wenn Sie bislang unterbezahlt waren?

Welches Ziel verfolgt der Recruiter mit der Frage nach dem aktuellen Gehalt?

Damit Sie nicht verunsichert reagieren und angemessen antworten können, sollten Sie erst einmal den Sinn und Zweck hinter dieser Frage verstehen. Während Sie bei der Formulierung Ihres Gehaltswunsches prinzipiell frei sind, werfen Sie mit dem aktuellen Gehalt einen konkreten Wert in den Raum. Der Personaler kann also abschätzen, wie Ihr bisheriges Gehaltsniveau war und inwiefern Ihre aktuelle Forderung über oder sogar unter dieser Zahl liegt. Zwar sind Gehaltserhöhungen im Zuge eines Jobwechsels völlig normal, jedoch liegen diese nur in Ausnahmefällen über fünf bis zehn Prozent. Fordern Sie also 75.000 Euro, obwohl Sie bislang nur 55.000 Euro im Jahr verdient haben, werden Sie dieses Ziel in der anschließenden Gehaltsverhandlung nur schwer durchsetzen können. In erster Linie wünscht sich der Personaler durch Ihre Antwort also einen konkreten Ausgangswert für die folgende Gehaltsverhandlung.

Gleichzeitig kann er durch Ihr bisheriges Gehalt Rückschlüsse auf Ihre Arbeitsleistung ziehen. Zwar mag das in der Praxis nicht immer der Realität entsprechen, doch in der Theorie steht ein hohes Gehalt für gute Leistungen – und umgekehrt. Waren Sie bislang also unterbezahlt, hatte der Arbeitgeber offensichtlich kein Interesse an Ihrer Loyalität. Hätte er Ihre Kündigung verhindern wollen, wäre schließlich eine Gehaltserhöhung das passende Mittel der Wahl gewesen. Demnach könnte die Unterbezahlung auf mittelmäßige bis schlechte Leistungen hindeuten. Natürlich kann ein schlechtes Gehalt auch aus vielerlei anderen Gründen resultieren. Dennoch macht dieses Beispiel deutlich: Die Frage aus Bewerbersicht richtig zu beantworten, ist alles andere als einfach. Denn eine falsche Antwort könnte irreführende Signale und dadurch schlimmstenfalls die Jobabsage nach sich ziehen.

Muss die Frage nach dem aktuellen Gehalt ehrlich beantwortet werden?

Wer bislang marktüblich bezahlt wurde und mit seinem Verdienst zufrieden war, steht bei der Frage vor keinem Problem. Er kann einfach ehrlich antworten, ohne falsche Rückschlüsse zu erwirken. Anschließend handelt er eine angemessene Gehaltserhöhung aus und fertig! Wer sich hingegen bislang unterbezahlt fühlt, möchte gewiss verhindern, dass dieser eigentlich zu niedrige Wert als Verhandlungsgrundlage dient. In diesem Fall bräuchten Sie schließlich durchschlagende Argumente, um Ihr eigentlich gefordertes Ziel zu erreichen. Zudem möchten Sie keinen Imageschaden durch falsche Assoziationen des Personalers riskieren. Verlockend wäre es in diesem Fall also, einfach zur Notlüge zu greifen. Rein theoretisch wäre das sogar erlaubt, denn rechtlich gesehen darf der Recruiter nicht nach dem aktuellen oder einem früheren Gehalt fragen – und bei unerlaubten Fragen darf der Bewerber lügen. Selbiges gilt zum Beispiel für Fragen nach bestehenden Krankheiten oder geplanten Schwangerschaften.

Aber: Es ist für den Bewerber zwar erlaubt, jedoch schlichtweg unmöglich, bezüglich seines Verdienstes zu lügen. Sollte nämlich ein Arbeitsvertrag zustande kommen, werden mit der elektronischen Lohnsteuerkarte alle relevanten Daten vom bisherigen an den neuen Arbeitgeber übermittelt. Dazu gehört zwar nicht Ihr genaues Gehalt, aber zum Beispiel Ihre Steuerabzüge. Dank progressivem Steuersatz lassen diese recht genaue Rückschlüsse über Ihren Verdienst zu. Spätestens jetzt könnte also die Lüge über Ihr aktuelles Gehalt auffliegen.

Wie sollten unterbezahlte Bewerber auf die Frage antworten?

Wenn Sie sich unterbezahlt fühlen und daher nicht ehrlich auf die Frage nach dem aktuellen Gehalt antworten möchten, haben Sie prinzipiell zwei Möglichkeiten: Sie können die Antwort verweigern, jedoch wird dadurch die Skepsis des Gegenübers vermutlich nur noch größer. Oder Sie antworten ehrlich, legen sich aber direkt Gründe für die Unterbezahlung sowie Argumente, weshalb Sie zukünftig mehr verdienen sollten, zurecht. So entkräften Sie unmittelbar die genannte Zahl als Basis für folgende Gehaltsverhandlungen und machen deutlich, dass die Unterbezahlung zum Beispiel mit der geringen Unternehmensgröße anstelle Ihrer schlechten Leistungen zusammenhing.

Sollte der Ausnahmefall eintreten, dass Sie sich auf eine schlechter bezahlte Stelle als bisher beworben haben, sollten Sie auch hier direkt die passende Begründung liefern. Schließlich ist der finanzielle Abstieg ungewöhnlich und so könnte der Recruiter annehmen, Sie seien aus Ihrer vorherigen Anstellung „herausgemobbt“ worden – oder so ähnlich.

Welche weiteren Tipps haben Sie, um die Frage nach dem aktuellen Gehalt je nach individuellem Fall richtig zu beantworten – aus der Sicht eines Arbeitnehmers oder Arbeitgebers?


Bildquelle: Andrey_Popov/Shutterstock

Print Friendly, PDF & Email